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Friday, September 11, 2026

Huthi kontrollieren Meerenge – wird jetzt Benzin noch knapper?

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  • Die Huthi-Miliz hat die Kontrolle über die Meerenge Bab al-Mandab übernommen.
  • Zusammen mit der blockierten Strasse von Hormus drohen längere Umwege für Öltanker von 10 bis 14 Tagen.
  • Rohöl der Sorte Brent liegt seit Jahresbeginn fast 80 Prozent im Plus, für die Schweiz warnen Experten vor höheren Preisen und Lieferengpässen.

Nach der Strasse von Hormus im Persischen Golf rückt eine weitere für den Welthandel zentrale Schifffahrtsroute in den Fokus: In den vergangenen Tagen kam es rund um die Meerenge Bab al-Mandab, die das Rote Meer mit dem Indischen Ozean verbindet, zu heftigen Gefechten. Am Freitag übernahm die vom Iran unterstützte Huthi-Miliz die Kontrolle über die Meerenge.

Wird das Öl jetzt noch knapper? Diese und weitere wichtige Fragen beantworten wir hier.

Wie wichtig sind Bab al-Mandab und Hormus fürs Öl?

Die Strasse von Hormus ist insbesondere für den Handel mit Öl und Flüssigerdgas von grosser Bedeutung. Sie verbindet den rohstoffreichen Persischen Golf mit dem Indischen Ozean.

Bab al-Mandab am südlichen Ende des Roten Meeres ist für den Welthandel noch breiter relevant: Die Meerenge liegt auf dem kürzesten Schifffahrtsweg zwischen Europa und Asien und ist deshalb für den Waren- und Rohstoffverkehr von grosser Bedeutung.

Wie stark ist der Schiffsverkehr aktuell zurückgegangen?

Mit dem Vormarsch der mit dem Iran verbündeten Huthi-Rebellen im Jemen nimmt der Schiffsverkehr im Roten Meer ab. Nach Angaben des Datenanalyseunternehmens Kpler passierten zuletzt durchschnittlich 37 Schiffe pro Tag die Meerenge Bab al-Mandab. Mitte Juli waren es noch knapp 47.

An einzelnen Tagen fällt der Unterschied noch deutlicher aus: Am 15. Juli durchquerten 52 Schiffe die Meerenge, am Donnerstag waren es laut Kpler nur noch 37.

Ist bereits weniger Öl verfügbar – oder nimmt es nur andere Wege?

Der Iran-Krieg hat die verfügbaren Öl- und Gasmengen auf dem Weltmarkt bereits deutlich verknappt. Dafür gibt es mehrere Gründe:

  • Die Strasse von Hormus ist faktisch blockiert, wodurch Öl- und Gastransporte aus der Golfregion beeinträchtigt werden.
  • Der Iran greift Energieinfrastruktur in den Golfstaaten an.
  • Raffinerien in den Golfstaaten wurden beschädigt.

Es geht somit nicht nur darum, dass Öl auf anderen oder längeren Routen transportiert werden muss. Auch das verfügbare Angebot ist bereits beeinträchtigt.

Können Tanker Bab al-Mandab umfahren?

Ja, allerdings nur mit einem erheblichen Umweg. Bereits wegen der bisherigen Huthi-Angriffe wurden Schiffe zu Kursänderungen gezwungen. Fallen sowohl die Strasse von Hormus als auch Bab al-Mandab als Routen aus, müssen betroffene Tanker auf deutlich längere Wege ausweichen.

Welchen Weg nehmen Tanker, wenn Hormus und Bab al-Mandab gleichzeitig stärker ausfallen?

Die Schiffe müssen den afrikanischen Kontinent umfahren. Je nach Start- und Zielhafen kann sich die Reise dadurch um 10 bis 14 Tage oder noch länger verlängern. Das führt zu deutlich höheren Treibstoff- und Transportkosten.

Weniger Schiffe, längere Transportwege und steigende Kosten: Die Lage bei Bab al-Mandab könnte den Preisdruck weiter verschärfen. (Symbolbild)

Weniger Schiffe, längere Transportwege und steigende Kosten: Die Lage bei Bab al-Mandab könnte den Preisdruck weiter verschärfen. (Symbolbild)Indische Marine

Drohen dadurch höhere Öl-, Benzin- und Heizölpreise?

Der Preisdruck ist bereits deutlich zu spüren. Rohöl der Referenzsorte Brent liegt seit Jahresbeginn fast 80 Prozent im Plus und erreichte zuletzt zeitweise fast 110 Dollar pro Barrel.

Auch bei den Treibstoffen zeigen sich die Folgen: Raffinerieprodukte wie Diesel haben sich noch stärker verteuert. In den USA erreichte Diesel erstmals einen Durchschnittspreis von sechs Dollar pro Gallone. Gleichzeitig sind die Frachtraten für Öltanker stark gestiegen.

Weiterer Preisdruck ist möglich. Analysten rechnen nicht mit einer schnellen Waffenruhe oder einer baldigen Normalisierung der Energieflüsse aus dem Nahen Osten.

Was bedeutet das konkret für die Schweiz?

Bereits im April hatte Militärökonom Marcus Keupp im Interview mit 20 Minuten erklärt, was auf die Schweiz zukommen könnte, sollten die Seewege durch die Strasse von Hormus und Bab al-Mandab gleichzeitig geschlossen werden: höhere Preise, Lieferengpässe und möglicherweise Knappheiten.

Konkret könnte das folgende Folgen haben:

  • Höhere Ölpreise: Eine Blockade könnte den Ölpreis weiter nach oben treiben.
  • Teurere und schlechter verfügbare Waren: Produkte wie Elektronikartikel oder Geschirr könnten teurer werden oder zeitweise nicht sofort erhältlich sein.
  • Probleme für die Industrie: Über die Meerenge wird viel Schwefel transportiert. Dieser wird unter anderem für die Herstellung von Dünger, Chemikalien, Gummi und Reifen benötigt. Ein Engpass könnte deshalb zahlreiche Produktionsketten beeinträchtigen.

Mit Material von DPA und AFP

Karin Leuthold

Karin Leuthold (kle), Jahrgang 1968, arbeitet seit 2005 für 20 Minuten und ist derzeit am Newsdesk tätig.

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