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Sunday, September 13, 2026

"Shit, Evakuierung" - Zugfahren im Ukraine-Krieg

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ZDF-Reporter Henner Hebestreit ist unterwegs mit der ukrainischen Bahn, die immer häufiger Ziel russischer Angriffe wird.

10.09.2026 | 2:41 min

Wir treffen Lokführer Andriy in Kiew während eines Luftalarms. Das prächtige Bahnhofsgebäude wurde geräumt, die Passagiere haben in Tunneln unter den Gleisen ausgeharrt, bis Andriy seinen Zug in den Bahnhof gefahren hat.

"Tja, natürlich besteht ein gewisses Risiko", erklärt er uns, während hinter ihm etwa 300 Fahrgäste in seinen Zug steigen. "Aber ich arbeite seit 36 Jahren bei der Bahn. Schon Vater und Großvater waren Eisenbahner, das ist mein Beruf, ich kann mir nichts anderes vorstellen." Dann muss er los, wegen des Alarms ist sein Zug schon verspätet.

Seit einer Woche stehe vor allem die Lagerinfrastruktur unter Beschuss, so ZDF-Reporter Henner Hebestreit in der Ukraine. Es könne zu kurzfristigen Engpässen kommen, räume auch die Regierung ein.

03.09.2026 | 6:00 min

Bahnfahren ist gefährlich geworden

Er klettert die Stufen hoch in seine E-Lok, die schon viele Epochen der ukrainischen Geschichte durchfahren hat: Die Sowjetrepublik, den unabhängigen Staat und jetzt das Land im Krieg. Aber nie war es so gefährlich.

"Ich muss betonen, dass die Nutzung der Eisenbahn ein riskantes Unterfangen ist", räumt Bahnchef Oleksandr Pertsovskyi im ZDF-Interview ein.

Jeder Tag birgt Gefahren, doch die Menschen müssen durch das Land reisen können. Der Bahnverkehr darf nicht stillgelegt werden.

Bahnchef Oleksandr Pertsovskyi

Vorne im Führerstand zieht Andriy an Hebeln, drückt Knöpfe und dreht an einem Rad, das aussieht wie die untere Hälfte des Steuers eines alten Lastwagens. Ächzend setzt sich der Zug in Bewegung, zufrieden zündet sich Andriy eine Zigarette an.

Hinten im Zug darf nicht geraucht werden, man macht es sich gemütlich, richtet sich ein auf die lange Reise nach Charkiw.

Marlena wird in Odessa eingeschult. Nach russischen Angriffen beginnt ihr erster Schultag im Schutzkeller. Viele Schulen setzen wegen des Krieges weiter auf Homeschooling.

01.09.2026 | 2:25 min

An ausgebrannten Loks und Schuppen vorbei

Durch die Fenster sehen wir zerstörte Lokschuppen, vor denen ausgebrannte Wracks von Lokomotiven stehen. Bizarre Metallkonstruktionen, verbogen von der Wucht gewaltiger Explosionen.

Man hat sie hier gesammelt, um sie auszuschlachten, doch die Werkstätten hat Russland vor wenigen Tagen angegriffen. Sechs Eisenbahner kamen dabei ums Leben. Lokführer Andriy schüttelt den Kopf, seufzt und konzentriert sich auf die Brücken über den Dnipro vor ihm.

"Shit, Evakuierung"

Gerade haben wir den Fluss überquert und die letzten Außenbezirke der Hauptstadt der Ukraine verlassen, da schrillt Andriys Zugtelefon. Aus dem Hörer ist laut die Stimme der Fahrdienstleiterin zu hören. Andriy bestätigt die Order, legt den Hörer zurück auf die Gabel und zischt "Shit, Evakuazija!" - "Shit, Evakuierung".

Dann packt er mit der einen Hand seinen knallroten Bremshebel, mit der anderen das Funkgerät, informiert knapp die Schaffner hinten im Zug. Wenig später steht der Zug.

Trump hat seine beiden Unterhändler nach Moskau und Kiew geschickt, um im Ukraine-Krieg zu vermitteln. Details von ZDF-Korrespondent Henner Hebestreit.

05.09.2026 | 1:06 min

Sorge, aber keine Panik

Andriy klettert nach draußen, geht einige Schritte auf Abstand zu seiner Lok und beobachtet, wie die Schaffner Passagieren beim Aussteigen helfen. Die bringen sich an einem Waldrand in Sicherheit. Von Panik keine Spur, ein paar Frauen stricken, andere blicken besorgt in den Himmel.

"Shahed-Drohnen sind immer öfter mit Splittermunition bestückt, um maximalen Schaden anzurichten", hat uns Bahnchef Pertsovskyi vor der Reise erklärt. Erst 200 Meter entfernt vom Zug seien die Reisenden in Sicherheit. Das sei den Passagieren aber nur schwer zu vermitteln:

Aus Neugier wollen viele näher am Zug bleiben. Wir müssen der Bevölkerung klar machen: Im Krieg sind solche Regeln mit Blut geschrieben.

Bahnchef Oleksandr Pertsovskyi

Verspätungen egal - Hauptsache heil ankommen

Dem Bahnchef ist die Verzweiflung anzusehen, dass ausgerechnet sein Transportunternehmen, das immer als das sicherste Verkehrsmittel galt, in der militärischen Realität gefährlich geworden ist.

Drei dumpfe Explosionen in großer Entfernung deuten an, dass die Luftverteidigung diesmal den Kampf gegen die Drohnen gewonnen hat. Kurz darauf fordern die Schaffner zum Einsteigen auf, die Fahrt kann weitergehen. Die Verspätung wird Andriy nicht mehr einholen - aber um Pünktlichkeit geht es der ukrainischen Eisenbahn nicht mehr: Heil ankommen ist das Ziel.

Aktuelle Meldungen zu Russlands Angriff auf die Ukraine finden Sie jederzeit in unserem Liveblog:

Russland greift die Ukraine an

:Aktuelles zum Krieg in der Ukraine

Seit Februar 2022 führt Russland einen Angriffskrieg gegen die Ukraine, die Kämpfe dauern an. Alle Entwicklungen und Ukraine-News im Liveticker.

Satellitenbild: Rauchgeneratoren auf der Krim-Brücke aufgenommen am 22.6.2026

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Über dieses Thema berichtete das heute journal am 10.09.2026 ab 21:45 Uhr.

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