Gescheiterte Exekution von Christa Pike: Gerissene Vene schon bei Injektion befürchtet

Christa Pikes gescheiterte Hinrichtung in Tennessee sorgte weit über die USA hinaus für Aufsehen. Jetzt gibt es neue Details zum Hergang der Hinrichtung.
Foto: George Walker IV/AP/dpa
dpa | Bereits während der gescheiterten Hinrichtung von Christa Pike im US-Bundesstaat Tennessee sollen für die Infusion zuständige Mitarbeiter vor gerissenen Venen gewarnt haben. Das Personal habe mit etwa zehn Nadeln an beiden Armen versucht, Zugänge zu legen, berichteten mehrere Medien aus vor Gericht eingereichten Angaben der Anwälte. Trotz der Komplikationen wurden Pike danach noch beide Injektionen des Giftstoffs verabreicht.
Die Suche nach einer Vene habe sich bei Pike über fast eine Stunde hingezogen, zitierte der „Guardian“ die Angaben eines Anwalts. Wiederholt glaubten Mitarbeiter, eine Vene erwischt zu haben – nur um dann das Gegenteil festzustellen. Eine der Nadeln schien nach dem Herausziehen „stark verbogen“ zu sein. Immer wieder äußerten Mitarbeiter die Vermutung, die Venen seien beschädigt.
„Habe das Gefühl, mein Arm wird gleich platzen“
Schließlich glaubten sie, erfolgreich einen Zugang gefunden zu haben, und verabreichten Pike das Gift Pentobarbital. Als die erste Injektion nicht zum Tod führte, wurde ihr gemäß Vorschrift eine zweite Dosis verabreicht. „Ich habe das Gefühl, mein Arm wird gleich platzen“, sagte Pike den Angaben nach. „Es brennt.“
Als Pike ins Krankenhaus kam, waren ihre Arme nach Angaben der Anwälte geschwollen und mit Blasen übersät. Experten hatten nach dem Hinrichtungsversuch bereits vermutet, dass das Gift ins umliegende Gewebe und nicht in den Blutkreislauf gelangt sei. Das könne erklären, warum die 50-Jährige überleben konnte.
Kein vergleichbarer Fall in der jüngeren US-Geschichte
Pikes Hinrichtung hatte für Aufsehen gesorgt, weil sie die erste Frau seit mehr als 200 Jahren gewesen wäre, die im US-Bundesstaat Tennessee hingerichtet worden wäre. Nach Angaben des Death Penalty Information Center ist in den USA kein vergleichbarer Fall aus der jüngeren Geschichte bekannt, in dem die Hinrichtungsmedikamente verabreicht wurden und der oder die Verurteilte weiterlebte.
Rund anderthalb Wochen nach der Hinrichtung konnte Pike das Krankenhaus verlassen – und sitzt nun wieder in dem Gefängnis, in dem sie bereits seit rund drei Jahrzehnten inhaftiert ist. Pike war 1996 für den Mord an der damals 19-jährigen Colleen Slemmer zum Tode verurteilt worden. Sie selbst war zur Tatzeit 18 Jahre alt. Slemmer war 1995 in einem abgelegenen Gebiet nahe Knoxville über längere Zeit gefoltert und schließlich getötet worden.
Todesstrafe in den USA Staat und Spektakel
Kommentar von Rahel Bueb
Der fehlgeschlagene Versuch, die Mörderin Christa Pike hinzurichten, zeigt die ganze Grausamkeit der Todesstrafe. Wir dürfen uns nicht damit abfinden.
Hinrichtung im Livestream US‑Politiker und UNO fordern Verzicht
Es wäre wohl die erste Militärexekution in den USA seit mehr als 60 Jahren – per Livestream übertragen. Letzteres war wohl nicht Trumps Entscheidung.
Todesstrafe in den USA Scheitern als Kalkül
Kommentar von Sean-Elias Ansa
Dem Trump-Regime ist es nicht gelungen, Christa Pike hinzurichten. Das ist nicht überraschend. Die Risiken des eingesetzten Mittels sind bekannt.
taz FUTURZWEI im Abo entdecken Endlich mal ein Magazin für Zukunft
taz FUTURZWEI ist unser Magazin für eine bessere Zukunft. Das Abo bietet jährlich vier Ausgaben für nur 38 Euro. Zudem erhalten Sie eine Ausgabe von Luisa Neubauers neuestem Buch „Was wäre, wenn wir mutig sind?“ (solange Vorrat reicht).
- Jedes Quartal neu in Ihrem Briefkasten
- Nur 38 Euro im Jahr
- Als Prämie Luisa Neubauers „Was wäre, wenn wir mutig sind?“
- Herausgegeben von Harald Welzer
Jetzt abonnieren
KioskNews shows a cleaned-up reading view extracted from the publisher’s page — the original always lives on their site, not ours.