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Sunday, November 1, 2026

«Ich will Trump wegen Vergewaltigung verklagen»

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Béatrice Keul (57), ehemalige Miss-Schweiz-Kandidatin, legt sich mit dem mächtigsten Mann der Welt an. Am Montag haben die Demokraten im Justizausschuss des Repräsentantenhauses einen brisanten Bericht veröffentlicht. Darin erhebt die Bernerin schwere Vorwürfe gegen den amtierenden US-Präsidenten Donald Trump (80): Er habe sie 1993 «brutal» vergewaltigt.

Ihre Anschuldigung ging um die Welt. Das «Time Magazine», der «Telegraph», «The Independent» und viele weitere Medien haben darüber berichtet. Nun sagt Keul exklusiv zu Blick, dass sie es nicht bei verbalen Schuldzuweisungen belassen wolle: «Ich will Trump wegen Vergewaltigung verklagen.»

«Ich bin eine Löwin»

Jahrelang hat sie geschwiegen. In den Neunzigern sei es ein Tabu gewesen, über sexuelle Übergriffe zu sprechen. «Ich konnte mich nicht einmal meiner Familie anvertrauen», erzählt Keul. «Ich war dazu verdammt, im Stillen zu leiden.»

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Jetzt sei Schluss damit. «Ich will Gerechtigkeit.» Auch ein Milliardär und US-Präsident dürfe sich nicht alles erlauben. «Ich will, dass sich Trump vor Gericht verantworten muss.» Sie sei bereit, sich durch alle Instanzen zu kämpfen: «Ich bin eine Löwin.»

Mehrere Dutzend Frauen werfen Trump sexuelle Belästigung vor. Die Schweizerin hat sich mit einigen von ihnen vernetzt. Sie nennen sich «Survivor Sisters» und sprechen öffentlich über Missbrauch, unter anderem durch den verstorbenen Sexualstraftäter Jeffrey Epstein (1953–2019). Zudem hat sich Keul US-Anwälte geholt, deren Namen sie allerdings nicht nennen will. Mit ihnen arbeite sie daran, Trump in New York vor Gericht zu bringen.

Keine Immunität für Trump

Nur gibt es ein Problem: Die mutmassliche Vergewaltigung ist verjährt. Keul hofft deshalb auf ein Spezialgesetz nach dem Vorbild des sogenannten Adult Survivors Act. Dieses Gesetz war von November 2022 bis November 2023 in New York in Kraft. Es öffnete ein befristetes Fenster, in dem Opfer sexuellen Missbrauchs zivilrechtlich klagen konnten, selbst wenn die Taten längst verjährt waren.

Opferschutzgruppen in den USA lobbyieren nun im Hintergrund für die Verabschiedung eines neuen Gesetzes im Bundesstaat New York, das wie einst der Survivors Act ein Klagefenster für verjährte Missbrauchsfälle öffnen soll. Keul sagt: «Es kommt Bewegung in die Sache.» Ihre Anwälte würden die Erfolgsaussichten zur Verabschiedung eines solchen Gesetzes auf 80 bis 90 Prozent schätzen.

Trumps Immunität als Präsident würde ihn nicht schützen. Der Supreme Court hat in einem Grundsatzurteil 1997 festgehalten, dass ein amtierender Präsident vor Zivilklagen keine Immunität geniesst, wenn sie auf privaten Handlungen aus der Zeit vor seiner Amtszeit beruhen. Das Urteil erging im Fall Clinton. 1994 hat die Ex-Staatsangestellte Paula Jones den damaligen US-Präsidenten Bill Clinton wegen sexueller Belästigung zivilrechtlich verklagt. Die beiden einigten sich aussergerichtlich.

Ein bedrohlicher Anruf

Zivilklagen dienen in erster Linie dem Schadenersatz. Es geht um finanzielle Entschädigung, nicht um Strafe. Zudem liegen die Beweisanforderungen tiefer als bei einem Strafverfahren. Die Wahrscheinlichkeit einer Verurteilung ist deshalb grösser.

Trump und seine Entourage dürften sich mit aller Härte wehren. Seit die Vorwürfe bekannt sind, zweifeln konservative Kommentatoren an Keuls Aussagen: Sie lasse sich von den Demokraten einspannen, um den Republikanern kurz vor den Midterms zu schaden. Die rechte Journalistin Megyn Kelly (55) sagte diese Woche an die Schweizerin gerichtet: «Ich glaube Ihnen nicht, ich glaube keiner Frau (die Trump beschuldigt, Anm. d. Red.).»

Keul sagt, sie werde in den sozialen Medien angegriffen und diffamiert. «Sie beschimpfen mich als Lügnerin.» Zudem habe sie diese Woche einen bedrohlichen Anruf aus den USA erhalten. «Eine computergenerierte Stimme hat mir gedroht und deutlich gemacht, dass es das Beste für meine Familie sei, wenn ich ab jetzt schweige.»

Den Einschüchterungsversuch habe sie ihren Anwälten weitergeleitet. Der Vorfall hinterliess Spuren: «Ich habe Angst», sagt Keul. Ihren aktuellen Aufenthaltsort will sie deshalb nicht preisgeben. «Diese Menschen sind zu vielem fähig.»

Trump entdeckt die Schweizerin

Die Geschichte, über die Keul schweigen soll, hat sich laut ihrer Erzählung 1993 zugetragen. Die Bernerin war damals 24, hatte soeben bei den Miss-Schweiz-Wahlen den zweiten Platz belegt und es ins Finale der Miss-Europe-Wahl geschafft. Dann sei Trumps Umfeld auf sie zugekommen.

Eine Frau namens Jill Harth habe sie für den «Donald J. Trump American Dream Pageant» rekrutiert, einen Schönheitswettbewerb in Atlantic City und New York. «Ich hatte damals ein tolles Leben», erzählt Keul. Sie habe studiert, bei einer Bank gearbeitet und nebenbei gemodelt, als sie Trumps Einladung annahm. Es sollte ihre erste Reise in die USA werden.

Was dann geschehen sein soll, steht im jüngst veröffentlichten Bericht der Demokraten. Das Dokument beruht auf wochenlangen Gesprächen, die Mitarbeiter des US-Justizausschusses mit Keul geführt haben. Blick zitiert daraus.

«Endlich treffen wir uns, Frau Keul»

Die Schweizerin habe am Rande des Schönheitswettbewerbs die Neugierde Trumps geweckt. Das war im November 1993. Bei einem Mittagessen in Trumps Plaza Hotel in New York sei der damalige Finanzmogul auf sie zugegangen, mit den Worten: «Endlich treffen wir uns, Frau Keul» – wobei er ihren Namen als «Cool» aussprach.

«Mindestens fünfzehn Minuten» hätten sich die beiden unterhalten. Trump habe versprochen, ein Visum für sie zu organisieren und persönlich dafür zu sorgen, dass sie an der New York University aufgenommen werde. «Ich werde mich um Sie kümmern», habe er gesagt. Keul entgegnete, ihr Visum könne sie selbst besorgen.

Später an jenem Tag sei ein Vertreter Trumps an sie getreten und habe sie gebeten, ihm hinauf ins Plaza Hotel zu folgen. Dort wartete Trump. Keul habe geglaubt, ein weiteres Treffen mit ihm könnte ihrer Karriere dienen. Also sei sie dem Mann gefolgt.

Die mutmassliche Vergewaltigung

In einer Suite habe Trump die Schweizerin von hinten gepackt und vergewaltigt. «Dabei zerriss er ihr Kleid und fügte ihr an verschiedenen Körperstellen Verletzungen zu, die zu Blutungen und Blutergüssen führten», steht im Bericht. Und: «Keul beschrieb die Vergewaltigung als ‹brutal›.»

Danach habe sich Trump auf die Bettkante gesetzt und sein Versprechen wiederholt, sich um ein Visum und einen Studienplatz zu kümmern. Dann habe er von ihr verlangt, über den Vorfall zu schweigen: «The show must go on.»

Ob sich die Ereignisse so zugetragen haben, lässt sich nicht unabhängig überprüfen. In einer ersten Stellungnahme gegenüber US-Medien liess das Weisse Haus verlauten: «Keine dieser Anschuldigungen ist wahr.» Für alle Beteiligten gilt die Unschuldsvermutung.

Eine abweichende Geschichte

Vor zwei Jahren erzählte Keul in den Medien eine andere Version. Im Oktober 2024 wandte sie sich an die britische «Daily Mail» und sprach erstmals öffentlich über den mutmasslichen Übergriff. Trump habe sie gegen ihren Willen geküsst und begrapscht, sagte sie damals. Von einer Vergewaltigung war keine Rede.

Darauf angesprochen, sagt Keul heute, sie habe immer dieselbe Geschichte erzählt. Aber die Medienhäuser hätten sich damals vor Trump und seinen Anwälten gefürchtet. «Deshalb habe ich zugestimmt, den Vergewaltigungsvorwurf in der Berichterstattung wegzulassen.» Jetzt aber, da sie die Unterstützung der demokratischen Abgeordneten spüre, fühle sie sich ermutigt, alles publik zu machen.

Sie erlebe gerade einen «Tsunami an Solidarität». Viele meldeten sich bei ihr: alte Kolleginnen, ehemalige Arbeitsfreunde, selbst Unbekannte. Tagsüber schlafe sie zwei Stunden, nachts telefoniere sie mit US-Journalisten und erzähle immer wieder dieselbe Geschichte, pausenlos auf Sendung, rastlos.

«Ich fühle mich gerade wie in einem Film», sagt Keul. Sie, «ein kleiner Fisch aus der Schweiz», im zornigen Auge Trumps. Ein langer Rechtsweg dürfte vor ihr liegen. Und er hat gerade erst begonnen.

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