Sorge um Munitionsbestand wächst: Irans neu Angriffsmethode "frisst" US-Abwehrraketen auf

Sorge um Munitionsbestand wächstIrans neu Angriffsmethode "frisst" US-Abwehrraketen auf
16.09.2026, 09:47 Uhr

Das US-Militär ist das stärkste weltweit - zweifellos. Aber, auch das Pentagon kann an Grenzen stoßen, und tut dies im Krieg mit dem Iran ganz offenbar. Seine Bestände schwinden dahin, was auch an einer neuen Methode des Irans liegt. Probleme bereitet die nicht nur Washington.
Das US-Militär soll in den vergangenen Wochen zwischen 60 und 70 hochmoderne Patriot-Flugabwehrraketen eingesetzt haben, um einen iranischen Raketenangriff auf einen Stützpunkt in Jordanien abzuwehren. Das berichten mit der Angelegenheit vertraute US-Beamte dem "Wall Street Journal" (WSJ). Die genaue Zahl der abgefeuerten Raketen ist unklar, sie könnte sogar noch höher liegen, heißt es. Zudem hätten die US-Streitkräfte mehr als ein Dutzend THAAD-Raketen abgefeuert. Ein erheblicher Aufwand, denn der Iran habe den US-Stützpunkt Muwaffaq Salti in Jordanien dem Bericht zufolge "nur" mit etwa 20 ballistischen Raketen angegriffen. Stimmen die Angaben, hat das US-Militär etwa die vierfache Menge an Abwehrraketen benötigt, die der Iran für seinen Angriff nutzte. Zahlen, die die Sorgen um schrumpfende US-Munitionsbestände weiter nähren.
Dazu kommt laut "Wall Street Journal", dass die USA diese Zahl an Raketen im Krieg mit dem Iran davor etwa binnen einer Woche abfeuerten. Nun taten sie dies bei einem einzigen Angriff Teherans. Das liege unter anderem daran, dass der Iran seine Angriffe umgestellt habe. Mittlerweile verwende er Sprengköpfe, die sich kurz vor Erreichen ihres Ziels in zahlreiche Projektile aufteilen. Die Abwehr aller Projektile erfordert somit deutlich mehr Flugabwehrraketen. Und das gelingt trotz des hohen Aufwands eben nicht immer. Laut der Zeitung kamen bei dem iranischen Angriff auf den US-Stützpunkt zwar keine Soldaten zu Schaden, allerdings seien etwa Kampfflugzeuge getroffen worden, wie ein Beamter der Zeitung erklärt.
Die mathematische Verschiebung zugunsten des Iran habe neben der Verwendung anderer Sprengköpfe auch mit unterschiedlichen Raketentypen und veränderten Flugbahnen zu tun, heißt es weiter. Zudem sollen chinesische Unternehmen Teheran hochauflösende Satellitenbilder der US-Basis in Jordanien zur Verfügung gestellt haben, sagen US-Beamte. China bestreitet dies und fordert Belege der US-Regierung für den Vorwurf. Fabian Hinz, Experte für die iranischen Raketenstreitkräfte bei Conflict Armament Research, sagte dem "Wall Street Journal": "Diese Art neuer Taktiken, die wir beobachten, zeigen, dass sich die Iraner weiterhin anpassen, weiter lernen, weiter experimentieren und herausfinden, was funktioniert und was nicht".
Bereits 18 tote US-Soldaten
Da das US-Militär weitere tote US-Soldaten um jeden Preis verhindern will, muss es weiterhin hohe Anstrengungen leisten, um iranischen Angriffe möglichst umfänglich abzuwehren. Bei einem früheren Angriff auf die jordanische US-Basis starben drei US-Soldaten. Insgesamt sind seit der ersten Angriffe Ende Februar 18 US-Soldaten getötet und etwa 750 verletzt worden.
Sollte das Verhältnis zwischen iranischen Angriffsraketen und amerikanischen Abwehrraketen weiterhin derart schlecht ausfallen, wird die Sorge um schrumpfende US-Munitionsbestände wachsen. Zwar erklärten sowohl Pentagon-Sprecher Sean Parnell als auch US-Präsident Donald Trump zuletzt gebetsmühlenartig, dass derart lautende Berichte falsch seien. Der aktuelle Bericht des Generalinspekteurs des Verteidigungsministeriums lässt jedoch Zweifel an ihren Beteuerungen aufkommen. Seinen Worten zufolge habe der Krieg "zu strategischen Bestandsengpässen geführt und Engpässe in der industriellen Basis für die Nachlieferung von Munition offenbart".
"Das war von Anfang an das Ziel des Iran"
Trump versuchte solcherlei Berichte stets damit zu kontern, dass die Produktion von Raketen in den USA hochgefahren werden würde. Lockheed Martin, der Hersteller der "Patriot"-Raketen, produzierte im Jahr 2025 etwa 620 Abfangraketen. Das war bereits ein Rekordwert. Das neu gesetzte Ziel ist, jährlich rund 2000 Stück herzustellen. Wann es so weit sein soll, ist allerdings offen. Zudem ist die Frage, ob dies ausreicht. In einem früheren Bericht des "Wall Street Journal" hatte es geheißen, die USA hätten zwischen Ende Februar und Mitte Juli 1700 "Patriot"-Raketen, mehr als 200 THAAD-Raketen und etwa 150 Standard-Raketen im Nahen Osten abgefeuert, um iranischen Raketen und Drohnen abzuwehren. Der Zeitraum umfasst demnach etwa viereinhalb Monate. Hochgerechnet würde eine Jahresproduktion von 2000 "Patriot"-Raketen also nicht im Ansatz ausreichen, um einen solchen Krieg längerfristig durchzustehen.
Hamidreza Azizi, leitender Iran-Analyst bei der International Crisis Group, einem in Brüssel ansässigen Thinktank, sagte dem "Wall Street Journal": "Das war von Anfang an das Ziel des Iran: die Präsenz der USA in der Region unhaltbar und kostspielig zu machen". Der Angriff auf den US-Stützpunkt in Jordanien habe demnach gezeigt, dass das Land nicht mehr so sicher wie früher ist.
Zudem ist fraglich, wie sich andere Staaten im Nahen Osten gegen iranische Angriffe schützen sollen, wenn das US-Militär Abwehrraketen vor allem für sich selbst benötigt. Bitten um die Lieferung weiterer Raketen, haben die USA nicht immer bedient, so das WSJ. In den Vereinigten Arabischen Emiraten habe Israel mit seinem "Iron Dome"-System ausgeholfen. Eine Lösung für alle Staaten der Region ist das gleichwohl nicht.
Zudem bittet die Ukraine seit Jahren um die Lieferung von deutlich mehr "Patriot"-Raketen, um die ständigen russischen Angriffe abwehren zu können. Kiew erbat zudem die Erlaubnis des US-Präsidenten, die Raketen selbst produzieren zu können. Trump erteilte die zunächst, wich eindeutigen Aussagen dazu aber später aus. Und dann ist unklar, inwiefern die USA Taiwan unterstützen könnten, sollte China tatsächlich seinen Plan in die Tat umsetzen und das Land angreifen.
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