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Tuesday, September 29, 2026

Steigende Krankenkassenprämien – Warum das Gesundheitssystem immer teurer wird

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Die Krankenkassenprämien steigen 2027 um fünf Prozent. Noëmi Ackermann befasst sich bei SRF mit Gesundheitspolitik und erklärt, welche Kostentreiber die Prämien immer weiter nach oben drücken und warum Sparrezepte in der Politik schwer durchzusetzen sind.

Noëmi Ackermann

SRF Inlandredaktorin

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Noëmi Ackermann arbeitet seit 2011 bei SRF, nach verschiedenen Stationen seit 2020 in der Inlandredaktion von Radio SRF. Sie beschäftigt sich mit Gesundheits- und Bildungsthemen.

Warum steigen die Krankenkassenprämien jedes Jahr?

Die Prämien steigen, wenn die Gesundheitskosten steigen. Diese steigen aus verschiedenen Gründen: Wir werden immer älter und brauchen für immer mehr Lebensjahre die Gesundheitsversorgung. Was auch direkt mit dem Älterwerden zu tun hat: Viele Menschen wollen zu Hause gepflegt werden – dort gibt es einen Kostenanstieg. Seit ein paar Jahren ist es möglich, dass man entschädigt wird, wenn man Angehörige, also seine Kinder oder seine Partnerin, seinen Partner, zu Hause pflegt. Zudem wird der Leistungskatalog laufend ausgebaut: Ein Beispiel sind da die neuen Angebote für psychisch erkrankte Menschen.

Wieso wird gegen die steigenden Preise nichts unternommen?

Politische Rezepte haben es schwer. Zudem ist das Gesundheitswesen kompliziert. Die Politik kann Vorgaben machen. Aber beispielsweise wie viel eine Ärztin oder ein Arzt mit einer gewissen Behandlung verdient, ist Sache der Tarifpartner. Das verhandeln die Ärzte und Spitäler direkt mit den Krankenkassen. Aber 2024 wurde mit der einheitlichen Finanzierung von ambulanter und stationärer Behandlung eine historische Reform angenommen.

Was ändert sich mit der Reform?

Bis jetzt war es so, dass die ambulanten Behandlungen, also jene, bei denen man am selben Tag wieder nach Hause geht, komplett von den Krankenkassen, also von den Prämienzahlern, finanziert wurden. Stationäre Behandlungen wurden zu 50 Prozent von den Kantonen, den Steuerzahlerinnen, finanziert. Ab 2028 gibt es einen gemeinsamen Schlüssel, sodass Krankenkassen und Kantone – also Prämienzahlerinnen und Steuerzahler – gleich viel zahlen.

Was bringt das gegen die steigenden Kosten?

Alles, was ambulant gemacht wird, ist günstiger, als wenn man über Nacht im Spital bleibt. Die Hoffnung ist, dass so Kosten gespart werden. Dass es dank der Reform noch mehr Anreize gibt, ambulante Behandlungen durchzuführen. Die Ostschweizer Kantone haben just bekannt gegeben, welche zusätzlichen Eingriffe ambulant durchgeführt werden müssen: Betroffen sind chirurgische Eingriffe an den Füssen, den Ellbogen oder Schultern. Bei diesen Eingriffen bleibt man heute noch über Nacht im Spital, künftig geht man am selben Tag wieder nach Hause. Das ist möglich, weil heute immer mehr Eingriffe minimalinvasiv umsetzbar sind. Dass die Prämien dadurch künftig sinken, wäre allerdings wohl zu ambitioniert gedacht. Doch wenn sie dank solchen Massnahmen künftig nicht mehr ganz so stark steigen, wäre bereits viel erreicht.

«Integrierte Versorgung» als Lösungsansatz

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Im Kanton Jura gibt es ein Netzwerk: Dort sind eine Spitalgruppe, eine Krankenkasse und der Kanton Bern involviert. Das Netzwerk arbeitet mit einem vordefinierten Gesamtbudget pro versicherter Person. Für das Netzwerk ist es finanziell am vorteilhaftesten, wenn die Mitglieder gar nicht erst krank werden oder unnötige Spitalaufenthalte vermieden werden. Es ist ein Paradigmenwechsel: Prävention wird wichtiger.

Eine weitere Besonderheit: Es gibt im System sogenannte Koordinatoren. Patienten und Patientinnen werden von den Vorsorgeuntersuchungen bis zum Austritt begleitet. Das hilft, Doppelspurigkeit zu verhindern.

Das Projekt wird wissenschaftlich begleitet – die Resultate liegen noch nicht vor. Aber: Das Netzwerk selbst sagt, es gehöre zu den günstigsten Grundversicherungen in der Region. Zudem wählen immer mehr Versicherte dieses Modell, also offenbar ist es auch für versicherte Patientinnen und Patienten attraktiv.

Welche Rezepte hat die Politik?

Die Politik sucht seit Jahren nach Lösungen für tiefere Prämien. Auch heute kommen Forderungen: Die Grünen verlangen einkommensabhängige Prämien, auch die SP will, dass die Reichen mehr zahlen müssen. Die Mitte präsentiert einen 5-Punkte-Plan, darunter, dass die Grundversorgung, also die Hausärztinnen und Hausärzte, gestärkt werden. Fehlanreize müssten beseitigt werden. Für die FDP sollen Ärzte und Ärztinnen künftig nach Behandlungserfolg statt nach Anzahl Behandlungen entschädigt werden.

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