Risiko für ältere Menschen – Pflegeheime kontrollieren erst seit Kurzem auf Legionellen

Das Risiko, an Legionellose zu erkranken, nimmt mit dem Alter deutlich zu. Dennoch stellte ein nationaler Bericht im vergangenen Jahr bei Schweizer Pflegeheimen deutliche Defizite fest: Die Hälfte der kontrollierten Heime verfügte über ein unzureichendes Selbstkontrollsystem, und bei fast einem Viertel der Einrichtungen wurde der maximal zulässige Legionellengrenzwert überschritten.
Die Gebäude, in denen sich Pflegeheime befinden, sind oft sehr gross und verfügen über zahlreiche Wasserleitungen. Wie häufig diese genutzt werden, hängt unter anderem davon ab, ob die einzelnen Zimmer belegt sind oder nicht.
In den Genfer Einrichtungen wurde ein strenges Protokoll eingeführt, um zu verhindern, dass Wasser in den Leitungen stehen bleibt und sich Legionellen vermehren.
«Das Warmwasser wird auf einer Temperatur zwischen 55 und 60 Grad gehalten. Ausserdem wird in diesen Warmwasserspeichern jede Woche eine thermische Desinfektion durchgeführt», erklärt Jean-Michel Pasquier, technischer Leiter der Maison de Vessy, eines Pflegeheims am Stadtrand von Genf, gegenüber dem Westschweizer Fernsehen RTS. «Dabei erhitzen wir das Wasser auf 80 Grad, wodurch die Bakterien abgetötet werden. Zusätzlich werden die Anlagen alle fünf Jahre entkalkt, um Ablagerungen zu vermeiden.»
Stichproben würden in den am weitesten entfernten Zimmern durchgeführt, um zwei Dinge sicherzustellen: «Erstens, dass das Wasser mit der richtigen Temperatur ankommt, und zweitens, dass in den langen Leitungen kein Wasser stehen bleibt», erklärt Raoul Schrumpf, Generaldirektor des Maison de Vessy. Die Einrichtung besteht aus vier separaten Gebäuden – entsprechend gebe es dort «kilometerlange Rohrleitungen».
Zwei Formen der Erkrankung
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Legionellen können zwei verschiedene Krankheitsformen verursachen. Die schwere Form ist die Legionärskrankheit. Sie tritt zwei bis zehn Tage nach der Ansteckung auf und äussert sich durch Fieber, Husten, Muskelschmerzen und Kopfschmerzen. Sie kann zu einer schweren Lungenentzündung führen.
Die mildere Form, das Pontiac-Fieber, verursacht grippeähnliche Symptome und heilt in der Regel innerhalb weniger Tage von selbst ab.
Das Risiko, an der Legionärskrankheit zu erkranken, steigt mit zunehmendem Alter. Männer sind deutlich häufiger betroffen als Frauen. Auch Raucher sowie Menschen mit einem geschwächten Immunsystem gelten als besonders gefährdet.
In allen Zimmern gelte: «Vor jedem Neueintritt sowie nach einer längeren Abwesenheit lassen wir das heisse Wasser sowohl in der Dusche als auch am Waschbecken fünf Minuten lang laufen. Anschliessend lüften wir das Zimmer», erläutert Jean-Michel Pasquier.
Jegliche Wasserstagnation vermeiden
In der Schweiz ist die Gesetzgebung eigentlich eindeutig: Jede sozialmedizinische Einrichtung muss Selbstkontrollen durchführen. Diese gesetzliche Vorschrift ist allerdings noch relativ neu. Laut dem Genfer Kantonschemiker Patrick Edder besteht sie seit 2017 beziehungsweise 2018.
Der RTS-Beitrag zum täglichen Legionellen-Kampf der Pflegeheime
Seither scheint sich die Situation verbessert zu haben.
«2018 und 2019 hatten wir zahlreiche Kontrollen durchgeführt. Niemand nahm damals Selbstkontrollen vor. Als wir 2023 erneut mit Kontrollen begannen, verfügten hingegen fast alle Einrichtungen über ein Selbstkontrollsystem, auch wenn wir weiterhin gewisse Mängel feststellen können», sagt Patrick Edder.
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