Wahlen in der Waadt – Valérie Dittlis erneute Kandidatur grenzt an Starrsinn

Valérie Dittli gibt nicht auf. Sie will noch einmal für die Regierung des Kantons Waadt kandidieren – allenfalls sogar ohne die Unterstützung ihrer Partei. Das hat sie in der Zeitung «Le Matin Dimanche» verkündet. Das ist hartnäckig und forsch – so wie man die Mitte-Politikerin kennt.
Die Zugerin hat vor vier Jahren völlig überraschend einen Sitz in der Waadtländer Regierung gewonnen. Sie hat eine fragwürdige Steuerpraxis, die den Kanton Millionen gekostet hat, infrage gestellt. Sie ist dabei auf viele Zehen getreten. Und sie hat dabei möglicherweise Gesetze verletzt. Das ist Gegenstand von Strafverfahren.
Bei vielen in Ungnade gefallen
Von David gegen Goliath spricht die Mitte-Politikerin, wenn sie jetzt trotz allem noch einmal antritt. Ob Dittli wie der biblische David Gott auf ihrer Seite hat, muss hier offenbleiben. Sicher ist: Die 33-Jährige hat nach wie vor eine treue Anhängerschaft, die sie schätzt für die Hartnäckigkeit, mit der sie die Waadtländer Politik aufmischt.
Aber Dittli hat es sich in ihrer ersten Amtszeit auch mit vielen verscherzt. Zwei Strafverfahren laufen gegen sie. In der Waadtländer Regierung ist sie isoliert. Ihre einstigen Verbündeten, die FDP und die SVP, wollen nicht mehr mit ihr in den Wahlkampf ziehen. Und sogar das Präsidium ihrer eigenen Kantonspartei kommt zum Schluss, man wäre besser dran ohne ihre Kandidatur.
Selbst schuld – aber nicht nur
Dass es so weit gekommen ist, liegt auch an Dittlis Forschheit. So hat sie sich mit Spitzenleuten ihrer Verwaltung verkracht, weil sie mutmasslich ihre Kompetenzen überschritten hat. Sie hat sich mit ihren Regierungskollegen und -kolleginnen überworfen, weil sie nicht genügend offen kommunizierte.
Es liegt aber auch daran, wie der Rest der Kantonsregierung mit Dittli umgesprungen ist. Das begann schon bei der Ämterverteilung vor vier Jahren: Dittli, damals erst 29, ohne relevante politische oder berufliche Erfahrung, musste mit den Finanzen das vielleicht schwierigste Department übernehmen. Und als es dann zu Konflikten innerhalb der Steuerbehörde kam, halfen ihr die Regierungskolleginnen nicht. Sie liessen sie fallen, entzogen ihr das Finanzdepartement. Das wirkte zeitweise wie Mobbing.
Stärke und Schwäche zugleich
Wenn Dittli nun trotz allem noch einmal kandidieren will, zeigt das ihre Stärke und ihre Schwäche. Ihre Hartnäckigkeit und ihre manchmal übertriebene Forschheit.
Anfang September wird sich zeigen, ob sie damit die Basis ihrer Partei überzeugen kann. Dann entscheiden die Delegierten der Waadtländer Mitte, ob sie Dittli weiter unterstützen oder nicht.
Valérie Dittli, auch das hat sie heute klar gemacht, würde gegebenenfalls auch ohne Partei antreten, als unabhängige Kandidatin. Das ist ihr gutes Recht. Aber es fragt sich, wann Hartnäckigkeit in Starrsinn kippt.
Roman Fillinger
Westschweiz-Korrespondent
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Roman Fillinger berichtet seit 2024 für Radio SRF über die Romandie. Zuvor war er während sechs Jahren als Osteuropa-Korrespondent in Warschau stationiert. Von 2007 bis 2018 arbeitete er in verschiedenen Funktionen beim «Echo der Zeit», unter anderem als Moderator und stellvertretender Redaktionsleiter.
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