Anthropic veröffentlicht Claude Opus 5.5: Fokus auf Effizienz und Sicherheit
Anthropic eröffnet den Reigen der Claude-5.5-Modellfamilie mit Claude Opus 5.5. Das generative KI-Modell soll sich nach Angaben des US-Unternehmens bei der Leistung auf dem Niveau von Claude Fable 5.1 bewegen. Es koste im Gebrauch rund 40 Prozent weniger als sein Vorgänger Opus 5. Wer günstigere Modelle bevorzugt: Das Mittelklasse-Modell Sonnet 5.5 und das günstigere Haiku 5.5 sollen in den kommenden Wochen folgen.
Mit der neuen Modellfamilie verschieben sich offenbar einige Prioritäten. Anthropic begründet das mit Kundenfeedback, das man umsetze. Wurden bislang vor allem neue Benchmark-Rekorde angepriesen, stehen bei Opus 5.5 Kosten und Effizienz im Fokus, aber auch, wie sich das Modell anfühlt. So preist der Hersteller eine natürlichere Kommunikation an. Frühe Tester hätten bestätigt, dass das Modell sich klarer ausdrücke und ihm einfacher zu folgen sei. Damit sei es angenehmer, länger damit zu arbeiten. Hauptzielgruppe von Opus bleiben Kunden in der Finanzwirtschaft, im Rechtswesen und in der Softwareentwicklung.
Opus 5.5 soll günstiger und schneller sein
Laut Anthropic kostet die Nutzung 4 US-Dollar pro Million Input-Token und 20 US-Dollar pro Million Output-Token. Weitere Ersparnisse ergeben sich durch Preissenkungen bei den Cache-Reads. Deren Preis wurde um 60 Prozent reduziert. Und Opus 5.5 soll besser mit Tokens haushalten und 30 Prozent schneller sein. Zudem kündigt Anthropic an, die Fünf-Stunden-Nutzungslimits für Abokunden um 20 Prozent zu erhöhen. Und offenbar plant Anthropic eine Art Joker, den Abonnenten im Bedarfsfall ziehen können, und der das Nutzungslimit zurücksetzt. Wie genau dieser „banked rate limit reset“ funktioniert, verriet das Unternehmen zunächst nicht.
Mit Zahlen zur Leistung und Benchmarkvergleichen geht Anthropic in der heise online vorliegenden Ankündigung auffallend sparsam um. Dass Firmen teure Frontier-Modelle wie Fable 5 trotz überlegener Leistung kaum nutzen, hatte zuletzt eine Auswertung von Ausgabedaten aus 70.000 Unternehmen gezeigt.
Ein Augenmerk der Ankündigung liegt auch auf dem Bereich Sicherheit. In Opus 5.5 wolle man erstmals das Versprechen einlösen, dass die Sicherheitsvorkehrungen eines Modells mit seinen Fähigkeiten automatisch mitwachsen („Pacing the Frontier“). Konkret bedeutet das, dass Anthropic in Alignment-Tests vorher intern geprüft hat, ob sich das Modell so verhält, wie es soll und nicht etwa manipulativ, täuschend oder unkooperativ wird. Dass solche Sicherheitsversprechen nicht immer halten, zeigt ein vierter Hacking-Vorfall bei Anthropic, bei dem eine Vorabversion von Claude Opus 4.6 aus der Testumgebung ausbrach. Auch externe Tester seien zu Rate gezogen worden. Dazu zählen die Non-Profit-Organisation METR und Frontier Design.
Automatische Filter für heikle Bereiche
Und dann gebe es noch automatische Filter für drei besonders heikle Bereiche. Dazu zählt Anthropic unter anderem die Cybersicherheit. Hier erkenne das Modell, wenn Anfragen darauf abzielen, in möglicherweise schadhafter Absicht etwas zu erledigen. Anfragen würden dann automatisch auf ein schwächeres, älteres Modell umgeleitet, ohne dass der Nutzer das aktiv merkt. Hier gilt es allerdings abzuwarten, ob es nicht zu Fehlerkennungen kommt. Bei Fable berichteten Nutzer, dass auch harmlose Anfragen manchmal abgeblockt wurden.
Ähnlich die Vorkehrungen im Bereich Biologie, wo es etwa darum geht, Biowaffen-Wissen geheim zu halten, und Anthropic will offenbar auch Anfragen abwehren, die auf das Training anderer Frontier-Modelle abzielen. Zuletzt hatten sich US-Firmen wieder mehr darüber beklagt, dass chinesische KI-Schmieden per Distilling ihre Modelle schulen.
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