Zeekr 9X Ultra AWD: Serieller Hybrid mit 660 kW und 330 kW Ladeleistung
Zeekr hat in Hamburg sein Hybridmodell erstmals in Deutschland präsentiert. Der chinesische Hersteller setzt beim 9X ein serielles Hybridsystem ein: Zwei Elektromotoren, einer je Achse, treiben die Räder an. Ein aufgeladener Zweiliter-Benziner ohne mechanische Verbindung zu den Rädern versorgt die Motoren und den Akku per Generator mit Strom. Weil das Auto dank seiner leistungsfähigen Batterie auch ohne Verbrennungsmotor fahren kann, würde man es üblicherweise als Plug-in-Hybrid und nicht als Elektroauto mit Range-Extender bezeichnen. Eine offizielle Abgrenzung zwischen beiden Antriebsarten gibt es aber nicht.
Die vorläufigen Leistungsdaten gehen über das Gewohnte hinaus: Zeekr verspricht 660 kW Systemleistung und 935 Nm Drehmoment. Damit seien eine Beschleunigung von 4,1 Sekunden von 0 auf 100 km/h und eine Höchstgeschwindigkeit von 240 km/h möglich. Die Batterie mit NMC-Zellchemie fasst brutto 55,1 kWh und soll bis zu 179 km elektrische Reichweite ermöglichen. Mit laufendem Generator gibt Zeekr bis zu 737 Kilometer Gesamtreichweite an.
Der vorläufige kombinierte Verbrauch liegt bei 28,5 kWh/100 km, die CO₂-Emissionen bei 77 g/km. Daran, dass diese gewichteten Werte für PHEV im realen Betrieb erheblich abweichen können, sei an dieser Stelle noch einmal erinnert. Bei entladener Batterie nennt der Hersteller einen Kraftstoffverbrauch von 8,9 l/100 km - mit entsprechend drastisch anderen CO₂-Werten. Sämtliche technischen Angaben sind zwar bisher nicht abschließend für die EU-Typgenehmigung homologiert, dürften aber schon nahe an den endgültigen Katalogwerten liegen.
Spektakulärer Spitzenwert mit 900 Volt
Ungewöhnlich für einen Plug-in-Hybrid ist die 900-Volt-Architektur des 9X. Bei höherer Spannung fließt für dieselbe Leistung weniger Strom, was die ohmschen Verluste in Kabeln und Steckern bis hinunter auf Zellebene reduziert und die Batterie dadurch thermisch entlastet. Zeekr gibt eine maximale DC-Ladeleistung von bis zu 330 kW an, was bei einer 55-kWh-Batterie einer theoretischen C-Rate von rund 6C entspräche.
Von 10 auf 80 Prozent soll der Ladevorgang dadurch idealerweise bis zu 9,5 Minuten kurz werden. Rechnerisch ergibt das eine mittlere Ladeleistung von etwa 244 kW über diesen Bereich, die 330 kW sind also ein Spitzenwert, der nur kurzzeitig anliegt. Zudem muss die Ladesäule die passende Leistung liefern können, was nicht selbstverständlich ist. Am 11-kW-AC-Lader dauert eine volle Ladung von 10 auf 100 Prozent rund 5,5 Stunden. Anders ausgedrückt: Im täglichen Leben wird der spektakuläre Spitzenwert nur selten eine bedeutende Rolle spielen. Er zeigt allerdings auch, dass in der Akkutechnik offenbar noch großes Potenzial steckt.
Zeekr 9X (7 Bilder)

Zeekr
)Die 179 km elektrische Reichweite sind ein Testzykluswert, der bei Alltagsfahrten, insbesondere auf der Autobahn, deutlich schrumpfen dürfte. Bei 2900 kg Leergewicht, 22-Zoll-Rädern und großer Stirnfläche steigt der Energiebedarf bei hohem Tempo stark an. Bei winterlichen Temperaturen, voller Beladung und eingeschalteter Heizung sollte man eher mit deutlich weniger als 179 km rechnen. Wer mag, könnte diese Herstellerangabe auf Stadt- und Pendelbetrieb auf der Kurzstrecke beziehen. Allerdings ist der Zeekr 9X dafür wohl nicht genau das passende Fahrzeug.
Vorteile und Verluste mit seriellem Antrieb
Weil der Benziner ausschließlich als Generator arbeitet, kann er in einem konstanten, günstigen Drehzahlbereich betrieben werden, was den thermischen Wirkungsgrad steigert. Allerdings wandelt der Antrieb die chemische Energie erst in Strom und dann in Bewegung um, was je nach Lastzustand zusätzliche Verluste verursacht. Bei konstanter Geschwindigkeit kann ein klassischer Parallelhybrid, der die Räder direkt mechanisch antreibt, in bestimmten Szenarien effizienter sein. Daher baut Honda seine seriellen Hybridantriebe mit Kupplung und Getriebe für gelegentliche Direktantriebsphasen.
Der vorläufige Verbrauch von 8,9 l/100 km bei leerer Batterie dürfte in der Praxis bei hohem Tempo, voller Besetzung und Anhängerbetrieb noch um einiges höher liegen. Die gewichteten 77 g/km CO₂ dürfen nicht als reale Langstreckenemission interpretiert werden. Aber auch hier gilt: Das Konzept des Zeekr 9X ist nicht ausgesprochen auf Effizienz ausgelegt und die Zielgruppe dürfte den hohen Komfort deutlich höher bewerten als Nachkommastellen beim Verbrauch.
Zeekr 9X Interieur (7 Bilder)

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)Sechs Sitze in Yacht-Atmosphäre
Der 5,24 Meter lange und 3,17 Meter im Radstand messende 9X bietet sechs Einzelsitze in 2+2+2-Konfiguration. In der zweiten Reihe können sich die Rückenlehnen bis 145 Grad neigen. Die Sessel verfügen über elektrische Beinauflagen. Ein 17-Zoll-OLED-Display fährt aus dem Dachhimmel aus und lässt sich bis zu 88 cm nach vorn bewegen. Zeekr verbaut ein Audiosystem mit 32 Lautsprechern und 3868 Watt, ein 47-Zoll-Head-up-Display, zwei 16-Zoll-OLED-Bildschirme und als Prozessorbasis zwei Qualcomm Snapdragon 8295.
Ein Lidarsensor, elf Kameras, fünf Radarsensoren und zwölf Ultraschallsensoren sind die Hauptbestandteile der Sensorik. Deren Signale wertet ein Zentralrechner von Nvidia namens Drive Thor aus, um daraus Werte für die Fahrassistenz zu generieren. Zur Serienausstattung gehört unter anderem eine Zweikammer-Luftfederung mit adaptiven Dämpfern. Nicht nur die Dämpfung ist adaptiv geregelt, auch die Federung kann sich Beladung und Straßenverhältnissen anpassen. Zusätzlich zur aktiven Niveauregulierung bietet sie bis zu 110 Millimeter Höhenverstellung. Dazu kommen drei Standard- und sieben Gelände-Fahrprogramme.
Zur Ausstattung gehören zwei Glasdächer, die sich jeweils öffnen lassen. Das ist heute wirklich selten geworden. Dazu kommen die Sitzheizung und -belüftung für die ersten beiden Reihen, ein Kühl- und Warmhaltefach (minus 6 bis plus 50 °C), eine zweigeteilte Heckklappe und ein digitaler Fahrzeugschlüssel, der sich aufs Mobiltelefon laden lässt.
377 Liter Kofferraum bleiben bei sechs besetzten Plätzen für ein Fahrzeug dieser Größe knapp, für sechs Personen mit Reisegepäck dürfte das Volumen kaum ausreichen. Mit umgelegter zweiter und dritter Reihe wächst es auf 2148 Liter. Konkrete Angaben zu Knieraum und maximaler Körpergröße in der dritten Reihe nannte Zeekr noch nicht. Zeekr gewährt bis zu zehn Jahre Fahrzeuggarantie bei Wartung an empfohlenen Servicestellen sowie acht Jahre auf die Hochvoltbatterie. Für beide gilt eine Laufleistungsgrenze von 200.000 Kilometern.
Gegenüber europäischen Konkurrenzmodellen wie dem BMW XM, dem Mercedes-Maybach GLS oder dem Bentley Bentayga positioniert sich der 9X mit einem Einstieg ab 119.500 Euro preislich aggressiv. Die Black Line kostet ab 126.500 Euro. Der Vergleich hat allerdings Grenzen, denn das Zeekr-Servicenetz in Europa ist dünn, Restwerte und Langzeiterfahrungen fehlen. Besonders in Deutschland ist das Thema Datenschutz sensibel. Der Zeekr 9X könnte Fragen zur Datenverarbeitung aufwerfen, sammelt er doch über zahlreiche Sensoren, Kameras und Clouddienste umfangreiche Daten. Dazu hat Zeekr sich noch nicht konkret positioniert. Die ersten Auslieferungen sollen zwischen Dezember 2026 und dem ersten Quartal 2027 beginnen.
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