Berlin-Wahl: Wie Stefan Evers zum CDU-Spitzenkandidaten wurde
Porträt
Stand: 14.09.2026 • 12:22 Uhr
Jahrelang zog Stefan Evers eher im Hintergrund die Fäden. Jetzt steht der bisherige Finanzsenator erstmals selbst an der Spitze eines CDU-Wahlkampfs - die größte Bewährungsprobe seiner Karriere.
Stefan Evers ist eingesprungen. Schon wieder. Er kennt das ja. Bereits Ende April musste er kurzfristig aushelfen. Dem Berliner Senat war - durch Rücktritt - die damalige Kultursenatorin abhandengekommen. Der Regierende Bürgermeister Kai Wegner (CDU) fragte seinen Parteifreund und Finanzsenator Evers. Und der sagte kurzerhand zu.
Wenig später wurde er schon wieder gebraucht. Mitte Juli war klar: Wegner kann nicht CDU-Spitzenkandidat bleiben. Zu offensichtlich hatte der Rathauschef die Wahrheit strapaziert bei Nachfragen, was genau er eigentlich beruflich gemacht hatte, als zu Jahresbeginn fast 50.000 Haushalte in Berlin ohne Strom waren (die Antwort: anscheinend deutlich weniger, als Wegner öffentlich behauptet hatte).
Plötzlich Spitzenkandidat
Und so sollte Evers Mitte Juli wieder einmal den Ausputzer spielen - dieses Mal als Spitzenkandidat für die Abgeordnetenhauswahl. Selbstverständlich sagte er wieder "Ja". Damit steht er erstmals in der vordersten Reihe. Bislang hatte er sich vor allem als Fachmann im Hintergrund profiliert.
Geboren 1979 in Herdecke, Nordrhein-Westfalen, aufgewachsen in Paderborn. Nach dem Abitur Jura-Studium in Potsdam. Nebenbei arbeitete Evers als Referent für CDU-Bundestagsabgeordnete. Er macht das offenbar ordentlich und empfiehlt sich für weitere Aufgaben in der Partei. 2011 zieht er in das Berliner Abgeordnetenhaus ein.
Im Rampenlicht stand er bis dahin selten. In seinem Bezirksverband Charlottenburg-Wilmersdorf und der dortigen Fraktion waren stets andere die Vorsitzenden. Evers war ein Mann der zweiten Reihe. Erst im Abgeordnetenhaus schärfte sich sein Profil mit den Jahren.
Evers wurde Fraktionsvorsitzender, stadtentwicklungspolitischer Sprecher und 2016 schließlich Generalsekretär der Berliner CDU.
Seine Landesvorsitzende damals: Monika Grütters. Sie galt als Vertreterin des Merkelschen Mitte-Kurses innerhalb der Partei. Evers wurde ebenfalls zu diesem Lager gezählt. Als der eher konservative Kai Wegner 2018 Landesvorsitzender wird, rechnen viele mit einer Ablösung von Evers als Generalsekretär. Doch dieser bleibt im Amt. Und verdient sich Meriten in der Hauptstadt-CDU.
Wahlkampfmanager 2023
Bei der Nachwahl in Berlin 2023 ist Evers als Manager verantwortlich für den Wahlkampf der CDU. Er verhilft Spitzenkandidat Wegner zu einem Erdrutschsieg - nach einem konservativ ausgerichteten Wahlkampf. Ein Erfolg, der den Generalsekretär als politisches Schwergewicht etabliert. Der sich oft ruhig und besonnen gebende Evers gilt nun als Stratege und Strippenzieher hinter den Kulissen. Und als flexibel, was seine politische Ausrichtung angeht.
Wegner belohnt seinen Wahlkampfmanager mit einem Platz im Kabinett. Als Finanzsenator macht Evers gelegentlich durch markige Sprüche auf sich aufmerksam. Öffentlich will er als "Sparmeister" wahrgenommen werden, der das Geld der Steuerzahler zusammenhält. Die Zusammenarbeit mit seinen weniger sparwilligen Senatskollegen soll er einmal so beschrieben haben: "Ich arbeite mit schwer erziehbaren Erwachsenen".
Am Ende aber lässt er sich stets auf Kompromisse ein. Und auf neue Schulden. Aktuell steuert die Hauptstadt im Eiltempo auf einen Rekordschuldenberg von voraussichtlich etwa 75 Milliarden Euro im kommenden Jahr zu. Das von Evers immer wieder vorgetragene Ziel, einen ausgeglichenen Haushalt zu verwalten, ist in weite Ferne gerückt.
Flexibel, erfolgreich, hart
Politisch flexibel, in der Beschaffung von Wählerstimmen erfolgreich und stets im Dienste der Partei: Evers bringt einige Merkmale mit, die erfolgreiche Politiker ausmachen können. Und es kommen weitere hinzu.
Als neuer Spitzenkandidat zeigte er, dass er vor den Härten des Politgeschäfts nicht zurückschreckt. Direkt nach seiner Bestätigung durch den Landesvorstand der CDU musste die Berliner Generalsekretärin Ottilie Klein zurücktreten. Offensichtlich war sie nicht seine Wunschkandidatin. Stattdessen installierte er kommissarisch den Bundestagsabgeordneten Lukas Krieger.
Mit ihm zog Evers in den Wahlkampf. Und die Plakate in der Stadt tragen die Handschrift des Kandidaten ("Endgegner vom Schlendrian"). Er selbst gab noch ein Bonmot zum Besten: "Ich bin konservativ und das ist auch gut so". Ein Spruch in Anlehnung an das bekannte Zitat des ehemaligen Regierenden Bürgermeisters Klaus Wowereit ("Ich bin schwul und das ist auch gut so."). Homosexuell ist Evers auch, will damit aber nicht vorrangig Wahlkampf machen. Stattdessen "konservativ". Sagt er. "Flexibel" aber ist er auch. Das hat er schon bewiesen.
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