Knall auf der Autobahn: Autofahrer bremst Drängler aus – dann wird es teuer
Knall auf der Autobahn
Autofahrer bremst Drängler aus – dann wird es teuer
Ein Motorradfahrer missachtet den Sicherheitsabstand und fährt zu nahe auf. Als der Autofahrer vor ihm auf die Bremse drückt, kommt es zum Unfall. Nun entschied das Bundesgericht, wer dafür geradestehen muss.
Publiziert: vor 18 Minuten
Darum gehts
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- Autofahrer bremst auf A12 abrupt, Motorradfahrer prallt ins Heck
- Autofahrer wegen fahrlässiger Körperverletzung verurteilt, 20 Tagessätze à 100 Franken
- Bundesgericht: Motorradfahrer bleibt strafbar, drohen drei Monate Ausweisentzug
Der Sicherheitsabstand zu anderen Fahrzeugen gehört zum Einmaleins jeder Fahrstunde. In der Praxis hält sich aber längst nicht jeder Verkehrsteilnehmer daran. Wie gefährlich das werden kann, zeigt ein Vorfall auf der Autobahn A12 zwischen Freiburg und Lausanne.
Am 22. Oktober 2023 war ein Autofahrer auf der linken Spur unterwegs, als sich von hinten ein Motorrad näherte. Laut Zeugenaussagen gestikulierte der Töfffahrer wild und klebte im Abstand von rund einem Meter fast an der Stossstange des Autos.
Artikel aus dem «Beobachter»
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Kurz vor einer Ausfahrt deutete der Autofahrer einen Spurwechsel nach rechts an. Doch statt hinüberzuwechseln, ordnete er sich überraschend wieder links ein und bremste. Der dicht auffahrende Motorradfahrer konnte nicht mehr rechtzeitig reagieren. Er krachte ins Heck des Autos, stürzte und erlitt eine Prellung der rechten Hüfte.
Geringer Abstand – selbst schuld?
Das Kantonsgericht Freiburg verurteilte den Autofahrer wegen fahrlässiger Körperverletzung zu einer bedingten Geldstrafe von 20 Tagessätzen zu je 100 Franken sowie einer Busse von 300 Franken.
Damit wollte sich der Mann aber nicht abfinden und zog vor das Bundesgericht. Seine Argumentation: Er habe nicht brüsk gebremst, sondern aus Schreck den Fuss vom Gas genommen, weil das Motorrad plötzlich «extrem nahe» an seiner linken Rückseite gewesen sei. Zudem habe der Töfffahrer den Unfall durch seinen viel zu geringen Abstand selbst verschuldet.
Wer das Risiko sieht, muss vorausschauend handeln
Das Bundesgericht sah das jedoch anders. Wer im Rückspiegel sieht, dass sich ein anderer Verkehrsteilnehmer regelwidrig verhält und drängelt, muss mit unvernünftigem Verhalten rechnen und entsprechend vorsichtig agieren. Ein plötzliches Bremsen sei das Gegenteil davon. Der Autofahrer habe mit einer Auffahrkollision rechnen müssen.
Im Urteil heisst es, der Motorradfahrer habe sich zwar ebenfalls rechtswidrig verhalten. Das rechtfertige die gefährliche Aktion des Autofahrers aber keinesfalls.
Auch Auffahren bleibt strafbar
Dass in diesem Fall nur der Autofahrer vor Gericht stand, heisst übrigens nicht, dass der Töfffahrer ungeschoren davonkommt. «Zu nahes Auffahren ist gefährlich und strafbar, häufig als grobe Verkehrsregelverletzung mit mindestens drei Monaten Ausweisentzug», erklärt Daniel Leiser, Rechtsexperte beim Beobachter. «Da das dichte Auffahren hier bewiesen ist, dürfte auch gegen ihn ein Verfahren laufen.»
In einem früheren Fall liess das Bundesgericht ein kurzes Antippen der Bremse als Warnung noch durchgehen. Bedingung ist aber, dass niemand gefährdet wird. Im vorliegenden Fall wurde diese Grenze klar überschritten.
Für den Autofahrer bleibt die Verurteilung wegen fahrlässiger Körperverletzung bestehen. Obendrauf muss er die Gerichtskosten des Bundesgerichts von 3000 Franken tragen.
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