Russland und Ukraine beginnen Waffenruhe für Frontstadt Oleschky
Stand: 27.10.2026 • 07:56 Uhr
Seit Jahren ist die von Russland besetzte Stadt Oleschky in der Ostukraine umkämpft. Trotzdem leben dort noch bis zu 2.000 Menschen. Damit sie Hilfe bekommen, gilt jetzt eine Feuerpause. Andernorts gehen die Angriffe weiter.
Am Ende hatten sich sogar der Papst und - nach Angaben der US-Regierung - First Lady Melania Trump für eine humanitäre Feuerpause eingesetzt. Jetzt ist sie da: Die Streitkräfte Russlands und der Ukraine lassen lokal begrenzt die Waffen schweigen, um eine Hilfsaktion für die Frontstadt Oleschky im russisch besetzten Teil des ukrainischen Gebiets Cherson zu ermöglichen.
Beide Seiten bestätigten den Start der Feuerpause. Das russische Verteidigungsministerium erklärte auf dem Kurznachrichtendienst Telegram, der Beschuss in Richtung der ukrainischen Stadt Cherson, die gegenüber von Oleschky auf der anderen Seite des Flusses Dnipro liegt, sei ab 04:00 Uhr Moskauer Zeit eingestellt worden.
Der Menschenrechtsbeauftragte des ukrainischen Parlaments, Dmytro Lubinez, bestätigte auf Facebook den Beginn der Waffenruhe. "Als Leiter des ukrainischen Verhandlungsteams erkläre ich, dass die ukrainische Seite ihren Verpflichtungen nachkommt", schrieb er.
Im September hatte die ukrainische Armee diese Aufnahme aus Oleschky veröffentlicht. Damals stieg Rauch aus einem Wohngebiet auf.
Lebensmittel und Medikamente sollen kommen
Während der mehrtägigen Waffenruhe werden Lebensmittel und Medikamente an die notleidenden Bewohner geliefert. Geschaffen werden soll auch ein humanitärer Korridor, damit die Menschen die Region entweder in Richtung Russland oder Ukraine verlassen können.
Weil die an der Frontlinie gelegene Kleinstadt Oleschky vollständig vermint ist, setzten die ukrainischen Streitkräfte zeitweise Drohnen ein, um Hilfsgüter dorthin zu schaffen. Viele der unbemannten Fluggeräte wurden jedoch von russischen Truppen abgeschossen. Nach der Vereinbarung sollen nun Minen geräumt werden, um einen sicheren Hilfskorridor zu schaffen. Die Evakuierung soll in den kommenden Tagen beginnen.
Oleschky ist seit 2022 von Russland besetzt. Von den ursprünglich rund 24.000 Einwohnern sollen sich nach Schätzungen noch 1.500 bis 2.000 Menschen in der schwer beschädigten Stadt aufhalten. Frühere Bewohner hatten der Nachrichtenagentur AFP Anfang des Jahres berichtet, dass die in der Stadt verbliebenen Menschen hungerten, es ihnen an Medikamenten fehle und sie die Stadt nicht ohne Weiteres verlassen könnten.
Melania Trump soll verhandelt haben
Papst Leo XIV. hatte in einem Telefonat mit Kremlchef Wladimir Putin um Hilfe für Oleschky gebeten. Das Weiße Haus in Washington sagt, die humanitäre Feuerpause gehe auf eine eigene Initiative zurück. Nach Darstellung der Regierung vermittelte Melania Trump die lokale Waffenruhe. Sie habe die Gespräche angestoßen und gemeinsam mit einem Vertreter direkt mit der russischen und der ukrainischen Führung über die Bedingungen verhandelt.
Laut Kreml könnte eine womöglich erfolgreiche humanitäre Operation in Oleschky auch als Vorbild für andere Frontabschnitte dienen. Moskau und Kiew hatten sich in den vergangenen Monaten immer wieder gegenseitig beschuldigt, durch Beschuss der Stadt eine humanitäre Katastrophe ausgelöst zu haben. Einschließlich umliegender Dörfer sollen bis zu 6.000 Menschen Not leiden.
Neue Angriffe auf Kiew
Während in Oleschky die Feuerpause gilt, setzt Russland seine Angriffe auf Kiew fort. Die ukrainische Armee teilte mit, dass die russische Seite ballistische Raketen in Richtung der Hauptstadt abgefeuert habe. Laut Bürgermeister Vitali Klitschko wurde eine wichtige Brücke über den Fluss Dnipro beschädigt. Auch die Metro-Infrastruktur auf der Brücke wurde demnach beschädigt.
Kremlsprecher Dmitri Peskow hatte am Montag erklärt, Russland werde seine Angriffe trotz der für November in Aussicht gestellten Dreiergespräche mit der Ukraine und den USA fortsetzen. Die Wiederaufnahme der Verhandlungen bedeute "keine Einschränkungen für die Kampfhandlungen".
Bei einem Drohnenangriff auf einen Bus im russisch kontrollierten Teil der südukrainischen Region Saporischschja wurden nach Angaben der dortigen Verwaltung ein Mensch getötet und 30 weitere verletzt. Das teilte der von Russland eingesetzte Gouverneur der Region, Jewgeni Balizki, mit.
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