Ausschluss der US-Medien – Trump-Boykott der US-Sender: Wie stark trifft ihn das?

US-Präsident Donald Trump ist wieder im Clinch mit den US-Medien. Die Medienunternehmen CNN, MS NOW und Politico haben gegen die US-Regierung geklagt, weil sie nicht mehr aus dem Weissen Haus berichten dürfen. Auch andere US-Medien wollen aus Solidarität vorerst auf eine Berichterstattung über Trump verzichten. Klaus Kamps ist Professor für Kommunikationswissenschaft an der Hochschule der Medien in Stuttgart und ordnet die Vorkommnisse ein.
Klaus Kamps
Kommunikations- und Politikwissenschaftler
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Kamps ist Professor für Kommunikationswissenschaft an der Hochschule der Medien in Stuttgart. Er forscht zur öffentlichen Kommunikation in den USA.
SRF News: Welche Folgen hat der Boykott der grossen US-Sender?
Klaus Kamps: Rein technisch werden kleinere, dem Präsidenten zugeneigte Sender diese Berichterstattung übernehmen. Insofern wird Trump nicht visuell verschwinden.
Trump kann gut darauf verzichten, ständig bei CNN zu sehen zu sein.
Sichtbar wird das für aufmerksame Leute in den Nachrichtenmedien selbst, etwa tagsüber und abends vielleicht noch bei CNN. Aber die sogenannten «Ideology News», die abends zum Beispiel bei Fox News laufen, werden Trump weiterhin zeigen.
Kann Donald Trump denn auf diese Fernsehbilder verzichten?
Ja, absolut. Trump kann gut darauf verzichten, ständig bei CNN zu sehen zu sein. Trump wendet sich immer an das konservative Amerika. Das ist medial zum überwiegenden Teil auf anderen Sendern zu finden. Etwas weh tut ihm vielleicht, dass er weniger unabhängige Wähler erreicht. Deren Anteil ist in den USA grösser, als wir von aussen schätzen würden.
Warum macht bei diesem Boykott auch Fox News mit – ein TV-Sender, der Trump nahesteht?
Weil Fox News erkennt, dass der gemeinsame Horizont schwindet und Zeiten nach Trump kommen. Zudem hat der Sender in dieser Trump-Zeit durchaus versucht, die eigene Identität als Nachrichtenmedium zu bewahren. Fox News hat sich auch in der Vergangenheit kritisch zu einzelnen Punkten geäussert, etwa zur Handelspolitik. Also ein hundertprozentiger Propaganda-Sender ist es nicht.
Trump macht, was er will, und wird dann vielleicht von den Gerichten wieder eingeholt.
Zudem sind die sehr starken Formate im Abendfernsehen von Fox News nicht davon betroffen. Diese Journalisten sind eigentlich die wichtigsten Unterstützer für Trump gegenüber seiner Basis und die werden ihren Tonfall deswegen nicht ändern.
Die ausgeschlossenen TV-Sender klagen gegen Trumps Entscheid mit dem Argument, das Verbot bedrohe die Medienfreiheit und den unabhängigen Journalismus. Wie sehen Sie das?
Recht haben sie. Die Pressefreiheit wirkt in den USA relativ stark. Das Weisse Haus ist das Haus des Volkes, es ist nicht Trumps Haus. Aber Trump macht, was er will, und wird dann vielleicht von den Gerichten wieder eingeholt. Dann ist die Kuh aber schon lange durchs Dorf gejagt worden. Dann lässt man sie halt wieder rein oder einigt sich darauf, dass Personen ausgetauscht werden.
Wird Trump früher oder später nachgeben und die betroffenen Medien wieder ins Weisse Haus lassen?
Das wird jetzt sicherlich über die Gerichte gehen. Es gibt die Möglichkeit, dass durch einstweilige Verfügungen relativ schnell Reaktionen hervorgerufen werden. Aber da bin ich mal gespannt, ob die Juristen im Weissen Haus nicht auch Möglichkeiten finden, das weiter hinzuziehen. Es ist ja auch ein wenig ein symbolischer Kampf. Trump deutet damit seiner Basis an, dass sein alter Kampf gegen die Fake News noch nicht vorüber ist und die schlechten Nachrichten im Land eher den Fake News zu verdanken sind und nicht der Wirklichkeit entsprechen. Er befindet sich im Prinzip auch mitten im Wahlkampf. Er bedient sich dazu der weitverbreiteten Skepsis des konservativen Lagers gegenüber dem medialen Establishment. Das ist wichtiger als irgendein neutraler Rechtsvollzug.
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