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Sunday, September 20, 2026

Ökologischer Fussabdruck – Wie misst man Nachhaltigkeit? Schweizer Konzept für Weltproblem

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Am 30. Juli ist das Thermometer in Basel auf 39.7 Grad gestiegen – die höchste je hier gemessene Temperatur. Just am selben Tag war der World Overshoot Day. Also das Datum, an dem weltweit die Rohstoffe aufgebraucht werden, welche die Erde im ganzen Jahr 2026 reproduzieren kann.

Das sei «ein poetisch-tragischer Zufall», sagt Mathis Wackernagel. Er steht hinter dem Overshoot Day und hat auch das Konzept des ökologischen Fussabdrucks erfunden.

Messkonzept mit Ansatz beim Individuum

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Der ökologische Fussabdruck stellt den individuellen Ressourcenverbrauch ins Verhältnis zu den Regenerationskapazitäten der Erde. Er beziffert, welche biologisch produktive Fläche notwendig ist, um den Lebensstandard eines Menschen unter aktuellen Produktionsbedingungen dauerhaft zu ermöglichen.

Am Konzept des ökologischen Fussabdrucks gibt's auch Kritik: Das Tool vereinfache zu stark und zeige keine Lösungen auf. Mathis Wackernagel ist diese Kritik bekannt – er macht den Vergleich zum Bruttosozialprodukt: Auch dieses Modell sei eine starke Vereinfachung, habe sich aber als Kenngrösse durchgesetzt.

Den Fussabdruck-Rechner für das Individuum würde er am liebsten abschalten, sagt er im Gespräch, aber es gebe immer noch kein besseres Instrument; auch pädagogisch sei dieser immer noch das beste. Wertvoll sei auch der Ländervergleich.

Wackernagel entwickelte den Fussabdruck vor dem Erdgipfel der UNO zur Biodiversität in Rio 1992. «Sein Konzept half, aus den abstrakten Grenzen des Planeten etwas Greifbares zu machen», erklärt SRF-Wissenschaftsredaktorin Katrin Zöfel.

«Handeln ist angesagt»

Heute ist das Fussabdruck-Konzept weltbekannt. Wackernagel lebt in Kalifornien und war dieser Tage wegen eines Nachhaltigkeitsanlasses in seiner Geburtsstadt Basel.

Personen in einem Raum, die ein Gespräch führen.
Legende: Mathis Wackernagel (links) an einem Workshop zu Nachhaltigkeit am 11. September in Basel. SRF / Rachelle Strub

Trotz Rekordhitze rät er zu einem breiten Blick: «Es ist ein grosser Fehler, die ganze Umweltdiskussion nur auf das Klima zu reduzieren und dieses dann auf die CO₂‑Emissionen», sagt er zu SRF. Diese enge Logik lasse die Leute denken: Auch wenn ich nicht mehr Auto fahre, wird der nächste Sommer trotzdem wieder so heiss. «Das ist so, und dann tun wir nichts.»

Es wird mehr Klimawandel geben und weniger Ressourcen.

Das Klima sei nur ein kleiner Teil eines viel grösseren Problems: dem Ressourcenverbrauch. «Es wird mehr Klimawandel geben und weniger Ressourcen.»

Was das heisst, könne man angesichts des Heumangels und verdorrter Kulturen in diesem Sommer erahnen. «In einer heisseren Welt wird es viel schwieriger werden, landwirtschaftliche Produktion aufrechtzuerhalten.»

Als Kind habe er während Ferien auf einem Bauernhof den Aufwand für die Lebensmittelproduktion erlebt, so Wackernagel. Betrachte man die Schweiz quasi als Landwirtschaftsbetrieb, dann verbrauche sie heute insgesamt rund viermal so viele Ressourcen, wie sie selbst hergebe.

Nachhaltigkeitspionier aus Basel

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Mathis Wackernagel kam 1962 in Basel zur Welt und absolvierte ein Ingenieurstudium an der ETH Zürich. Danach doktorierte er 1994 an der University of British Columbia im kanadischen Vancouver, dies in Stadt- und Regionalplanung. Aus seiner Dissertation ging das Konzept des ökologischen Fussabdrucks hervor.

Heute präsidiert er die Organisation Global Footprint Network mit Sitz in Oakland (USA) und ist gefragt als Berater von Regierungen und Organisationen. Neben anderen Auszeichnungen erhielt er 2007 von der Uni Bern einen Ehrendoktor.

Den Generationen der Eltern und Grosseltern sei die Thematik vertraut, da die Schweiz während des Zweiten Weltkriegs nur für sieben Monate Nahrung aus eigenem Boden gehabt habe und sich mit Gärten und Sparen habe behelfen müssen.

Globales «Marktversagen»

Während Länder wie die Schweiz oder China heute ein Mehrfaches dessen konsumierten, was sie reproduzierten, sei es zum Beispiel bei Uruguay umgekehrt: Dieses Land habe dreimal mehr, als es verbrauche.

Das zeige «ein riesiges Marktversagen auf der Welt», doch das werde sich irgendwann korrigieren, sagt Wackernagel. Offen sei, ob «per Desaster oder per Design», also als Kollaps der Weltwirtschaft oder politisch ausgehandelt.

Wesentlich ist, herauszufinden, was wir wollen.

Diskussionen um Ziele drehen sich für ihn zu oft darum, was man tun müsste, denn so versuchten die Menschen, sich davor zu drücken. «Viel wesentlicher wäre es, herauszufinden, was wir wollen.» Leider sehe er weltweit, dass die Menschen nicht begriffen, dass die Zukunft viel voraussehbarer sei, als man glaube.

Als Ingenieur habe er das Prinzip Hoffnung nie ganz verstanden. Auch Nachhaltigkeit sei berechenbar; man könne aktiv danach handeln. Ein Fussballer stehe ja ebenfalls nicht bloss mit Hoffnung auf dem Feld, sondern wolle gewinnen. Dafür brauche es eine Strategie.

Die biologische Regeneration sei die Grenze, gebe die Kapazität vor, und man könne entscheiden, wofür man investieren wolle, so Mathis Wackernagel. Wenn man den Leuten die Vorteile aufzeige, sich damit zu beschäftigen, dann würden viel bessere Wege in die Zukunft möglich.

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Regionaljournal Basel Baselland, 14.9.2026, 17:30 Uhr ;  lanr;fise;wilh

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