Bundesrat Ignazio Cassis reist nach Nordkorea

23 Jahre nach Pjöngjang-Besuch von Calmy-Rey
Bundesrat Ignazio Cassis reist nach Nordkorea
Aussenminister Ignazio Cassis besucht am Donnerstag und Freitag Nordkorea. In Pjöngjang eröffnet er offiziell ein diplomatisches Büro der Schweiz. Ob er Machthaber Kim Jong Un trifft, ist offen.
Publiziert: vor 57 Minuten
Daniel KestenholzRedaktor Nachtdienst
Bundesrat Ignazio Cassis (65) reist in eines der abgeschottetsten Länder der Welt. Das gab das EDA am Montagabend bekannt. In Pjöngjang nimmt er an der offiziellen Wiedereröffnung eines Schweizer Büros teil und führt politische Gespräche mit den nordkoreanischen Behörden.
Im Zentrum stehen laut EDA die Sicherheitslage auf der koreanischen Halbinsel und die Wiederaufnahme bilateraler Konsultationen. Ein Treffen mit Nordkoreas Staats- und Regierungschef Kim Jong Un (42) ist nicht angekündigt. Am Freitag und Samstag reist Cassis weiter nach Seoul.
Das Büro ist seit dem 19. Oktober in Betrieb. Es soll die direkten Kontakte zu den nordkoreanischen Behörden erleichtern und untersteht der Schweizer Botschaft in Peking. Anders als das frühere Büro der Entwicklungsagentur Deza hat es einen diplomatischen Auftrag, den ersten seit Aufnahme der Beziehungen 1974.
Fast ein Vierteljahrhundert nach Calmy-Rey
Ganz neu ist die Schweizer Präsenz nicht: Ab 1997 betrieb Deza in Pjöngjang ein Büro für humanitäre Projekte. Während der Corona-Pandemie zog die Schweiz 2020 ihr Personal ab.
Die Schweiz gehört laut EDA zu den wenigen westlichen Staaten, die seit 2003 einen politischen Dialog mit Nordkorea führen. Seit 1953 überwachen Schweizer Offiziere zudem an der innerkoreanischen Grenze den Waffenstillstand. Und Kim Jong Un ging in den 1990er-Jahren unter falschem Namen in Bern zur Schule.
Der letzte Besuch eines Bundesrats liegt über 20 Jahre zurück: Im Mai 2003 reiste die damalige Aussenministerin Micheline Calmy-Rey (81) nach Pjöngjang. Es war der erste Besuch eines Bundesratsmitglieds seit der Aufnahme diplomatischer Beziehungen 1974.
Eine Lockerung der Sanktionen bedeutet die Reise nicht. Die Schweiz trägt die Uno-Sanktionen gegen Nordkorea mit.
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