Nach Berlin-Wahl: Enteignungs-Sorgen belasten Immobilienaktien
Marktbericht
Stand: 21.09.2026 • 14:35 Uhr
Nach der Abgeordnetenhauswahl in Berlin stehen die Aktien deutscher Wohnungsbauunternehmen deutlich unter Druck. Auch wenn für Enteignungen hohe Hürden bestehen, scheuen die Anleger das Risiko.
Das Wahlergebnis von Berlin verfehlt seine Wirkung an der Börse nicht: Gegen den allgemeinen Trend rutschen die Aktien des Wohnungskonzerns Vonovia und seiner Tochter Deutsche Wohnen weiter ab. Bis zum frühen Nachmittag verliert die im Leitindex DAX notierte Vonovia-Aktie 1,7 Prozent und notiert auf dem tiefsten Stand seit Juni 2023.
Auch die Aktie von TAG Immobilien gibt deutlich nach, obwohl der Konzern nur wenige Hundert Wohnungen in der Hauptstadt besitzt. Anders Vonovia: Gemeinsam mit den rund 100.000 Einheiten der Deutsche Wohnen kommt der Konzern auf rund 138.000 Wohnungen in Berlin.
"Wenn die Linke regiert, wird vergesellschaftet"
Die Linke hatte die Wahl zum Abgeordnetenhaus in der Hauptstadt deutlich gewonnen. Die Anleger sind besorgt, weil Wahlsiegerin Elif Eralp große Wohnungsunternehmen enteignen und einen Mietendeckel für landeseigene Wohnungen einführen will. "Wenn die Linke regiert, wird vergesellschaftet. Das habe ich so gesagt, und dabei bleibe ich auch", bekräftigte Eralp in der ARD.
Die Spitzenkandidatin, die mit Hilfe von Grünen und SPD Regierende Bürgermeisterin werden könnte, beruft sich dabei auf den Volksentscheid vom September 2021. Bei diesem gab es eine klare Mehrheit von 58 Prozent dafür, einen Gesetzentwurf für Enteignungen auszuarbeiten. Die Hoffnung: Durch so erlangte 220.000 zusätzliche kommunale Wohnungen könne die Stadt mehr Einfluss auf den Wohnungsmarkt bekommen, auf dem die Mieten seit Jahren sehr stark steigen.
Hohe rechtliche, politische und finanzielle Hürden
Experten sehen aber bei der geplanten Enteignung hohe rechtliche, politische und finanzielle Hürden. Die Grünen stehen bei dem Thema zwar an der Seite der Linken. Offen ist aber, ob die SPD in einem Bündnis die Linken-Forderung mittragen würde. Abgesehen von der sehr umstrittenen juristischen Basis müsste sich das Land Berlin zudem erheblich weiter verschulden, um die Wohnungsunternehmen für die Enteignungen zu entschädigen.
Zudem ist bisher nicht klar, ob Eralp überhaupt in Berlin regieren wird. Denn rechnerisch wäre auch eine Koalition aus CDU, Grünen und SPD unter Ausschluss der Linken möglich.
"Vonovia versteht sich als Teil der Lösung"
Heute bot Vonovia der Politik einen Dialog über den Wohnungsmarkt in der Hauptstadt an: "Vonovia steht auch einer künftigen Berliner Landesregierung als konstruktiver Gesprächspartner zur Verfügung und versteht sich als Teil der Lösung, um den Wohnungsmarkt in Berlin durch Neubau und bezahlbare Mieten zu entspannen", sagte Konzernchef Luka Mucic.
Gefragt seien mehr Neubau, verlässliche Rahmenbedingungen und Zusammenarbeit, betonte er: "Denn Vergesellschaftung schafft keine einzige neue Wohnung." Tatsächlich würde eine Enteignung künftige Investoren von Wohnungsbauprojekten wahrscheinlich abschrecken.
Steigende Zinsen lasten auf der Branche
Die politische Unsicherheit in Berlin trifft die Branche in einer ohnehin angespannten Lage. Schon seit Monaten stehen die Aktien der börsennotierten Immobilienkonzerne unter Druck, vor allem wegen des veränderten Zinsausblicks.
Steigende Zinsen belasten die Konzerne stark auf der Kostenseite, denn ihr Geschäftsmodell basiert stark auf Fremdfinanzierung. Vor diesem Hintergrund hatte die US-Investmentbank Goldman Sachs bereits Anfang September ihre Kaufempfehlung für die Aktien von Vonovia gestrichen und auf die Belastung durch das höhere Zinsniveau verwiesen.
DAX profitiert von sinkenden Ölpreisen
Am Gesamtmarkt herrscht dagegen zum Wochenbeginn Zuversicht. Die Ölpreise geben den vierten Handelstag in Folge nach. Dabei helfen die diplomatischen Bemühungen um ein Ende des Kriegs zwischen den USA und Iran. Der DAX kann bis zum frühen Nachmittag 1,2 Prozent zulegen.
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