Richtungsentscheid für Vucic – Serbien wählt: Rekordbeteiligung bei Richtungswahl

- Bei der vorgezogenen Parlamentswahl in Serbien zeichnet sich eine ausgesprochen hohe Wahlbeteiligung ab.
- Die Wahlbeteiligung ist laut der Wahlkommission so hoch wie seit dreissig Jahren nicht mehr – bereits hätten fast 65 Prozent der Wahlberechtigen ihre Stimme abgegeben.
- Bei der letzten Parlamentswahl im Dezember waren es zum selben Zeitpunkt 26.6 Prozent der Wahlberechtigten gewesen.
Rund 6.4 Millionen Bürgerinnen und Bürger sind offiziellen Angaben zufolge dazu aufgerufen, die 250 Abgeordneten der Volksversammlung (Skupstina) zu wählen. Umfragen sagen ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen der regierenden Serbischen Fortschrittspartei (SNS) des Langzeitherrschers Aleksandar Vucic und der Liste «Die Studenten siegen» der neuen Studentenbewegung voraus.
Auch in der Schweiz konnten serbische Wahlberechtigte ihre Stimme abgeben. Dafür standen Wahllokale in Bern und Zürich zur Verfügung.
Vor dem serbischen Konsulat in Zürich bildete sich zeitweise eine bis zu einem halben Kilometer lange Warteschlange. Manche Wählerinnen und Wähler mussten nach Angaben vor Ort bis zu acht Stunden warten, bevor sie ihren Stimmzettel einwerfen konnten.
Die Wahllokale in der Schweiz sind inzwischen geschlossen. Wer sich jedoch vor Ablauf der Frist angestellt hatte, durfte seine Stimme noch abgeben.
Das Ergebnis entscheidet darüber, ob Vucic seine teilweise autoritär ausgeübte Macht bewahren kann oder nicht. In wechselnden Funktionen bestimmt der 56-Jährige bereits seit 2012 die Politik des Landes. Kritiker werfen ihm Korruption und Verbindungen zur organisierten Kriminalität vor. Er war Ende September von seinem Amt als Staatspräsident zurückgetreten, um im Falle eines Wahlerfolgs seiner Partei Regierungschef zu werden.
Die Wahlen finden in einer angespannten Atmosphäre statt. Die unabhängige Wahlforschergruppe CRTA berichtete von zahlreichen Indizien auf Stimmenkauf und Wählereinschüchterung im ganzen Land. In 25 Prozent aller serbischen und in der Hälfte aller Belgrader Wahllokale stellten Wahlbeobachter fest, dass Stimmzettel fotografiert wurden, hielt CRTA fest.
Ergebnis erst am späten Abend erwartet
Die hohe Beteiligung, die sich abzeichnet, lässt Experten zufolge vorerst keine Rückschlüsse auf das zu erwartende Ergebnis zu. Aus den reinen Beteiligungszahlen würde sich nicht ableiten lassen, in welchem Masse die jeweiligen Seiten ihre Wähler zu mobilisieren vermochten.
Die Wahllokale sind seit kurzem geschlossen. Laut den Behörden dürfen jedoch noch alle Personen ihre Stimme abgeben, die sich vor Schliessung der Wahllokale in die Warteschlange eingereiht haben. Mit aussagekräftigen Teilergebnissen wird im Verlauf des späten Sonntagabends gerechnet.
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