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Sunday, October 11, 2026

Arbeitslosigkeit in der ICT – IT-Projektleiter backt jetzt Pizza

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In einer Garage in der Industrie Murtens hat sich Karl Moser seine Pizzeria eingerichtet. Hier backt der 63‑Jährige Pizza Napoli, mit Leidenschaft, wie er sagt.

Aber die Idee ist auch aus der Not geboren: Seit eineinhalb Jahren ist der frühere IT-Projektleiter arbeitslos, seit fünf Monaten bekommt er nun auch kein Arbeitslosengeld mehr. Für Moser war klar: «Ich bin noch zu fit, um mich jetzt einfach irgendwo hinzusetzen und zu warten, bis der Tag vergeht.»

Mosers Pizzeria in der Garage

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  • Bild 1 von 4. Die Webseite für die Pizza-Bestellungen ist KI gestützt und von Karl Moser selbst programmiert. Bildquelle: SRF/Meuli Nora.

    Person in weissem T-Shirt und Mütze steht vor zwei Computerbildschirmen.
  • Bild 2 von 4. Die Pizzeria ist ein Ein-Mann-Betrieb: Moser macht den Teig, die Sauce, nimmt Bestellungen entgegen, backt die Pizza und fährt sie aus. Bildquelle: SRF/Meuli Nora.

  • Bild 3 von 4. Vor 30 Jahren hat Moser in Südspanien eine Bar geführt und dort Pizzen verkauft. Bildquelle: SRF/Meuli Nora.

  • Bild 4 von 4. Moser ist stolz auf seine Pizzen, aber eigentlich würde er lieber wieder als IT-Projektleiter arbeiten. Bildquelle: SRF/Meuli Nora.

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Doch trotz intensiver Suche habe er auf Bewerbungen in der IT kaum Rückmeldungen erhalten. «Ab einem gewissen Alter ist der Bewerbungsprozess blockiert», sagt Moser. Darum habe er in seine Selbstständigkeit investiert. Mit Pizzen habe er schon mal richtig gut verdient: Vor 30 Jahren habe er Pizzen in seiner Bar in Südspanien verkauft. Doch in Murten läufts noch nicht wie erhofft.

Ohne Lohn wird's schnell existenziell

«Die Aufbauphase ist immer schwer», sagt Moser. Aufgeben sei keine Option. Aber einfach sei es nicht. Seit er keinen Lohn mehr bekommt, muss sich auch seine Familie anpassen. «Ich habe sehr gut verdient und auch meine Familie hat sich an diesen Lebensstandard gewöhnt.»

Karl Moser ist kein Einzelfall. Ältere Arbeitslose haben es generell schwer, wieder einzusteigen – in der ICT-Branche ganz besonders. Caro Gigghi von der Gewerkschaft Syndicom erklärt: «In der ICT-Branche ist Tempo gefragt.» Wissen sei in der ICT-Branche noch schneller überholt als in anderen. Das habe sich mit der künstlichen Intelligenz nochmal verstärkt.

Mittlerweile liegt die Arbeitslosenquote in der ICT-Branche über dem Schweizer Durchschnitt. Aber es gibt grosse Unterschiede: Ganze Jobprofile verschwinden, aber es entstehen auch neue, sagt die Gewerkschafterin: «Wir fordern darum von den Betrieben, die Leute umzuschulen.» Die Betriebe sollten auch dafür bezahlen.

IT ist heute vor allem Teamarbeit

Das sei eine geteilte Verantwortung der Unternehmen und der Mitarbeitenden, sagt Urs Gurtner vom Branchenverband Swiss-ICT: «Auch die Arbeitnehmenden haben die Pflicht, ihr Wissen à jour zu halten und sich zu bemühen.» Insbesondere den Umgang mit künstlicher Intelligenz erlerne man bei der täglichen Arbeit und im Austausch miteinander, das brauche Zeit, nicht primär Kurse.

Ich glaube wir könnten noch viel bringen, wenn sie uns nehmen würden.

Aber KI sei nicht der einzige Umbruch in der Branche: Heute werde viel mehr in agilen Teams gearbeitet als noch vor ein paar Jahren, da seien vor allem gute Kommunikatorinnen und Kommunikatoren gefragt. Der geniale Tüftler in der Garage dagegen weniger.

Ältere Arbeitnehmende sind nicht gefragt

Karl Moser hat sich vieles selbst beigebracht, zu seiner Zeit gab es noch kein Informatikstudium. «Das war nie ein Problem», sagt Moser. Er werde wegen seines Alters nicht mehr berücksichtigt, da ist sich Moser sicher. Eine Personalverantwortliche habe ihm das bestätigt: Ab 55 würden sie niemanden mehr einladen.

Moser findet es schade, dass die grosse Erfahrung älterer Arbeitnehmender nicht mehr geschätzt werde: «Ich glaube, wir könnten noch viel bringen, wenn sie uns nehmen würden.»

Auch Urs Gurtner anerkennt den Wert von Erfahrung und Treue. Er sagt: «In der Branche findet gerade ein Umdenken statt.»

Für Moser kommt dieses Umdenken wohl zu spät. Aufgeben ist für ihn aber keine Option: «Ich habe in meinem Leben schon viele Krisen bewältigt, da muss ich jetzt durch und ich werde es schaffen.» Mittlerweile ist auch die Pizza fertig.

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