«Gab keinen Grund»: 53 Tiere beschlagnahmt – Halterin wehrt sich

- Der Veterinärdienst Aargau hat in Oberhof 40 Hunde und 13 Pferde einer Tierhalterin beschlagnahmt.
- Gegen die Frau besteht seit dem 24. Februar ein umfassendes Tierhalteverbot, das sie missachtete.
- Die Halterin will ihre Tiere zurück, der Veterinärdienst kündigt eine Strafanzeige an.
Auf einem Hof in Oberhof im Aargauer Fricktal hat der Veterinärdienst 40 Hunde und 13 Pferde beschlagnahmt. Gegen die Besitzerin besteht bereits seit Februar ein umfassendes Tierhalteverbot. Doch als Reporter von Tele M1 den Hof besuchten, trafen sie dort weiterhin vier Hunde an. Gegenüber dem Regionalsender äusserte sich die Tierhalterin erstmals zu den Vorwürfen.
«Es gab keinen Grund, die Tiere aus dem Haus zu holen», sagt die Frau. Sie erhebt ihrerseits schwere Vorwürfe gegen die Behörden. Diese hätten ihrer Familie und auch den Tieren «einen seelischen Schaden zugefügt».
Warum sind noch vier Hunde auf dem Hof?
Die Beschlagnahmung erfolgte am 7. Oktober. Wie die Kantonspolizei Aargau am Dienstag mitteilte, hatte der Veterinärdienst des Kantons Aargau wegen wiederholter Verstösse gegen das Tierschutzgesetz die besagten Tiere abgeholt.
Dass sich weiterhin vier Hunde auf dem Hof befinden, bestätigt die stellvertretende Kantonstierärztin Melanie Kocher gegenüber Tele M1. Diese habe man der Frau vorerst gelassen.
Bei den übrigen Hunden seien die Haltungsbedingungen jedoch problematisch gewesen. «Sie wurden sehr isoliert gehalten», erklärt Kocher. Die Tiere seien schlecht sozialisiert und teilweise nicht einmal an ein Halsband gewöhnt gewesen.
Pferd musste eingeschläfert werden
Auch die 13 Pferde wurden laut den Behörden nicht artgerecht gehalten. Zwar verfügten sie über eine grosse Weide, doch in den Stallungen fehlte es teilweise an ausreichend Einstreu und Liegematerial. Zudem seien die Boxen zu dunkel gewesen. Besonders schwerwiegend sei der Zustand eines Pferdes gewesen, das laut Veterinärdienst unter alten, vermutlich unbehandelten Verletzungen an den Beinen gelitten habe. Eine unabhängige Tierärztin habe entschieden, dass das Tier wegen seines schlechten Gesundheitszustands habe eingeschläfert werden müssen.
Die Besitzerin kann diese Entscheidung nicht nachvollziehen. «Nur weil er nicht mehr so rund gelaufen ist. War das ein Grund, ihn einzuschläfern?», fragt sie gegenüber Tele M1. Auch als ihr Fotos der Verletzungen gezeigt werden, bleibt sie bei ihrer Darstellung.
Tierhalteverbot seit Februar
Bereits am 24. Februar hatte der Veterinärdienst ein umfassendes Tierhalteverbot gegen die Frau ausgesprochen. Dieses untersagt ihr schweizweit, Tiere zu halten, zu betreuen oder zu züchten.
Bis zum 15. Juli hätte die Halterin sämtliche Tiere abgeben müssen. Da sie dieser Aufforderung nicht nachkam, schritten die Behörden Anfang Oktober ein. Im Beitrag von Tele M1 wird vermutet, dass die Frau staatlichen Instanzen kritisch gegenübersteht. So äussert sie sich unter anderem ablehnend zu Tierimpfungen, Entwurmungen und der Kennzeichnung von Tieren mit Mikrochips.
Halterin will alle Tiere zurück
Die Tierhalterin will nun dafür kämpfen, ihre Tiere zurückzubekommen. Der Veterinärdienst zeigt sich unter bestimmten Bedingungen gesprächsbereit. Sollte die Halterin künftig mit den Behörden zusammenarbeiten, könnte sie einige wenige Hunde behalten dürfen.
Die beschlagnahmten Tiere werden inzwischen tierärztlich versorgt und sind in geeigneten Einrichtungen untergebracht. Später sollen sie an dauerhafte Plätze vermittelt werden. Die Kosten des Einsatzes muss die Halterin tragen. Zudem kündigte der Veterinärdienst eine Strafanzeige wegen Verstössen gegen das Tierschutzgesetz an.
Du weisst von einem Tier in Not?
Hier findest du Hilfe:
Feuerwehr, Tel. 118 (Tierrettung)
Polizei, Tel. 117 (bei Wildtieren)
GTRD, Grosstier-Rettungsdienst, Tel. 079 700 70 70 (Notruf)
Tierquälerei:
Jonas Bucher ist Blattmacher und stellvertretender Co-Leiter des Newsdesks bei 20 Minuten. Er ist seit 25 Jahren in der Medienbranche tätig und 20 Minuten stets treu geblieben.
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