«Was will mir Barbie erzählen?»: Patrizia Laeri erlebte Sexismus

Darum gehts
- Unternehmerin und Ex-SRF-Journalistin Patrizia Laeri (49) spricht im Podcast «Coop.Chind» über Sexismus und den Verlust ihres Partners.
- Als SRF-Wirtschaftsjournalistin wurde sie trotz Ökonomiestudium wegen ihres Aussehens abgewertet – ein Interviewpartner zeigte ihr seinen Hotelschlüssel.
- Laeri rät Frauen zur Ehe, da das Konkubinat im Todesfall grosse rechtliche und finanzielle Risiken birgt.
Patrizia Laeri (49) spricht selten so persönlich. Im Podcast «Coop.Chind», moderiert von Jennifer Bosshard (33), erzählt die Unternehmerin und frühere SRF-Wirtschaftsjournalistin neben dem Verlust ihres Partners über Sexismus in ihrer Branche.
Dem Tod ihres Mannes sei eine 13-monatige Sterbebegleitung vorausgegangen. Währenddessen sei das Leben aber einfach weitergelaufen. Auch das Unternehmen, der Alltag mit den Kindern und öffentliche Anfeindungen hätten nicht pausiert.
«Es geht mir heute viel besser als in den letzten drei Jahren», sagt Laeri im Gespräch. Sie habe damals gemeinsam mit ihrem Partner entschieden, seine Krankheit öffentlich zu machen – auch, um anderen Betroffenen und Angehörigen zu helfen.
Patrizia Laeri landete im «Club der Witwen»
Laeri erklärt, sie sei plötzlich in einem «Club» gelandet, in dem sie nie habe sein wollen: im Club der Witwen. Gleichzeitig habe sie Angst gehabt, noch mehr zu verlieren. «Ich hatte Angst, auch noch das Unternehmen zu verlieren.» Gerade ihre Arbeit sei in dieser Zeit aber auch ein Halt gewesen. «Etwas Sinnstiftendes zu schaffen, kann bei Trauma helfen.»

Ihr Start-up Ellexx, das Frauen beim Investieren und bei Finanzthemen unterstützt, sei für sie in dieser Phase ein «Happy Place» gewesen. «Auch meine Mitarbeiterinnen und Mitgründerinnen waren für mich da.»
«Was will mir diese Barbie von den Börsenkursen erzählen?»
Im Gespräch mit Bosshard blickt Patrizia Laeri zudem auf ihre Anfänge als Wirtschaftsjournalistin zurück. An Medienkonferenzen seien Geschäftsleitungen, Finanzchefs und die übrigen Journalisten fast ausschliesslich Männer gewesen. «Ich war häufig die einzige Frau im Raum», erzählt die Unternehmerin.

Als sie beim SRF sichtbar wurde, habe sie viel Gegenwind erhalten. Sie berichtet von Protestbriefen und Kommentaren, in denen ihr Kompetenz abgesprochen worden sei. Sinngemäss habe es geheissen: «Was will mir diese Barbie von den Börsenkursen erzählen?» Obwohl sie Ökonomin war, sei sie wegen ihres Aussehens und Vorurteilen abgewertet worden.
Sexismus hielt auch nach ihrer SRF-Zeit an
Ein bestimmter Vorfall aus ihrer Zeit als Journalistin prägt sie heute noch. Nach einem Interview mit einem «Rohstoff-Guru» habe ihr dieser seine Hotelschlüssel gezeigt und sie aufgefordert, mitzugehen. Sie sei noch jung gewesen und habe dabei an die Erfüllung ihrer journalistischen Arbeit gedacht. «Schade, hat er es nicht vor der Kamera gemacht.»
Nach ihrem Weggang vom SRF habe Laeri gedacht, die öffentliche Aufmerksamkeit werde kleiner. «Das Gegenteil ist passiert.» Gerade mit ihrem Unternehmen Ellexx sei sie weiter angegriffen worden. Dabei spricht sie auch von sexistischer Berichterstattung. «Dagegen sind wir juristisch vorgegangen und haben gewonnen.» Eigenen Angaben zufolge musste das Portal anschliessend mehrere tausend Franken an Frauenhäuser spenden.
«Wir sprechen lieber über Sex und den Tod als über Geld.»
Als Frau öffentlich über Finanzen zu sprechen, sei ohnehin ein «doppelter Tabubruch». Einerseits sei Geld ein Tabuthema. «Wir sprechen lieber über Sex und den Tod als über Geld.» Andererseits sei das Thema Finanzen männerdominiert.
Warum sie Frauen zur Ehe rät
Besonders klar wird Laeri beim Thema Absicherung. Sie und ihr Partner lebten lange im Konkubinat, heirateten aber kurz vor seinem Tod. Heute appelliert sie an Frauen, die rechtlichen Folgen solcher Entscheidungen nicht zu unterschätzen. Sie selbst sei keine grosse Ehe-Romantikerin gewesen. Eine «wilde Ehe» wäre für sie grundsätzlich in Ordnung gewesen. Doch aus finanzieller und rechtlicher Sicht sehe die Realität oft anders aus.
Vor allem Frauen würden häufig mehr Sorgearbeit leisten, Teilzeit arbeiten und im Ernstfall schlechter dastehen. Im Konkubinat gebe es im Todesfall viele Risiken – etwa beim Erbrecht, bei Spitalfragen oder bei Patchwork-Konstellationen. Laeri findet deshalb: Wenn beide gleich viel verdienten, alles fair aufgeteilt sei und es keinen Pay Gap gäbe, könne man die Ehe anders diskutieren.
Wo siehst Du den grössten Hebel für mehr finanzielle Unabhängigkeit von Frauen?
Trauerst du oder trauert jemand, den du kennst?
Hier findest du Hilfe:
Seelsorge.net, Angebot der reformierten und katholischen Kirchen
Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147
Pro Senectute, Beratung älterer Menschen in schwierigen Lebenssituationen
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Ammar Jusufi (amj), Jahrgang 2001, arbeitet seit November 2024 für 20 Minuten. Nach seinem Praktikum im Ressort Ostschweiz ist er nun Redakteur im Ressort People.
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