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Thursday, October 1, 2026

Co-Pilot greift Kapitän an – was steckt hinter der Tat?

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  • Auf einem Flydubai-Flug von Dubai nach Tel Aviv hat ein omanischer Co-Pilot am Mittwoch den indischen Kapitän attackiert.
  • Die Boeing 737 verlor massiv an Höhe und musste im saudi-arabischen Tabuk notlanden. Der mutmassliche Täter wurde festgenommen.
  • Kriminologe Ahmed Ajil hält einen Einzeltäter für das wahrscheinlichste Szenario.

Auf einem Flydubai-Flug von Dubai nach Tel Aviv kam es am Mittwoch zu einem gewaltsamen Zwischenfall im Cockpit. Ein omanischer Co-Pilot hat auf den Piloten eingestochen. Die Maschine verlor innerhalb kurzer Zeit massiv an Höhe und musste im saudi-arabischen Tabuk notlanden. Der mutmassliche Täter wurde festgenommen und wird verhört. Nach israelischen Angaben soll er den indischen Kapitän verletzt und versucht haben, die Maschine zum Absturz zu bringen. Verteidigungsminister Israel Katz bezeichnete den Vorfall als vereitelten «dschihadistischen Terroranschlag».

Der Vorfall ereignete sich zu einem politisch brisanten Zeitpunkt: Am 27. Oktober finden in Israel Parlamentswahlen statt. Ministerpräsident Benjamin Netanjahu liefert sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit dem ehemaligen Generalstabschef und Oppositionspolitiker Gadi Eisenkot. In einer aktuellen Umfrage liegen die beiden Lager mit jeweils 52 von insgesamt 120 Sitzen gleichauf. Die Regierungsbildung bleibt damit völlig offen.

Kriminologe Ahmed Ajil ordnet mögliche Motive hinter dem Vorfall ein und erläutert, welche Auswirkungen dieser auf die Wahlen in Israel haben könnte.

Ahmed Ajil, welche Motive könnten hinter dem Vorfall stecken?

Das ist mit der aktuellen Informationslage schwierig einzuschätzen. Ein Anschlag einer grösseren Organisation erscheint derzeit nicht als das naheliegendste Szenario. Flugzeugentführungen oder -abstürze gehörten in den vergangenen Jahren weder beim Islamischen Dschihad noch beim IS zu den typischen Taktiken. Auch die Hamas hat seit dem 7. Oktober keine derart gross angelegten Operationen mehr durchgeführt.

Ein solcher Anschlag wäre zudem logistisch anspruchsvoll: Eine Organisation hätte einen Piloten einschleusen oder für sich gewinnen müssen. Zudem wäre bei einem komplex geplanten Anschlag wohl auch ein Bekenntnis der Organisation zu erwarten gewesen. Deshalb gehe ich derzeit eher von einem Einzeltäter aus, der sich etwa im Kontext des Israel-Palästina-Konflikts radikalisiert hat. Ob psychische Probleme eine Rolle spielten, ist offen.

Der mutmassliche Täter, ein omanischer Co-Pilot, wurde nach der Notlandung festgenommen.

Der mutmassliche Täter, ein omanischer Co-Pilot, wurde nach der Notlandung festgenommen.AFP

Welche Folgen könnte der Vorfall für Israel und die Oktober-Wahlen haben?

Politisch könnte Netanjahu den Vorfall nutzen, indem er ihn als erneute Bedrohung für die Sicherheit Israels und der Israelis im und ausserhalb der Landesgrenzen darstellt. Gerade vor den Wahlen kann ein solches Gefühl der Unsicherheit mobilisieren – etwa wenn Netanjahu einen Bezug zum Israel-Palästina-Konflikt herstellt und sich als Garant für Sicherheit präsentiert. Szenarien, die Erinnerungen an die Anschläge vom 11. September 2001 wecken, liessen sich dabei besonders leicht politisch instrumentalisieren. Wie stark dies wirkt, hängt aber davon ab, wie der Vorfall eingeordnet wird.

Könnte ein allfällig terroristisches Motiv zu einer erneuten Eskalation mit Iran führen?

Ich sehe keinen direkten Zusammenhang zwischen diesem Vorfall und einer möglichen neuen Eskalation mit Iran. Für Israel ist dort derzeit wenig zu gewinnen, nachdem die angestrebten Ergebnisse bisher ausgeblieben sind. Falls sich die Sicherheitslage verschärft, erwarte ich den Fokus eher im Südlibanon als im Iran.

Über den Experten

Ahmed Ajil ist Kriminologe und Assistenzprofessor für Verhaltenswissenschaften mit Schwerpunkt Kriminologie und Sicherheitsforschung an der Universität Luzern. Er forscht zu Terrorismus, Radikalisierung, politischer Gewalt und Extremismus und war unter anderem als Kriminalanalyst beim Bundesamt für Polizei tätig.

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Shirin Camenisch

Shirin Camenisch (sca) arbeitet seit 2025 als Praktikantin im Ressort News

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