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Monday, August 17, 2026

Lohnherbst – Gewerkschaften fordern zwei Prozent mehr Lohn

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Seit zehn Jahren stagnieren die Löhne. Doch im letzten Jahr sind sie real wieder um 1.6 Prozent gestiegen. Geht es nach dem Gewerkschaftsdachverband Travail Suisse, sollen die Löhne künftig wieder stärker steigen.

Nora Meuli

Wirtschaftsredaktorin Radio SRF

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Nora Meuli hat an der Universität Bern Volkswirtschaft und Soziologie studiert. Seit Mai 2022 arbeitet sie bei Radio SRF. Zuvor hat sie fünf Jahre an der Fachhochschule Nordwestschweiz zu Arbeitsmarkt und Alter geforscht.

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Wieso fordert der Gewerkschaftsdachverband zwei Prozent mehr Lohn?

Die Gewerkschaften argumentieren mit der Teuerung, den Produktivitätsgewinnen der Unternehmen und den stagnierenden Löhnen: Die Lebenshaltungskosten steigen, entsprechend müssten die Löhne erhöht werden, um die Kaufkraft zu sichern. Zudem verdienten die Arbeitnehmenden «endlich wieder eine anständige Beteiligung an den höheren Einnahmen der Unternehmen». Denn die Produktivität der Unternehmen sei gestiegen. Die finanzielle Belastung der Haushalte habe stark zugenommen, auch wegen höherer Krankenkassenprämien. Viele Menschen könnten sich kein Hobby mehr leisten, und immer mehr Personen verschuldeten sich.

Welche Branchen sind besonders unter Druck?

Besonders das Gesundheitswesen. Die Gewerkschaft Syna fordert in dieser Branche fünf bis sechs Prozent mehr Lohn. Viele Arbeitgebende hätten Lohnverbesserungen mit dem Hinweis zurückgestellt, dass die Umsetzung der Pflege-Initiative zusätzliche Kosten verursachen werde. Aber die Umsetzung werde die Gesundheitsbetriebe nicht so stark belasten, wie ursprünglich befürchtet, so die Gewerkschaften. Nun erhöht die Gewerkschaft Syna den Druck: Im Kanton Jura hat sie eine Volksinitiative eingereicht. Damit sollen mehr Stellen in der Pflege geschaffen und die Löhne um vier Prozent erhöht werden. Die Gewerkschaft droht auch in anderen Kantonen mit Volksinitiativen, wenn sich nichts ändere.

In welchen Branchen läuft die Zusammenarbeit gut?

Im Bauhauptgewerbe werden die Löhne seit Anfang Jahr automatisch erhöht: Sie werden die nächsten fünf Jahre jährlich mindestens der Teuerung angepasst. Auch in der Holzindustrie und bei der Gebäudehüllen-Branche funktioniert die Zusammenarbeit mit den Arbeitgebenden laut Gewerkschaften gut. Im Detailhandel sei die Lohnentwicklung der letzten Jahre zwar insgesamt schwach gewesen, aber auch da zeige sich: Wo die Gewerkschaften mit den Arbeitgebenden zusammenarbeiteten, sei dies konstruktiv.

Wie reagieren die Arbeitgebenden auf die Forderungen von Travail Suisse?

Mit einem Artikel auf ihrer Website. Darin kritisiert der Verband die «altbekannten Behauptungen» der Gewerkschaften. Die Unternehmen würden sehr wohl einen hohen Anteil der Produktivitätsgewinne an die Arbeitnehmenden weitergeben, mehr als in allen anderen europäischen Ländern. Und auch die Belastung durch die Krankenkassenprämien sei für einen durchschnittlichen Haushalt durchaus tragbar. Insgesamt geht der Arbeitgeberverband für 2027 von einer durchschnittlichen nominalen Lohnerhöhung von einem Prozent aus.

Drei Personen sitzen an einem Tisch während einer Medienkonferenz.
Legende: Die Löhne sollen im kommenden Jahr wieder stärker steigen, fordert der Gewerkschaftsdachverband Travail Suisse. Vor den Medien sprachen Yvonne Feri, Präsidentin Syna; Thomas Bauer, Leiter Wirtschaftspolitik Travail Suisse und Nationalrätin Greta Gysin (Grüne/TI), Präsidentin Transfair. zvg Travail Suisse

Werden sich die Gewerkschaften und die Arbeitgeber finden?

Die Hauptstreitpunkte bleiben politischer Natur: Die Arbeitgeber sagen, die Unternehmen würden die Löhne grosszügig erhöhen. Die Gewerkschaften dagegen finden, die Arbeitnehmenden profitierten zu wenig von den Produktivitätsgewinnen. Auch bei der Frage, wie die Löhne steigen sollen, gehen die Meinungen auseinander. Die Arbeitgeber wollen vor allem die Löhne leistungsstarker Mitarbeitender erhöhen. Die Gewerkschaften fordern dagegen generelle Lohnerhöhungen. Trotz dieses politischen Seilziehens arbeiten Arbeitgeber und Gewerkschaften in vielen Branchen gut zusammen. Wie gut, zeigt sich in den verschiedenen Branchen.

Prognose der ETH Zürich: 1.2 Prozent höhere Löhne

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Die Konjunktur­forschungs­stelle KOF der ETH Zürich fragt jährlich 8000 Unternehmen nach ihren Lohnerwartungen für das kommende Jahr, 3500 Betriebe haben auf die Frage geantwortet:

Die KOF rechnet für 2027 mit einem Lohnwachstum von rund 1.2 Prozent. Für die Kaufkraft entscheidend ist aber das reale Lohnwachstum: Die KOF geht von einer Teuerung von 0.5 Prozent aus. Damit würden die Löhne real um 0.7 Prozent steigen.

Die befragten Betriebe gehen aber von einer viel höheren Teuerung von 1.1 Prozent aus. Damit würden die Lohnerhöhungen gerade ausreichen, um die Preissteigerungen auszugleichen. Das heisst: Die Löhne würden real stagnieren und damit auch die Kaufkraft.

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