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Saturday, August 15, 2026

«Zwei Rasen komplett verbrannt» – Clubs gehen Plätze aus

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  • Beim FC Tafers-Alterswil sind zwei von drei Rasen bereits komplett verbrannt – 20 Mannschaften teilen sich den letzten nutzbaren Platz.
  • Die Trockenheit und Bewässerungsverbote in mehreren Kantonen machen einen regulären Saisonstart für viele Amateurclubs unmöglich.
  • Rasenexperte Rolf Roth empfiehlt, den Platz zu schonen und höchstens einmal pro Woche tief zu bewässern, damit das Wasser die Wurzeln erreicht.

Die Trockenheit spitzt sich zu und bereitet der Landwirtschaft grosse Sorgen. Zahlreiche Gemeinden haben wegen der Wassernot Bewässerungsverbote erlassen. Nun trifft die Wasserknappheit auch Fussballvereine: Vielerorts sind die Rasen braun und hart, das Gras teilweise bis in die Wurzeln abgestorben.

Wie die «Berner Zeitung» berichtet, muss etwa der SC Jegenstorf sein Heimrecht abgeben. Zum Meisterschaftsstart am kommenden Wochenende kann der Berner Club nicht auf dem eigenen Platz spielen. Auch andere Vereine stehen vor demselben Problem.

Und selbst Regen würde nicht sofort Abhilfe schaffen. «Ein paar Tage Regen retten unsere Rasen jetzt auch nicht mehr», sagt Rico Stritt, Co-Präsident des FC Tafers-Alterswil.

«Bereitet mir Kummer»

Der Freiburger erzählt im Gespräch mit 20 Minuten: «Wir dürfen unsere Rasen nicht bewässern, zwei sind schon komplett verbrannt.» Nun müssten 20 Mannschaften auf dem einzigen noch verfügbaren Fussballplatz spielen. «Jetzt strapazieren wir den letzten Rasen. Mal schauen, wie lange das funktioniert», sagt Stritt.

Der Verein kontaktiere deshalb derzeit Gegner und versuche, Auswärtsspiele zu vereinbaren, statt auf dem eigenen Platz anzutreten. «Das bedeutet extrem viel Organisation und grosse Einbussen, weil wir unsere Buvette nicht betreiben können.» Mit Blick auf die kommenden Jahre ist er wenig zuversichtlich: «Es bereitet mir Kummer, schliesslich ist die Tendenz klar und es gibt immer heissere Sommer.»

«Absolutes Trainings- und Spielverbot bis Ende August»

Ähnlich angespannt ist die Situation beim FC Knonau-Mettmenstetten-Obfelden. Aufgrund der geltenden Wassersparmassnahmen werden die Sportplätze in den betroffenen Gemeinden derzeit gar nicht oder nur eingeschränkt bewässert. «In Knonau zum Beispiel gilt bis Ende August ein absolutes Trainings- und Spielverbot», teilt der Verein auf Anfrage mit.

In Obfelden sei der Trainingsbetrieb zwar noch möglich, Spiele dürften auf dem Rasen allerdings nicht mehr ausgetragen werden. Eine Alternative fehlt: «Da wir keine Kunstrasenplätze haben, ist ein regulärer Spielbetrieb kaum möglich.»

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Nach dem Aufstieg: «Sportlich ungünstiger Zeitpunkt»

In Russikon sind die Plätze trotz Bewässerung stark ausgetrocknet. «Unser Ziel ist nicht, einen optisch perfekten oder durchgehend grünen Rasen zu erhalten», sagt Ronald Schmid, Vizepräsident des FC Russikon. Bewässert werde nur minimal und jeweils am Morgen, um möglichst wenig Wasser zu verlieren.

Um nachhaltige Schäden zu verhindern, hat der Club den Trainings- und Spielbetrieb auf dem Fussballplatz bis auf Weiteres eingestellt. «Bei den derzeitigen Bedingungen wäre die Belastung für den ausgetrockneten Rasen zu gross.» Geschwächte Wurzeln könnten herausgerissen werden – im schlimmsten Fall müsste der Rasen neu angesät werden.

«Diese Einschränkung trifft uns sportlich zu einem ungünstigen Zeitpunkt», sagt Schmid. Besonders für das aufgestiegene Team der 1. Liga sei die Situation in der Saisonvorbereitung alles andere als optimal.

Ein Bild einer nicht bewässerten Fussballwiese zeigt die Folgen der andauernden Trockenheit.

Ein Bild einer nicht bewässerten Fussballwiese zeigt die Folgen der andauernden Trockenheit.20 Minuten

Berner Fussballverband rechnet mit weiteren Spielverschiebungen

Der Berner Fussballverband beschäftigt sich mit den Folgen der Trockenheit. Aktuell stehe man wegen unbespielbarer Plätze mit dem SC Jegenstorf und dem FC Grosshöchstetten-Schlosswil in Kontakt, sagt Marco Prack, Geschäftsführer des Fussballverbands Bern Jura. Wie viele Plätze im Verbandsgebiet insgesamt betroffen sind, sei noch unklar. Nach der kommenden Spielrunde dürfte man mehr wissen – weitere Absagen seien durchaus möglich.

Kann ein Club seinen Platz nicht benutzen, meldet er dies der Pikettstelle des Verbands. Eine Forfait-Niederlage droht deshalb aber nicht: Kann auch das Heimrecht nicht getauscht werden, wird die Partie witterungsbedingt verschoben und zu einem späteren Zeitpunkt neu angesetzt.

Freiburger Fussballverband

Auch im Kanton Freiburg sucht der Fussballverband gemeinsam mit betroffenen Clubs nach Lösungen. Kurzfristig könnten Spiele etwa zum Gegner verlegt werden, sagt Verbandspräsident Christophe Delley. Einige Vereine hätten sich zudem mit Bauern abgesprochen und Zisternen neben den Fussballplätzen aufgestellt, um mit dem gesammelten Wasser den Rasen zu bewässern.

Da viele Plätze den Gemeinden gehören, entscheiden letztlich diese, ob bewässert und gespielt werden darf. In St. Ursen etwa ist die Bewässerung weiterhin erlaubt, weil dafür kein Trinkwasser verwendet wird.

Eine langfristige Lösung gebe es bislang nicht, sagt Delley. Für ihn ist aber klar, dass das Problem über einzelne Verbände hinausgeht: «Das wird dann eine nationale und keine regionale Frage sein.»

Westschweiz weniger betroffen

Auch in der Westschweiz macht die Trockenheit Fussballclubs zu schaffen. In Neuenburg müssen Vereine Trainings und Testspiele verlegen, im Kanton Waadt wurden bereits Spiele verschoben. Weniger betroffen sind das Wallis sowie Genf, wo mehr als die Hälfte der Fussballfelder aus Kunstrasen besteht.

Tipps vom Rasenprofi

Rolf Roth, langjähriger Leiter der Sportanlagen St. Jakob beim Sportamt Basel-Stadt und Verantwortlicher Sportanlagen beim Fussballverband Nordwestschweiz, kennt sich mit Fussballplätzen aus und gibt Tipps:

Im Vorteil sind Clubs, für deren Plätze es eine Sprinkleranlage gibt. «Diese muss man sinnvoll einsetzen», sagt Roth. Das bedeutet, nicht jeden Tag kurz zu wässern. Besser zum Beispiel einmal in der Woche ausreichend, sodass das Wasser an die Wurzeln des Rasens gelangt. «Die Wurzeln befinden sich rund vier bis fünf Zentimeter im Boden.» Um sie zu erreichen, kann man die Anlage in der Nacht rund eine Stunde laufen lassen. «So werden die Wurzeln befeuchtet», sagt Roth zu 20 Minuten.

Weiter sei wichtig, den Rasen nicht zu kurz zu schneiden: «Ich empfehle, den Rasen bei fünf Zentimetern stehen zu lassen und nicht auf drei Zentimeter zu stutzen.» Bei einem belasteten Rasen sollte man zudem nicht mit dem 1,5-Tonnen-Rasenmäher über den Platz fahren. Besser sollte man den Rasenroboter die Arbeit machen lassen.

Für Klubs ohne Kunstrasen oder Sprinkleranlage wird es bei der Trockenheit schwierig. Soweit wie möglich sollte man den Rasen schonen und tagsüber nicht betreten. «Wichtig ist, dass man den Platz nicht zerstört. Schon vier bis fünf Spiele auf einem angeschlagenen Platz können diesem grossen Schaden zufügen. Wenn die Wurzeln zerstört sind, dann ist der Rasen verloren.»

Wenn bald Regen kommt, können sich die Plätze wieder erholen. «Wichtig ist, dass man dem Rasen genügend Zeit gibt. Vermutlich muss man den Platz auflockern und nachdüngen, sodass dem Platz Sauerstoff zugeführt werden kann und das Wasser zu den Wurzeln vordringen kann», sagt Roth.

Der Rasenprofi ist zuversichtlich, dass viele Plätze den Hitzesommer überstehen. «Man muss schonen, wo nötig, und allenfalls noch zuwarten mit der Nutzung. So werden die Plätze den Sommer 2026 überstehen.»

Nicht das letzte Mal

Für den Amateurfussball könnten solche Probleme künftig häufiger werden. Prack rechnet angesichts längerer Trockenperioden mit mehr Spielverschiebungen. Änderungen am Saisonkalender seien derzeit zwar kein Thema, die Wettspielkommission werde die Situation aber besprechen.

Für Delley ist ohnehin klar, dass es langfristig eine überregionale Lösung braucht: «Das wird dann eine nationale und keine regionale Frage sein.»

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