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Thursday, October 29, 2026

Ukraine-Krieg: Was über Evakuierung aus Oleschky bekannt ist

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Die lokale Waffenruhe im russisch besetzten Oleschky im Süden der Ukraine gilt noch bis zum 1. November um 22:59 Uhr. Ihr Zweck ist humanitärer Natur. Die blockierte Ortschaft - gelegen am linken Ufer des Flusses Dnipro in der Region Cherson - soll endlich mit Lebensmitteln und Medikamenten versorgt werden. Ferner sollen Bewohner auf eigenen Wunsch hin evakuiert werden können.

Von ukrainischer Seite leitet die Operation der Menschenrechtsbeauftragte des Parlaments, Dmytro Lubinez. Russland vertritt seine Amtskollegin Jana Lantratowa. Lubinez erklärte, die Ukraine und Russland würden ihre Vereinbarungen bezüglich der Waffenruhe vollständig umsetzen. Am Morgen des 29. Oktober teilte er mit, dass er sich gemeinsam mit der ukrainischen Delegation bereits auf dem Weg nach Oleschky befinde, um die Mission umzusetzen. "Als Nächstes geht es darum, den in der Stadt verbliebenen Menschen humanitäre Hilfe zukommen zu lassen und daran zu arbeiten, ihnen eine sichere Ausreise zu ermöglichen", betonte er.

Wie steht es um die humanitäre Lage?

Die Ukraine hat wiederholt versucht, die Aufmerksamkeit der Welt auf die humanitäre Katastrophe in Oleschky zu lenken, das seit 2022 von Russland besetzt ist.

Vor dem Ausbruch des umfassenden Krieges Russlands gegen die Ukraine lebten in der Stadt etwa 24.000 Menschen. Nach der Zerstörung des Wasserkraftwerks und Staudammes von Kachowka im Jahr 2023 wurden etwa 90 Prozent des Stadtgebiets überflutet. Oleschky befindet sich buchstäblich an der Frontlinie. Direkt auf der anderen Seite des Flusses Dnipro ist die Stadt Cherson, die im Herbst 2022 von der ukrainischen Armee befreit wurde.

In den letzten Monaten war die Versorgung von Oleschky und den umliegenden Ortschaften mit Lebensmitteln und Medikamenten unmöglich und eine Flucht wegen ständiger Drohnenangriffe und Verminungen zu gefährlich. Die Bevölkerung leidet unter Hunger. In dem gesamten Bezirk gibt es weder Strom noch Gas.

Wann beginnt die Evakuierung?

Weder Kyjiw noch Moskau haben bekannt gegeben, wann genau die Evakuierung von Zivilisten beginnt. Lubinez zufolge läuft noch eine Minenräumung entlang der Routen. Das sei "ein wichtiger Schritt für die sichere Lieferung humanitärer Hilfe und die anschließende Evakuierung von Zivilisten".

Herbstlaub liegt auf Anti-Drohnen-Netzen, die über einer Straße in Oleschky gespannt sind
Herbstlaub auf Anti-Drohnen-Netzen über einer Straße in OleschkyBild: Evgeniy Maloletka/AP Photo/picture alliance

Eine der Koordinatorinnen der Operation auf ukrainischer Seite, die anonym bleiben möchte, sagte der DW, bislang gebe es keine genauen Vereinbarungen über den Ort, den Beginn und die Routen der Evakuierung. Sie könnte mehrere Tage - vom 30. Oktober bis zum 1. November - dauern. Laut dem Vertreter der Militärverwaltung in der Region Cherson, Oleksandr Tolokonnikow, soll die Evakuierung voraussichtlich über Gebiete erfolgen, die von Russland kontrolliert werden.

Unterdessen veröffentlichte der US-Sender Fox News ein Foto, auf dem offenbar ein Teil der ukrainisch-russischen Pläne zu sehen ist. Demnach sollen die Einwohner von Oleschky, die in das von Kyjiw kontrollierte Staatsgebiet wollen, in Begleitung einer ukrainischen Delegation unter Lubinez' Leitung zunächst ins russische Anapa gefahren werden. Von dort sollen sie am 31. Oktober mit einem Flugzeug des russischen Verteidigungsministeriums nach Belarus fliegen. Die Ukraine hat sich bislang noch nicht offiziell zu dieser Route geäußert.

Wer erstellt Evakuierungslisten?

Da es in Oleschky erhebliche Probleme mit Kommunikationsverbindungen gibt, werden mithilfe lokaler Freiwilliger Informationen für die Evakuierung von Zivilisten gesammelt. "Wir haben Listen erstellt. Da, wo keine Telefonnummern angegeben waren, oder wir niemanden erreichen konnten, haben wir versucht, Adressen oder irgendeine andere Kontaktmöglichkeit in Erfahrung zu bringen, um Personen finden zu können. Man wird sie anrufen, per SMS kontaktieren oder aufsuchen. Man wird jeden informieren", versichert die Koordinatorin.

Luftaufnahme von zerstörten Fahrzeugen auf einer Fernstraße, die aus Oleschky heraus führt
Zerstörte Fahrzeuge auf einer Fernstraße, die aus Oleschky heraus führtBild: Ukrainian 34th Separate Marine Brigade "Borysfen"/AP Photo/picture alliance

Die genaue Zahl derer, die die Stadt verlassen möchten, wird noch ermittelt. Die Koordinatorin schätzt, dass es sich um etwa 1000 Personen handeln wird. Ihr zufolge befinden sich noch etwa 1700 Einwohner in Oleschky. Abhängig davon, wie viele Anträge auf Evakuierung eingehen, werde man die Transportmittel auswählen. Zudem müssten Menschen, die eingeschränkt mobil oder verwundet seien, berücksichtigt werden.

Laut der Koordinatorin verteilen parallel auch die russischen Besatzungsbehörden Evakuierungslisten: "Den Leuten ist nicht ganz klar, wo sie sich eintragen. Es gab eine Durchsage, sie sollten zur Anmeldung in die Nähe des Krankenhauses kommen. Das hat sich herumgesprochen, sie sind dorthin gekommen und denken, dass sie damit automatisch auch auf unsere Listen kommen, aber wir haben diese Listen nicht. Alles spielt sich in einem Informationsvakuum ab, laut Hörensagen."

Wie ist die Stimmung in Oleschky?

Die Koordinatorin bestätigt, dass die Vereinbarungen vereinfachte Ausreisebedingungen vorsehen. So dürfen Haustiere, auch große Hunde, mitgenommen werden. Ferner wird auf die Kontrolle von Papieren verzichtet. Dennoch seien die Bewohner von Oleschky meist pessimistisch gestimmt. "Die Menschen sind in Angst, weil sie denken, man würde sie entweder nach Russland oder in ein Filtrationslager bringen. Wer keine Papiere hat, befürchtet, ins Gefängnis zu kommen. Es herrscht regelrechte Panik und Desinformation. Die Stimmung ist sehr schlecht", berichtet die Koordinatorin.

Manche Menschen lehnten aus Misstrauen eine Evakuierung ab, darunter auch Familien mit Kindern. "Selbst wenn wir es ihnen erklären und sie bitten, ihre Daten einzutragen, damit sie im Bus Plätze bekommen, machen sie es nicht, weil sie nicht glauben, dass das überhaupt möglich ist", erzählt sie.

Wie kam Melania Trump bei der Waffenruhe ins Spiel?

Die Vereinbarung über die lokale Waffenruhe wurde unter Vermittlung der First Lady der USA, Melania Trump, erzielt. Danach sollen die Menschen aus Oleschky, abhängig von ihrem Wunsch, entweder in die von der Ukraine oder in die von Russland kontrollierten Gebiete gebracht werden.

Eine Gruppe von Menschen in Oleschky steigt während der Waffenruhe in einen gelben Bus
Menschen in Oleschky steigen während der Waffenruhe in einen BusBild: Evgeniy Maloletka/AP Photo/dpa/picture alliance

Dmytro Lubinez erklärte, Melania Trump widme der humanitären Mission und Hilfe für die Zivilbevölkerung in Oleschky "persönlich ihre Zeit und Aufmerksamkeit". "Ihr direktes Engagement und die Koordinierung der Bemühungen aller Beteiligten sind ein wichtiger Bestandteil dieses Prozesses", betonte er.

Laut Fox News beinhaltet das Abkommen zwischen den Menschenrechtsbeauftragten der Ukraine und Russlands nicht nur Regelungen für eine vorübergehende Waffenruhe in Oleschky. Es enthält auch Pläne für weitere humanitäre Einsätze im von Russland besetzten Teil der Region Cherson. So sollen die Parteien nach Abschluss der Mission in Oleschky prüfen, ob humanitäre Hilfslieferungen sowie Evakuierungen und Rückführungen auch in anderen von Russland besetzten Städten der Region möglich sind. Nach Angaben des US-Senders könnten solche Operationen mindestens einmal pro Monat stattfinden.

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