China-Ware kommt jetzt über die «Eis-Seidenstrasse» nach Europa

- Die chinesische Reederei Sea Legend hat diese Woche den ersten regelmässigen Container-Liniendienst durch die Arktis in Betrieb genommen.
- Die sogenannte «Eis-Seidenstrasse» halbiert die Fahrzeit: Statt 40 Tage über den Suezkanal brauchen Schiffe nur noch 20 Tage nach Europa.
- Hintergrund ist die Suche nach konfliktfreien Routen, da Huthi-Angriffe und der Iran-Krieg klassische Schifffahrtswege blockieren.
Der Iran-Krieg sorgt für Schiffahrtsengpässe. Neben der Strasse von Hormus stockt es auch in der Meerenge von Bab al-Mandab, wo die Huthis zuletzt wieder Tanker angegriffen haben. Chinas Reedereien nutzen jetzt wegen der Schifffahrtsengpässe eine konfliktfreie Alternativroute.
Diese Woche nahm die chinesische Reederei Sea Legend den ersten regelmässigen Container-Liniendienst durch die Arktis in Betrieb, wie die «Financial Times» berichtet. Die Reederei spricht von der neuen «Eis-Seidenstrasse» in Anlehnung an die Seidenstrasse (das Handelsnetz, das ab dem 2. Jahrhundert vor Christus China und Europa verband).
Im Sommer schmilzt das Polareis weit genug nach Süden, sodass Schiffe ohne Unterstützung von Eisbrechern die Arktis durchqueren können. Dadurch bietet sich ein grosser Vorteil. Die Containerschiffe brauchen von China nach Europa nur noch halb so lange wie auf den traditionellen Seewegen.
Üblicherweise dauert die Fahrt von Häfen in China nach Europa etwa 40 Tage.

Über die Arktis brauchen die Schiffe je nach den Bedingungen vor Ort nur 20 Tage.

Erstmals entsandte die dänische Reederei Maersk vor acht Jahren ein Containerschiff auf die Arktisroute zwischen Wladiwostok und St. Petersburg. Doch Maersk verpflichtete sich wie viele andere europäische Unternehmen, die Route nicht mehr zu nutzen. Offizieller Grund ist die Angst, mit der Durchfahrt das empfindliche arktische Ökosystem zu schädigen.
Das arktische Meereseis ging in der winterlichen Spitzenzeit zwischen 2024 und 2025 um 5,8 Prozent zurück. Das ist laut einer Studie von Forschern der Universität Southampton der grösste Rückgang seit Beginn der Aufzeichnungen. «Die Auswirkungen der globalen Erwärmung in der Arktis sind geradezu erschütternd», zitiert die Zeitung den ehemaligen kanadischen Umweltminister Steven Guilbeault.
Ein weiterer Grund sei die schlechte Beziehung zu Russland, sagt Malte Humpert, Experte für Arktisschifffahrt, bei «High North News», einer von der norwegischen Nord University betriebenen Plattform. Denn auch bei der Nordostpassage gibt es geopolitische Rivalitäten. Für die Route entlang der nordrussischen Küste erteilt der russische Konzern Rosatom die Genehmigungen in 28 Abschnitten.
«Deutlicher Anstieg des Schiffsverkehrs durch die Arktis»
Bei Chinas Reedereien gibt es hingegen eine grosse Nachfrage. Im Sommer des vergangenen Jahres gab es bereits 23 Durchfahrten durch die Nordostpassage. Im Sommer 2024 waren es erst 15. «Es gab einen deutlichen Anstieg des Schiffsverkehrs durch die Arktis und die Nordostpassage», sagte Rahul Khanna, der globale Leiter der Marine-Risikoberatung bei der Allianz-Versicherung, zur Zeitung.
Das Interesse an der Nutzung der Arktis für die Schifffahrt zeigt sich auch in einem Anstieg der Bestellungen für eisgängige Schiffe. Im vergangenen Jahr wurden 167 solcher Schiffe gebaut – so viele wie seit mehr als einem Jahrzehnt nicht mehr. In diesem Jahr sollen laut dem Schifffahrtsdatenunternehmen Veson Nautical weitere 164 Schiffe gebaut werden.
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Die Arktis stellt Seefahrer allerdings immer noch vor grosse Herausforderungen. Sie brauchen Erfahrung in der Navigation durch Eisfelder und müssen dafür oft ohne GPS auskommen, das so weit im Norden ausfallen kann. «Es besteht immer das Risiko von Ölunfällen oder Umweltverschmutzung, und man ist weit entfernt von Such- und Rettungsdiensten», sagt Humpert zur Zeitung. Man könne aber auch argumentieren, dass man durch die Wahl der kürzeren Route CO₂-Emissionen reduziere.
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Fabian Pöschl (fpo) arbeitet seit 2020 für 20 Minuten. Er ist Verantwortlicher Wirtschaftsnews im Ressort Wirtschaft
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