Schülervertreterin: "Jugendliche werden ignoriert"
"Wir appellieren ganz offen an friedliche und gewaltfreie Proteste", sagt Rose Sözer von der Bundesschüler*innenkonferenz zu den geplanten Kundgebungen von "Gen Z regelt".
23.10.2026 | 3:57 minNach teils gewaltsamen Protesten, unter anderem in Frankreich, Italien und Belgien, wollen auch in Deutschland junge Menschen auf die Straße gehen. Die Initiative "Gen Z regelt" ruft für den 31. Oktober zu Demonstrationen in 21 Städten auf. Die Bundesschüler*innenkonferenz unterstützt die Proteste.
Die 17-jährige Schülervertreterin Rose Sözer sieht viele Gemeinsamkeiten zwischen den Anliegen junger Menschen in Frankreich und Deutschland. Im heute journal update spricht sie über Probleme im Bildungssystem, fehlende politische Mitbestimmung und ihre Sorgen um die Zukunft.
Sehen Sie oben das Interview in voller Länge oder lesen Sie es hier in Auszügen.
Schülervertreterin kritisiert psychischen Druck
Die Probleme der Jugendlichen in Deutschland ähnelten denen der Jugendlichen in Frankreich, erklärt Sözer, die dem Bundessekretariat der Bundesschüler*innenkonferenz angehört. Es gehe um marode Schulgebäude, Lehrermangel und ungleiche Bildungschancen.
Schüler und Studenten protestieren europaweit für bessere Lern- und Studienbedingungen. Neben unter anderem Spanien, Frankreich, Italien und Albanien sind auch Aktionen in Deutschland geplant.
21.10.2026 | 2:05 minBesonders wichtig sei auch die mentale Gesundheit junger Menschen, betont Sözer. Schüler litten unter Leistungsdruck und fehlender Chancengleichheit - auch deswegen solidarisierten sich einige mit den Protestierenden in Frankreich.
- Bei landesweiten Protesten in Frankreich kam es mehrfach zu schweren Ausschreitungen. Unter anderem wurden Fahrzeuge angezündet, in der Stadt Limoges brannte das Rathaus.
- Auch in Italien eskalierten Demonstrationen. In Mailand kam es zu Plünderungen und Zusammenstößen mit der Polizei, bei der Dutzende Menschen festgenommen wurden.
- In Belgien und Portugal protestieren Menschen unter anderem gegen hohe Lebenshaltungskosten, Studiengebühren und Wohnungsnot.
- Auch in Spanien demonstrieren Menschen gegen steigende Mieten und Wohnungsnot.
- In Griechenland errichteten Studierende vor dem Parlament in Athen ein Protestcamp.
- In Österreich gingen tausende Studierende sowie Lehr- und Forschungskräfte gegen mögliche Kürzungen im Hochschulbudget auf die Straße.
- Junge Menschen in Albanien und Serbien fordern dagegen einen kompletten politischen Machtwechsel.
Scharfe Kritik übt Sözer am Umgang der Politik mit jungen Menschen: "Jugendliche werden sehr, sehr stark ignoriert." Sie würden bei wichtigen Entscheidungen oftmals nicht ausreichend einbezogen.
Ganz viele Sachen wie Rentenreform oder Kürzungen bezogen auf Therapie werden nicht mit Jugendlichen besprochen, obwohl wir die Zukunft unseres Landes sind.
Rose Sözer, Schülervertreterin
Klimakrise belastet junge Menschen
Auch würden engagierte Jugendliche aus ihrer Sicht nicht im gleichen Maße einbezogen wie ältere Experten. Wer sich bereits in einer Jugendvertretung engagiere, habe noch vergleichsweise gute Möglichkeiten, gehört zu werden. Vielen anderen jungen Menschen fehle dieser Zugang - während Parteien vor allem die Interessen der älteren Generationen berücksichtigten.
Die Gewaltexzesse in Frankreich haben viele Ursachen. Die Bildungsmisere, der Frust der Vorstadtjugend und linke Kapitalismuskritiker. Eine explosive Mischung auf der Straße.
22.10.2026 | 3:38 minDoch nicht nur ein bröckelndes Bildungssystem, auch die ferne Zukunft beunruhigt viele junge Menschen. Mit Blick auf die Klimakrise sei in den letzten Jahren zu wenig passiert. Das schürt bei Jugendlichen und auch Sözer viele Zukunftsängste:
Da wird man irgendwie schon traurig, weil unsere Welt vor die Hunde geht. Einfach dadurch, dass in den letzten zehn Jahren nicht darauf geachtet wurde und nicht an die Zukunft gedacht wird, sondern nur ans Jetzt.
Rose Sözer, Schülervertreterin
Schülervertreterin ruft zu friedlichen Protesten auf
Auf die geplanten Proteste in Deutschland haben Politiker teilweise mit Sorge reagiert. Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) warnte vor einer möglichen Vereinnahmung der Proteste durch linksextreme Gruppen.
Bundesinnenminister Dobrindt mahnt zu Wachsamkeit, wie sich extremistische Kräfte im Rahmen der angekündigten Proteste am 31.10. einbringen.
21.10.2026 | 0:44 minAuch Sözer warnt davor, dass die Anliegen der Jugendlichen durch andere Gruppen instrumentalisiert und politisch vereinnahmt werden könnten.
Wir appellieren ja auch ganz offen an friedliche und gewaltfreie Proteste, weil so der Fokus auch nicht verloren geht.
Rose Sözer, Schülervertreterin
Für den Schutz der demonstrierenden Schüler sieht Sözer den Staat in der Verantwortung.
Das Interview führte Christopher Wehrmann, zusammengefasst hat es Victoria Weskamp.
Über dieses Thema berichtete das heute journal update am 23.10.2026 ab 00:30 Uhr.
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