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Saturday, August 15, 2026

Umfrage zu integrativer Schule – Krise in der integrativen Schule: Lehrkräfte schlagen Alarm

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Eine neue Umfrage zeigt: Die Schweizer Lehrerschaft ist beim Thema «integrative Schule» tief gespalten. Dagmar Rösler, Präsidentin des Dachverbands der Lehrerinnen und Lehrer Schweiz (LCH), über die Gründe und warum es dringend Anpassungen braucht.

Dagmar Rösler

Präsidentin Dachverband Lehrerinnen und Lehrer Schweiz

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Dagmar Rösler ist Primarlehrerin und seit 2019 Präsidentin des Dachverbands Lehrerinnen und Lehrer Schweiz (LCH). Nach langjähriger Unterrichtstätigkeit engagierte sie sich in der Solothurner Standespolitik und leitete von 2011 bis 2019 den Verband Lehrerinnen und Lehrer Solothurn (LSO).

SRF: Laut Umfrage steht die Hälfte der Lehrerschaft dem integrativen Modell kritisch gegenüber, die andere Hälfte positiv. Hat Sie diese Spaltung überrascht?

Dagmar Rösler: Nein, wir wussten, dass wir eine gespaltene Lehrerschaft haben. Genau deshalb haben wir die Umfrage auch gemacht. Das Resultat ist eindeutig: Die Lehrpersonen kritisieren nicht primär die pädagogische Idee der Integration, sondern deren ungenügende Umsetzung. Fast die Hälfte sagt, in der jetzigen Situation sei die Integration gescheitert. Das ist ein Warnsignal.

Studie zur integrativen Schule in der Schweiz

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GFS Bern befragte im Auftrag des LCH über 10'000 Schulfachpersonen in der Deutschschweiz zur integrativen Schule. Die zentralen Ergebnisse:

  • Geteilte Meinungen: 51 Prozent der Befragten beurteilen die integrative Schule positiv, 48 Prozent kritisch.
  • Hohe Belastung: 41 Prozent erleben die Umsetzung als Belastung, nur 24 Prozent als erfüllende Aufgabe.
  • Zu wenig Unterstützung: Nur 42 Prozent halten die vorhandene Unterstützung für ausreichend.
  • Sorge um Leistungsstarke: Rund 70 Prozent der Befragten meinen, dass leistungsstarke und hochbegabte Schülerinnen und Schüler im heutigen System zu kurz kommen.
  • Ressourcen sind zentral: Genügend Personal, Zeit und Unterstützung gelten als wichtigste Erfolgsfaktoren.
  • Rahmenbedingungen prägen Haltung: Wo Ressourcen und Unterstützung vorhanden sind, wird Inklusion positiver bewertet.

Den kompletten Studienbericht finden sie hier.

Woran krankt die Umsetzung am meisten?

Es ist die Summe der Belastungen. In einer Klasse mit 22 Kindern habe ich vielleicht 6 mit diagnostiziertem Förderbedarf und weitere mit individuellen Bedürfnissen. Unser Anspruch ist es, allen gerecht zu werden.

Unser Grundsatz lautet: so viel Integration wie möglich, so viel Separation wie nötig.

Wenn aber die Ressourcen, sprich die Zeit, fehlen, erleben wir einen enormen Druck und das Gefühl, nicht wirksam zu sein. Zieht sich das über Jahre hinweg, kommt man an einen kritischen Punkt.

Eine Mehrheit der Lehrpersonen gibt in der Umfrage an, den leistungsstarken Schülerinnen und Schülern nicht gerecht werden zu können. Warum trifft es diese Kinder besonders?

Man hat sich zu Beginn der integrativen Schule stark auf die Kinder mit Förderbedarf konzentriert, um es besser zu machen als früher, als diese oft vernachlässigt wurden. Mittlerweile hat man bemerkt, dass es genauso wichtig ist, auch die leistungsstarken zu fördern. Aber oft fehlen genau dafür die Ressourcen. Das widerspricht der Chancengerechtigkeit.

Sie fordern nun separate Gefässe an den Schulen. Heisst das, das integrative Modell ist Geschichte?

Nein, aber das Modell hat seine Grenzen. Die Umfrage zeigt: Mit den heutigen Ressourcen geht es nicht mehr. Unser Grundsatz lautet: so viel Integration wie möglich, so viel Separation wie nötig.

Eine gute Schule ist machbar, aber nur mit guten Ressourcen und wenn man für jedes Kind Zeit hat.

Es braucht befristete Gefässe in geografischer Nähe – am besten im gleichen Schulhaus –, in denen Kinder temporär betreut werden, die in der grossen Klasse gerade nicht das bekommen, was sie brauchen. Dies darf keine Bestrafung sein, sondern eine Chance.

Ausserdem fordern Sie flexible Ressourcen. Was erhoffen Sie sich davon?

Dass die Unterstützung direkt und unbürokratisch bei den Kindern ankommt. Heute sind Ressourcen oft an eine Diagnose gekoppelt. Das heisst, wir müssen oft monatelang auf eine Diagnose warten, bis ein Kind Hilfe erhält. Ein Ressourcenpool pro Schule, der flexibel eingesetzt werden kann, würde diesen Prozess beschleunigen und die Fehlanreize für Diagnosen reduzieren.

Ihre Schlussfolgerung aus der Umfrage lautet: Die Lehrkräfte brauchen mehr Unterstützung. Wie soll das gehen im aktuellen finanzpolitischen Umfeld?

Uns ist die angespannte Finanzlage bewusst. Aber gleichzeitig wundert man sich über sinkende Pisa-Resultate. Eine gute Schule ist machbar, aber nur mit guten Ressourcen und wenn man für jedes Kind Zeit hat. Wenn die Politik Integration bestellt, muss sie auch dafür bezahlen und die entsprechenden Rahmenbedingungen schaffen.

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