Hobby auf vier Rädern – «Seifenkisten sind mittlerweile richtige Hightech-Kisten»

Der Wecker klingelt kurz vor 5 Uhr. Ein Seifenkisten-Rennen steht für den zwölfjährigen Ramon an. Das Aufstehen fällt ihm noch etwas schwer, doch es muss sein. Das Rennen findet in Buchs (ZH) statt.
Der Ostschweizer hat eine lange Anreise. Danach geht's direkt weiter: Nach der Ankunft wird zuerst das Zelt aufgebaut, dann das Material und die Seifenkisten platziert, und das Team besichtigt die Strecke.
Intensiv, aber Ramon liebt die Renntage. «Ich verbinde Seifenkisten nicht nur mit einem Hobby, sondern mit einem schönen Erlebnis. Wir sind wie eine grosse Familie», sagt Ramon. Wenn etwa ein «Rädli» defekt sei, stehe sofort jemand da und versorge ihn mit einem Ersatz. «Man erlebt beim Seifenkisten-Rennen Freundschaft und gleichzeitig Konkurrenz», sagt Ramon.
Seifenkisten-Rennen sind ein Familien-Hobby.
Ramons ganze Familie reist bei den Rennen mit. Die Schwester fährt ebenfalls, der Vater ist im Vorstand der Interessengemeinschaft (IG) Seifenkisten-Derby.
«Man kann von einem Familienhobby sprechen. Während die Kinder die Seifenkisten fahren, kümmern sich die Eltern hauptsächlich um Bau und Unterhalt der Gefährte», sagt Remo Michel, Vater von Remo.
Nachfrage für Seifenkisten-Rennen ist steigend
An Seifenkisten-Rennen nehmen Teams aus der ganzen Schweiz teil. «Durchschnittlich gibt es 50 bis 70 Teilnehmerinnen und Teilnehmer pro Rennen», sagt Remo Michel. In den 1990er-Jahren gab es laut Michel den grössten Boom mit weit über 100 Fahrerinnen und Fahrern. «Da musste man sich teils für Rennen qualifizieren.»
Wie kam die Seifenkiste in die Schweiz?
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Die Idee dafür entstand in den USA in den 1930er-Jahren. Damals hatten viele Kinder nicht genug Geld, um sich ein Fahrrad zu leisten. Als kreative Alternative begannen sie, einfache Fahrzeuge aus alten Holzkisten zu bauen, die ursprünglich für den Transport von Seife verwendet wurden. Von da kommt der Name «soap box», auf Deutsch Seifenkiste. Die Organisation, die solche Rennen in den USA veranstaltete, gibt es heute noch.
In der Schweiz gab es das erste Rennen in den späten 30er-Jahren in Biberstein. Mit zunehmender Popularität kamen auch die ersten Sponsoren an Bord.
Mit Corona sei der Einbruch gekommen. Doch seit Kurzem steigt das Interesse wieder. «Erfreulicherweise gibt es immer mehr Interessentinnen und Interessenten, die sich als Veranstalter für Rennen bewerben. Auch seitens der Medien spüren wir steigende Anfragen», erzählt Remo Michel.
Einen genauen Grund dafür kann er nicht nennen. «Ich vermute, dass unsere Veranstaltungen für viele Menschen spannend sind, weil man gemeinsam als Familie Zeit verbringen kann. Es kann vielleicht als Gegentrend zur Game-Welt gesehen werden, wo man mehrheitlich alleine und drinnen Zeit verbringt», sagt Michel. «Wann schafft man es schon, mit einer 16-jährigen Tochter so viel Zeit zu haben?»
Optimierte Rennmaschinen
An einem Gefährt basteln, tüfteln – eine solche Seifenkiste benötigt viel Hege und Pflege. «Als wir angefangen haben, dachten wir: Es ist ein Brett mit Karosserie, Bremse und Lenkung. Ganz einfach. Aber da steckt viel mehr drin. Es sind mittlerweile richtige Hightech-Maschinen», erzählt Ramon. Die Familie hat eine der besten Maschinen der Schweiz gekauft. «Sie hat eine gute Federung, eine stabile Karosserie, die auch bei Top-Speed ruhig bleibt», erklärt Ramon.
Aufgrund verschiedener Materialien und Erfahrungen entwickeln sich die Seifenkisten immer weiter: Man schaut beim Bau zum Beispiel auf die Gewichtsverteilung, die Aerodynamik oder die Dämpfung. «90 Prozent der erfolgreichen Fahrt macht aber immer noch die Fahrerin oder der Fahrer aus», sagt Michel. «Wir haben Kisten im Einsatz, die 15 oder 20 Jahre alt sind, und die immer noch Kinder zum Sieg fahren.»
Ziel: Aufs Podest mit der Seifenkiste
Was ist Ramons Ziel beim Seifenkisten-Rennen? Etwas bisher Unerreichtes: der Platz auf dem Podest. Beim Rennen in Buchs reicht es leider nicht. Doch das wird garantiert nicht das letzte sein.
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