Tilcayo-Tiger: Erste neue Katzenart seit 100 Jahren entdeckt

- Forschende haben im bolivianischen Regenwald erstmals seit über 100 Jahren eine neue Katzenart entdeckt.
- Die Tilcayo Tiger-Katze (Leopardus tilcayo) wiegt nur 1,4 Kilogramm und ist damit kleiner als eine Hauskatze.
- Die indigenen Völker der Region kannten das Tier bereits seit Jahrzehnten und hatten ihm den Namen «Tilcayo» gegeben.
Forschende in Südamerika haben eine aufsehenerregende Entdeckung gemacht: Erstmals seit über 100 Jahren wurde dort eine komplett neue Katzen-Art entdeckt. Die gaben die Forschenden im Fachjournal Current Biology bekannt, wie NBC News berichtet.
«Leopard» im Mini-Format
Der neu entdeckte Vierbeiner trägt den wissenschaftlichen Namen Leopardus tilcayo, im Laienmund die Tilcayo Tiger-Katze. Sie hat einen schlanken Körper mit geflecktem Fell und runden Ohren – hinsichtlich der Grösse hat sie aber mit Leoparden wenig zu tun: Wie die Forscher berichten, ist die Tilcayo Tiger-Katze mit einer Körperlänge von etwa 46 Zentimetern und 1,4 Kilogramm Gewicht kleiner als die meisten Hauskatzen. Sie trägt zwar «Leopard» im Namen, gehört aber zur Gattung der kleinen Wildkatzen (Felidae), während die Leoparden zur Unterfamilie der Pantherinae gehören.
«Das ist wirklich neu, so etwas ist seit 100 Jahren nicht mehr vorgekommen», sagt Studien-Co-Leiterin Paola Nogales-Ascarrunz. Sie leitet in Bolivien ein Konservierungs- und Forschungsprogramm für Wildkatzen. «Niemand hat die Art bis jetzt beschrieben, niemand hat ihr einen Namen gegeben.»
Worauf sollte der Fokus nach so einer Entdeckung für dich zuerst liegen?
Wie gross der Bestand der wildlebenden Tilcayo Tiger-Katzen ist, lasse sich derzeit noch nicht abschätzen. «Wir brauchen Wissenschaft, wir brauchen mehr Studien, um diese Frage zu beantworten, die so kritisch für die Konservierung [der Art] ist». Denn wie bei fast allen anderen Wildkatzen, ob gross oder klein, dürfte auch der Lebensraum der neu entdeckten Mini-Leoparden in den letzten Jahrzehnten massiv geschrumpft sein.
Die Forscherin kann sich noch genau an den Moment erinnern, als sie die Katze zum ersten Mal sah: «Sie war so, so klein, ich konnte gar nicht glauben, wie klein sie war. Ich dachte zuerst, es sei ein Katzenbaby.» Das Exemplar, das zur Entdeckung der neuen Art geführt hatte, wurde ihr von einem Mann vorbeigebracht, der in einer indigenen Gesellschaft nahe La Paz wohnt.
Mann fütterte Katze mit Reis und Nudeln – erfolglos
Der Mann war demnach davon ausgegangen, dass es sich beim Tier um eine normale Hauskatze handelt, und hatte versucht, es mit Nudeln, Reis und Eiern zu füttern. Dabei sei ihm aber bewusst geworden, dass es sich um eine Wildkatze handelt, woraufhin er den kleinen Vierbeiner bei der Auffangstation von Nogales-Ascarrunz vorbeibrachte.
Die Forscherin hatte schnell den Verdacht, dass es sich um eine bislang nicht beschriebene Art handelt. «Wenn man sich die Flecken und den Schwanz ansieht, passt es nicht wirklich», sagt sie hinsichtlich anfänglicher Theorien anderer Forschenden, dass es sich um eine bekannte Tigerkatzenart aus Brasilien handelt.
Von hier kommt der Tilcayo-Name
Ein DNA-Test brachte schliesslich den abschliessenden Beweis, dass es sich tatsächlich um eine neue Art handelt – zumindest für die Forschung: Die im Gebiet lebenden indigenen Völker sind laut der Studienleiterin bereits seit Jahrzehnten mit der Katze vertraut – und haben ihr auch den Namen verpasst: «Wenn man sie fragt, ob der Name eine Bedeutung in Quechua oder Aymara [Anm. d. Red.: zwei indigene Sprachfamilien] hat, sagen sie: ‹Nein, mein Grossvater hat mir gesagt, dass das der Tilcayo ist›», so die Forscherin zur Namensgebung der neusten Katzen-Art.
Benedikt Hollenstein (bho) ist seit 2021 bei 20 Minuten. Er schreibt für den Newsdesk und übernimmt dort auch Tagesleitungsschichten.
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