Wasserknappheit – So teilt die Schweiz das Wasser mit den Nachbarländern

Der aktuelle Streit um den Lago Maggiore zeigt, wie unterschiedlich die Interessen entlang eines Gewässers ausfallen können. Wasser wird dort zur politischen Frage, wo Flüsse und Seen mehrere Staaten verbinden.
Der ungelöste Fall Lago Maggiore
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Italien möchte den Pegel des Sees anheben, um die Landwirtschaft in der Po-Ebene mit Wasser zu versorgen. Im Tessin hingegen bestehen Sorgen vor Überschwemmungen im Raum Locarno.
In diesem Jahr bat die Region Piemont das Tessin, zusätzliche Wassermengen in den Lago Maggiore abzugeben, dessen Pegel seit Längerem sehr tief ist. Die Tessiner Regierung lehnte dies jedoch ab und verwies auf die angespannte Wassersituation im eigenen Kanton.
Die Schweiz spielt dabei eine besondere Rolle. Als Wasserschloss Europas speist sie zahlreiche Gewässer, die weit über die Landesgrenzen hinausfliessen. Entsprechend können Entscheidungen in der Schweiz auch Auswirkungen auf Nachbarstaaten haben.
Wer hat bei Wassermangel Vorrang?
Solche Konflikte werfen eine grundsätzliche Frage auf: Welche Nutzung hat Vorrang, wenn Wasser knapp wird?
«Die Prioritäten richten sich nach den sicherheitsrelevantesten Bedürfnissen», sagt Christian Bréthaut gegenüber dem Radio und Fernsehen für die italienische Schweiz, RSI. Er ist Professor für Wasserpolitik an der Universität Genf.
«Die Trinkwasserversorgung ist der Eckpfeiler. Wasser ist ein grundlegendes Menschenrecht. Danach folgen die Ernährungs- und die Energiesicherheit.» Ein Problem sei jedoch, dass noch immer präzise Daten über den tatsächlichen Wasserverbrauch in den verschiedenen Bereichen fehlen. «Wir müssen diese Bedürfnisse besser verstehen, um entscheiden zu können, wann und wie Prioritäten gesetzt werden sollen», so der Experte.
Wann muss der Bund eingreifen?
Neben der Verteilung des Wassers stellt sich auch die Frage, wer bei grenzüberschreitenden Konflikten überhaupt zuständig ist.
Laut Christian Bréthaut, Professor für Wasserpolitik an der Universität Genf, ist der Schweizer Föderalismus eine Stärke. Er habe aber auch seine Grenzen: «Unser Föderalismus und das Subsidiaritätsprinzip bedeuten, dass die Kantone bei der Bewältigung solcher Krisen an vorderster Front stehen. Sie kennen die Herausforderungen und die Mechanismen der guten Nachbarschaft besser als alle anderen», erklärt der Experte gegenüber RSI.
Wasserforscher fordert mehr Engagement des Bundes
Er betont jedoch, dass Bern eingreifen müsse, wenn lokale Spannungen zu diplomatischen Fragen werden. «Diese Fragen gelangen schnell in die höchsten politischen Ebenen. Der Bund muss sich dafür einsetzen, die kantonalen Behörden in den Gesprächen mit den Nachbarstaaten zu unterstützen.»
Wo die Zusammenarbeit bereits geregelt ist
Für viele grenzüberschreitende Flüsse und Seen bestehen bereits Vereinbarungen: «Rhein, Donau und Bodensee sind sehr gut geregelt und geradezu beispielhaft für die grenzüberschreitende Wasserbewirtschaftung», sagt Christian Bréthaut.
Für diese Gewässer bestehen gemeinsame Kommissionen und festgelegte Verfahren, etwa für den Umgang mit Hochwasser, Trockenheit oder Fragen der Wasserqualität. «Mit solchen Vereinbarungen lassen sich Spannungen antizipieren, die sich durch den Klimawandel verschärfen», so der Experte.
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