Klimawandel – Wie ein Fotograf das Sterben des Aletschgletschers dokumentiert

Gelbe Lärchen, rote Heidelbeeren und der Aletschgletscher – an einem sonnigen Herbsttag im Jahr 2012 wanderte Kurt Steiner zum ersten Mal in der Aletschregion.
Der Berner Fotograf Steiner war «dieser unwahrscheinlich schönen Region» sofort zugetan. Seither lässt ihn der grösste Gletscher der Alpen nicht mehr los.
Zuerst kehrt Kurt Steiner wegen der Schönheit der Natur zurück, dann wegen der Veränderungen in der Landschaft, ausgelöst durch die Gletscherschmelze. «Nach ein paar Besuchen merkte ich: Ah, da passiert viel, und es passiert schnell.»
Aus dem Fotografen, der seine Wanderungen dokumentiert, wurde ein systematischer Beobachter. Über 120-mal hat er das Gebiet mittlerweile besucht. Um die Veränderungen präzise festzuhalten, erfasst der 75-Jährige seit 2020 konsequent GPS‑Koordinaten. So kann er Vergleichsbilder schiessen.
Seine Bilder zeugen vom rasanten Wandel. «2018 war das Gletschertor noch in der Nähe eines Wegweisers. Mittlerweile muss man einen Feldstecher benutzen, um das Gletschertor überhaupt noch zu sehen.» Der Grosse Aletschgletscher verliert jedes Jahr bis zu 50 Meter seiner Länge.
Der Aletschgletscher wird nicht nur kürzer, sondern verliert auch an Höhe und Dicke. Gut sichtbar wird das etwa bei einer markanten Felsformation beim Zenbächenbach. «Vor zehn Jahren reichte der Gletscher noch fast bis zur Felsformation.»
Mit der Gletscherschmelze wächst auch der Abstand zwischen Felsformation und Aletschgleschter. «Der Gletscher hat sich mittlerweile soweit zurückgezogen, dass der Zenbächenbach nun direkt in die Massa fliesst.» Die Massa ist der Fluss, der aus dem Schmelzwasser des Aletschgletschers entsteht.
Kurt Steiner ist überzeugt: Die Klimaerwärmung ist das grösste Problem, dem sich die Welt stellen muss. Er interessiere sich seit seiner Jugend für Umweltfragen, so der Fotograf, und will nicht mehr nur stummer Beobachter sein. Er hat darum aus seinen Bildern eine Broschüre gemacht, «um die Menschen und die Politik wachzurütteln».
Auf seinen Touren wird Kurt Steiner oft von Wanderern angesprochen, wenn er mit seiner Kamera hantiert. Die Reaktionen auf seine Bilder sind gemischt. «Manche wollen die Realität gar nicht sehen. Sie sagen: ‹Lieber nicht›. Wohl weil es ihnen zu sehr weh tut.»
Ein Wanderer fragte ihn besorgt, ob er angesichts der Bilder nachts noch schlafen könne. Steiner kann es. «Ich bin absoluter Realist. Ich weiss, was passiert und warum», sagt er.
Regionaljournal Bern Freiburg Wallis, 21.9.2026, 17:30 Uhr ; meid/stes;ledn;liea
KioskNews shows a cleaned-up reading view extracted from the publisher’s page — the original always lives on their site, not ours.