«Können das überall machen»: Stürzte Trump europäische Regierung?

- Trumps Botschafterin in Griechenland, Kimberly Guilfoyle, soll einem griechischen Energieminister gedroht haben, die USA könnten jede Regierung zu Fall bringen.
- Das «Wall Street Journal» bringt sie mit dem Sturz der proeuropäischen rumänischen Regierung im Mai in Verbindung.
- Guilfoyles Anwalt bestreitet die Darstellung; rumänische Parteien dementieren ihre Beteiligung.
Im Mai ist in Rumänien die proeuropäische Koalitionsregierung zusammengebrochen, was das Land in politische Turbulenzen gestürzt hat. Laut einem Bericht des «Wall Street Journals» (WSJ) drohte Trumps Botschafterin in Griechenland damit, dass die USA das überall machen könnten.
«Wir können das in jedem Land machen», soll Kimberly Guilfoyle dem griechischen Energieminister gesagt haben. «Wir können das auch hier machen.» Der Grieche soll ihr darauf geantwortet haben, dass die USA die von den Wählern gewählte griechische Regierung nicht einfach auflösen könnten.
Wer ist Kimberly Guilfoyle?
Kimberly Guilfoyle ist eine ehemalige Fox-News-Moderatorin. Bis 2024 war sie mit Donald Trump Jr. verlobt – demselben Trump-Sohn, dessen Hochzeitsfeierlichkeiten in diesem Jahr offenbar von einem russischen Oligarchen bezahlt worden waren. 2025 wurde sie vom US-Präsidenten als Botschafterin für Griechenland ernannt.
Die Position nutzt sie offenbar, um Balkanstaaten dazu zu bringen, Flüssigerdgas (LNG) aus den USA über das griechische Unternehmen Aktor Group zu kaufen. Eigentlich geht es im WSJ-Artikel um diesen Sachverhalt. Die Äusserung zum Sturz von Regierungen ist nur ein Detail im Artikel. Dem Bericht zufolge soll sie mit einem Lobbyisten von Aktor, Christos Marafatsos, Regierungsvertreter treffen, wobei seine Rolle als Vertreter von Aktor nicht immer deklariert werde.
Haben die USA die rumänische Regierung gestürzt?
Nach der Veröffentlichung des WSJ-Artikels haben einige rumänische Medien die Aussage zum Regierungssturz als Geständnis interpretiert, dass die USA dahintersteckten. Weitergehende Recherchen dieser Medien fanden Indizien dafür.
So lehnte es die proeuropäische Regierung ab, eine Absichtserklärung über den Kauf von 1,4 Millionen Tonnen US-Gas pro Jahr in einen verbindlichen Vertrag umzuwandeln. Am 31. März wurde Guilfoyle gesichtet, wie sie in Bukarest mit dem Vorsitzenden der PSD-Partei in einem Restaurant speiste. Sechs Tage später verbündete sich die PSD mit der pro-russischen AUR-Partei und brachte das Misstrauensvotum ein, das die rumänische Regierung später zu Fall brachte.
Sowohl die PSD als auch AUR dementieren, dass Guilfoyle etwas damit zu tun gehabt hätte. AUR wies darauf hin, dass 281 Abgeordnete gegen die Regierung gestimmt hätten. Guilfoyles Anwalt bestritt die Darstellung des Wortwechsels mit dem griechischen Energieminister. Als Quellen gibt das WSJ mindestens eine der anwesenden Personen sowie weitere, die die Geschichte später gehört haben, an.
Simon Misteli (sim), Jahrgang 1995, arbeitet seit 2024 als Redaktor am Newsdesk. Dabei schreibt er über verschiedenste Themen mit einem Fokus auf Auslandsgeschichten.
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