Söder: "Brandmauer ist als Wort sicher abgebrannt"
Der bayerische Ministerpräsident und CSU-Vorsitzende Markus Söder fordert, mit der AfD „demokratisch in den argumentativen Nahkampf“ zu gehen, anstatt die Partei zu verbieten.
23.10.2026 | 6:49 min"Kämpfen, kämpfen", lautet die Ansage von Markus Söder, CSU-Chef und bayerischer Ministerpräsident, mit Blick auf die aktuelle politische Lage im Land. Unter dem Eindruck mehrerer Wahlniederlagen der Schwesterpartei CDU und einer kriselnden Bundesregierung kommt die CSU in München zum Parteitag zusammen. Und plötzlich bahnt sich auch noch ein unionsinterner Streit um die Frage des künftigen Bundespräsidenten an.
Im heute journal wirbt Söder für Parteikollegin und Präsidentin des Bayerischen Landtags Ilse Aigner, spricht über die Rolle von Kanzler Friedrich Merz und seine Strategie gegen die AfD.
Sehen Sie oben das gesamte Interview oder lesen Sie es hier in Auszügen. Das sagt Söder ...
... zu einer möglichen Bundestagspräsidentin Ilse Aigner
Aigner sei eine "hervorragend qualifizierte Kandidatin für das höchste Staatsamt", lobt Söder.
Wir machen ein Angebot der Koalition - der CDU, aber auch der SPD. Und wir haben ja von vielen Stimmen gehört, dass es da durchaus große Resonanz gäbe.
Markus Söder (CSU)
Sie könne bei SPD und sogar bei den Grünen Akzeptanz finden und setze sich für Demokratie ein. "Ich würde mir sehr, sehr wünschen, dass es da eine Möglichkeit, eine Bereitschaft dafür gibt."
- Rede bei Parteitag: Söder wirbt für Aigner und Kampf gegen extreme Kräfte
Der CSU-Parteitag in München hat begonnen. Im Fokus stehen vor allem die Abgrenzung zu Linkspartei und AfD sowie die Bundespräsidentenwahl im kommenden Jahr.
23.10.2026 | 1:39 min... zu mutmaßlichen Ambitionen aufs Kanzleramt
Die Frage, ob eine CSU-Bundestagspräsidentin seine möglichen Ambitionen aufs Kanzleramt gefährde, weist der CSU-Chef zurück: "Das ist ja eine absurde These." Und weiter: "Wir haben einen Bundeskanzler und der bleibt auch Bundeskanzler."
Insofern ist auch klar, dass die CSU jetzt eigentlich mal dran wäre bei so einem hohen Amt wie dem Bundespräsidenten.
Markus Söder (CSU)
Die CSU diskutiert auf einem zweitägigen Parteitag unter anderem die Bundespräsidentenwahl im kommenden Jahr. ZDF-Korrespondentin Eva Schiller berichtet.
23.10.2026 | 1:15 min... zur Frage, ob die CDU einen Alternativkandidaten nominieren könnte
Auf die Frage - ausgelöst durch Stimmen aus CDU-Kreisen -, ob die Kanzlerpartei eine eigene Kandidatin präsentieren könnte, weicht Söder aus: "Wir werden am Ende sehen, wer dann der gemeinsame Kandidat für die Koalition ist."
... zur Rolle von Bundeskanzler Merz
Als Christian Sievers von Söder wissen will, ob er Friedrich Merz aktuell als "Zugpferd im Kampf um Wählerstimmen" empfinde, weicht Söder abermals aus:
Ich glaube, dass im Moment die Zeiten echt schwer sind.
Markus Söder (CSU)
Und weiter: "Und man kann das nicht allein nach demoskopischen Befunden messen, aber wir arbeiten gut zusammen, wir unterstützen auch den Bundeskanzler."
Auf dem Parteitag der CSU in München hält der Parteivorsitzende Markus Söder eine Grundsatzrede.
23.10.2026 | 97:17 min... dazu, was jetzt getan werden müsse
Es komme jetzt nicht auf den Einzelnen oder die Einzelne an, sondern es komme auf das Gemeinschaftliche an.
Wir stehen an der Weggabelung, ob wir uns als stabiles, demokratisches Land erhalten können oder nicht, und da bin ich dafür, dass wir alles dafür tun, erfolgreich zu sein.
Markus Söder (CSU)
Konkret bedeute dies: "Kämpfen, kämpfen", sich beispielsweise auch mit der AfD auseinanderzusetzen: "Das Thema Brandmauer ist als Wort sicher abgebrannt - nach dem Motto: 'Wir brauchen gar nicht drüber reden und am besten verbieten wir die AfD, dann ist das Thema vom Tisch.' So leicht wird uns das nicht gelingen."
Man müsse sich vielmehr "demokratisch quasi in den Argumenten im Nahkampf bewegen", so Söder weiter. Mit Blick auf die Wirtschaftspolitik, den Umgang mit Migranten und Äußerungen zu Menschen mit Behinderung sei klar: "Die AfD ist keine normale Partei."
Und ich fordere auch an dieser Stelle Frau Weidel und Herrn Chrupalla auf, die ganzen Rechtsradikalen, die Rechtsextremen, die Identitären aus der Partei zu schmeißen. Erst dann könnte je ein Weg zu einer Normalisierung der AfD stattfinden. Leider ist aber der gegenteilige Trend erkennbar.
Markus Söder (CSU)
... zur Idee, bestimmte Länder vom Länderfinanzausgleich auszuschließen
Es könne nicht sein, "solche Experimente, die gemacht werden, auf einem zum Teil verfassungsfeindlichen Boden (...) dass die anderen Steuerzahlerinnen das dann noch alimentieren". Als Beispiele nennt er Planungen für "ein verfassungswidriges Wahlrecht" in Berlin sowie "antisemitische Strömungen" sowie einen sogenannten Russland-Antrag im Landtag von Sachsen-Anhalt, der mit Stimmen von AfD und BSW durchgesetzt wurde.
Wenn Entscheidungen kommen, die zum Teil verfassungsfeindlich sind, wenn Entscheidungen getroffen werden, die extremistisch sind, und wenn Entscheidungen getroffen werden, die dann nicht mehr auf dem Boden der Verfassung stehen, dann muss es Reaktionen geben.
Markus Söder (CSU)
Das Interview führte heute-journal-Moderator Christian Sievers. Zusammengefasst hat es ZDFheute-Redakteur David Metzmacher.
Über das Thema berichtete das ZDF am 23.10.2026 in den heute-Nachrichten um 19:00 Uhr und im heute journal um 21:45 Uhr.
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