6 Sätze, die Gaslighter verraten – hast du sie auch schon gesagt?

Du erinnerst dich Wort für Wort an einen Streit mit einer dir nahestehenden Person. Dein Gegenüber behauptet jedoch, das sei so nie passiert. Irgendwann denkst du vielleicht selbst: «Habe ich mir das eingebildet?» Gaslighting kann genau solche Selbstzweifel auslösen. Der Begriff bezeichnet eine Form psychologischer Manipulation, bei der eine Person die Wahrnehmung, Erinnerungen oder Gefühle des Gegenübers wiederholt infrage stellt oder verdreht. «Es geht darum, Verwirrung zu schaffen und so Macht und Kontrolle zu gewinnen», erklärt Therapeutin Shannon Thomas gegenüber der «Huffpost».
Ein einzelner Satz wie «Das ist so nie passiert» bedeutet allerdings nicht automatisch, dass du gegaslightet wirst. Entscheidend ist, ob solche Aussagen immer wieder vorkommen und ob du zunehmend an dir selbst zweifelst. Hast du den Verdacht, raten Fachpersonen gegenüber der «Huffpost», auf folgende Aussagen und wiederkehrende Muster zu achten.
Hast du es schon mal mit einem Gaslighter zu tun gehabt?
«Das ist so nie passiert»
Eine Person sagt oder tut etwas Verletzendes und bestreitet später, dass es überhaupt passiert sei. «Genau dadurch kann das Vertrauen in die eigene Wahrnehmung langsam bröckeln», erklärt die auf Traumata spezialisierte Sozialarbeiterin Lisa Ferentz. Betroffene begännen dadurch, ihre eigenen Instinkte infrage zu stellen und sich zunehmend an der Version des Gegenübers zu orientieren.
«Du bist zu sensibel»
Du sprichst an, dass dich ein Kommentar oder Verhalten verletzt hat. Statt darauf einzugehen, erklärt dir dein Gegenüber, du würdest übertreiben oder alles viel zu persönlich nehmen. Psychotherapeutin Beverly Engel sagt, dass Betroffene dadurch mit der Zeit das Vertrauen in ihre eigene Wahrnehmung verlieren können. Hat eine Person dieses Vertrauen erst einmal geschwächt, könne es zudem schwieriger werden, sich gegen weiteres verletzendes Verhalten zu wehren.
Wiederholungen spielen eine Rolle
Fallen Sätze wie «So ist das nie passiert» oder «Du bist zu sensibel» ein Mal, ist das kein Grund zur Sorge. Problematischer wird es, wenn es sich wiederholt. Autor Preston Ni beschreibt in seinem Buch «How to Successfully Handle Gaslighters and Stop Psychological Bullying» Gaslighting als Muster, bei dem dieselben Aussagen immer wieder auftauchen können. Ein Satz wie «Du bist einfach viel zu sensibel» kann dadurch mit der Zeit stärker verunsichern als etwa eine einmalige Bemerkung.
«Du bist verrückt – und andere finden das auch»
Noch weiter geht die Manipulation, wenn angeblich andere Menschen dieselbe Meinung vertreten. «Alle finden, dass du übertreibst» oder ähnliche Aussagen können den Eindruck vermitteln, mit der eigenen Wahrnehmung völlig allein dazustehen. Ferentz erklärt, Gaslighting könne auch beinhalten, das Umfeld gegen die betroffene Person einzunehmen. Dadurch werde sie möglicherweise zusätzlich isoliert und müsse befürchten, dass andere ihr nicht glauben.
«Du hast einfach ein schlechtes Gedächtnis»
Natürlich kann es vorkommen, dass zwei Menschen sich an ein und dasselbe Gespräch nicht gleich gut erinnern – ausser man führt Protokoll. Problematisch wird es laut Thomas dann, wenn eine Person in unterschiedlichen Situationen immer wieder behauptet, das Gegenüber habe sich Details schlicht falsch gemerkt. «Wir alle haben Momente, in denen wir uns nicht an jedes Detail eines Gesprächs erinnern. Beim Gaslighting wird diese normale Unsicherheit jedoch genutzt, um Betroffene grundsätzlich an ihrem Gedächtnis zweifeln zu lassen.»
Mehr zu diesem Thema
«Tut mir leid, dass du denkst, ich hätte dich verletzt»
Auf den ersten Blick klingen solche Sätze nach einer Entschuldigung. Verantwortung für das eigene Verhalten übernimmt die Person damit aber nicht. Die klinische Psychologin B. Nilaja Green erklärt, dass die Verantwortung stattdessen auf die verletzte Person verschoben werde: «Nicht die Handlung erscheint als Problem, sondern deren Interpretation. Betroffene könnten dadurch glauben, tatsächlich irrational oder zu empfindlich zu reagieren.»
«Du hättest wissen müssen, wie ich reagiere»
Auch Sätze wie dieser verschieben die Verantwortung. Das Gegenüber soll nicht nur für sein eigenes Verhalten verantwortlich sein, sondern gleich noch für die Reaktion der anderen Person. «Gaslighting verdreht Tatsachen so, dass die manipulierende Person keine Verantwortung für ihr Verhalten übernehmen muss», erklärt Thomas. Mit dem Vorwurf, das Gegenüber hätte es besser wissen müssen, werde ihm letztlich auch die Schuld für die Reaktion zugeschoben.
Woran du Gaslighting-Muster erkennst
Gaslighting besteht nicht nur aus bestimmten Sätzen. Es kann auch darum gehen, eine Person vor anderen unglaubwürdig zu machen, dieselben Vorwürfe ständig zu wiederholen oder Nähe und Abwertung miteinander abzuwechseln. Entscheidend ist, ob dich eine Person über längere Zeit systematisch an der eigenen Wahrnehmung zweifeln lässt.
Green rät dazu, unangenehme Gefühle nicht sofort abzutun, nur weil jemand anderes behauptet, sie seien unbegründet. Auch Nachrichten oder E-Mails aufzubewahren und Gespräche für sich zu notieren, könne helfen, Situationen später besser einzuordnen.
Ferentz empfiehlt hingegen nicht, darauf zu hoffen, eine manipulierende Person mit den richtigen Argumenten zur Einsicht zu bringen. Hilfreicher könne es sein, sich einer nahestehenden Person anzuvertrauen. Auch eine Psychotherapeutin oder ein Psychotherapeut kann dabei helfen, wieder Klarheit über die eigene Wahrnehmung zu gewinnen.
Welche manipulativen Sätze fallen dir sonst noch ein? Teile sie mit der Community!
Carolina Lermann (ler) arbeitet seit Mai 2023 für 20 Minuten. Sie ist Redaktorin für Body & Soul im Lifestyle-Ressort und schreibt über Erziehung, Sport und Psychologie.
KioskNews shows a cleaned-up reading view extracted from the publisher’s page — the original always lives on their site, not ours.
