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Saturday, October 3, 2026

Leica bleibt Leica und KI trifft Kunst – Fotonews der Woche 40/2026

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Manchmal sind es die schönsten Geschichten, die nicht passieren. Leica, der Rolls-Royce unter den Kameraherstellern, bleibt vorerst in den Händen seiner bisherigen Eigentümer. Die Verkaufsgespräche sind laut Wall Street Journal gescheitert – was angesichts der Tatsache, dass die 10.000-Euro-Kameras aus Wetzlar eine der letzten europäischen Erfolgsgeschichten im Kamerabau sind, vielleicht auch ganz gut ist.

Das Titelbild der Ausgabe 05 2026 des Foto-Magazins c't Fotografie

Die c't Fotografie, Ausgabe 05 2026

(Bild: 

heise

)

Das Wall Street Journal widmete sich diese Woche ausführlich Leica als seltenem Beispiel erfolgreicher europäischer Fertigung in einer Branche, die asiatische Hersteller längst dominieren. Canon, Sony, Nikon – sie alle produzieren in Japan und teils in anderen asiatischen Ländern. Leica hält eisern an Wetzlar fest. Die Kameras werden dort von Hand montiert, jedes Objektiv durchläuft aufwendige Qualitätskontrollen. Das rechtfertigt Preise, für die andere Hersteller drei Kameras anbieten könnten.

Laut LeicaRumors waren Verkaufsgespräche im Gange, die Details blieben jedoch im Dunkeln. Wer als Käufer im Gespräch war und warum die Verhandlungen scheiterten, ist nicht bekannt. Für Leica-Fans dürfte das eine gute Nachricht sein: Die Marke bleibt unabhängig, die Produktphilosophie vermutlich unangetastet. Denn während sich die Eigentümerstruktur offenbar nicht ändert, bewegt sich bei Leica selbst durchaus einiges – neue Produktlinien, digitale Strategien, eine jüngere Zielgruppe. Aber die DNA, diese Mischung aus deutschem Ingenieursgeist, Handwerkskunst und einem Hauch Snobismus, die bleibt. In einer Welt voller austauschbarer Technik braucht es Marken mit Charakter.

Australien hat ein Problem mit KI-generierten Immobilienfotos erkannt und wollte handeln. Die Idee dahinter ist nachvollziehbar: Mieter und Käufer sollen vor irreführenden Anzeigen geschützt werden, in denen Wohnungen digital aufgehübscht, Räume größer gemacht oder Mängel wegretuschiert wurden. New South Wales hat deshalb ein Gesetz erlassen, das manipulierte Bilder in Immobilienanzeigen verbietet und mit Strafen belegt.

Dumm nur, wenn das erste prominente Opfer dieser Regelung ein völlig echtes Foto ist – von einer völlig echten, kunstvoll gestalteten Wandmalerei. Wie The Guardian berichtet, wurde eine Immobilienanzeige entfernt, weil die Behörden das großflächige Mural an einer Wand für KI-Manipulation hielten. Die Ironie könnte kaum größer sein: Ein Kunstwerk, von einem Menschen geschaffen, wird für künstliche Intelligenz gehalten. Die Vermieter mussten nachweisen, dass die Malerei tatsächlich existiert.

Das offenbart ein grundsätzliches Problem. Selbst Regulierungsbehörden können nicht immer zuverlässig unterscheiden, was echt ist und was nicht. Wenn schon die Profis scheitern – wie sollen dann normale Verbraucher durchblicken? Die Regierung von New South Wales betont in ihrer Pressemitteilung, man wolle Mieter vor Privatsphäreverletzungen und irreführender Werbung schützen. Ein hehres Ziel. Doch die Umsetzung zeigt: Vielleicht sollte man zuerst die Behörden schulen, bevor man Gesetze erlässt. Oder man akzeptiert, dass die Grenze zwischen Realität und Fiktion in der Fotografie schon immer fließend war – lange bevor es KI gab.

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In Kalifornien hat die Fast-Food-Kette In-N-Out einen Fotografen aufgefordert, virale Teamfotos einer Highschool-Football-Mannschaft zu löschen. Der Grund: Im Hintergrund war vor einer In-N-Out-Filiale das markante Logo zu sehen. Die Bilder waren ein Hit in den sozialen Medien, die Schüler stolz, die Eltern begeistert, der Fotograf freute sich über die Reichweite. Dann kam der Anwaltsbrief.

Wie SFGate berichtet, argumentiert In-N-Out, man müsse die Marke schützen und könne nicht zulassen, dass das Logo ohne Genehmigung in kommerziellen Kontexten verwendet wird. Rein rechtlich hat die Kette einen Punkt: Markenrecht ist Markenrecht. Wenn ein Fotograf mit den Bildern Geld verdient – sei es durch Verkäufe an die Eltern oder durch Social-Media-Reichweite – bewegt man sich in einer Grauzone.

Moralisch sieht die Sache anders aus. Hier geht es um Teenager in Schuluniformen, um Erinnerungsfotos, um einen lokalen Fotografen, der seiner Community einen Dienst erweist. Die PR-Abteilung von In-N-Out dürfte das anders sehen als die Rechtsabteilung: Nichts schreit so sehr „sympathisch“ wie ein Milliardenkonzern, der Highschool-Erinnerungen löschen lässt.

Der Fall wirft grundsätzliche Fragen auf: Wie weit reicht Markenrecht in öffentlichen Räumen? Darf man keine Fotos mehr vor Geschäften machen, ohne eine Genehmigung einzuholen? In-N-Out ist nicht die erste Firma, die so vorgeht. Doch jedes Mal zeigt sich: Technisch im Recht zu sein bedeutet nicht automatisch, richtig zu handeln. Manchmal wäre weniger Anwalt und mehr Augenmaß die bessere Wahl.

Während manche mit KI in Sekunden Bilder generieren, gibt es noch Fotografen, die Jahre investieren. Angel Fux ist einer von ihnen. Seine Geschichte ist ein Gegenentwurf zur Instant-Kultur unserer Zeit. Jahrelang plante er das perfekte Sonnenfinsternisbild – und lieferte ab.

Wie Nikon in seinem Magazin berichtet, ist das Ergebnis spektakulär: Die totale Sonnenfinsternis, eingefangen in einer Komposition, die Geduld, Präzision, astronomisches Wissen und fotografisches Können vereint. In seinem Blogbeitrag „The Shadow Between: Chasing Totality“ beschreibt Fux, wie er Standorte berechnete, Wetterdaten analysierte, Ausrüstung testete und immer wieder Pläne verwarf, weil ein Detail nicht stimmte.

Jeder kann mit einer Kamera und einem Filter eine Sonnenfinsternis fotografieren. Aber eine Sonnenfinsternis so zu fotografieren, dass das Bild nicht nur dokumentiert, sondern berührt – dafür braucht es mehr. Es braucht Vision, die Fähigkeit, sich einen Moment vorzustellen, der noch nicht existiert. Es braucht technisches Wissen, um diesen Moment einzufangen. Und es braucht Geduld, jahrelang auf die richtige Konstellation zu warten.

Nikon hat die Geschichte aufgegriffen, weil sie zeigt, wofür die Marke steht: Werkzeuge für Menschen, die gestalten wollen, nicht einfach nur knipsen. Die Geschichte erinnert daran, warum Fotografie mehr ist als das Drücken eines Auslösers. In Zeiten, in denen KI-Bilder auf Knopfdruck erzeugt und Social Media uns mit Instant-Content überflutet, wirkt das erfrischend: Manche Dinge brauchen eben Zeit, sowie einen verdammt guten Plan. Und die Bereitschaft, zu scheitern und es wieder zu versuchen. Das kann keine KI ersetzen – zumindest noch nicht.

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