Alles wird teurer – «1 Franken bleibt 1 Franken, auch wenn man ihn dreimal umdreht»

Die Krankenkassenprämien steigen wiederholt, die aktuellen Spritpreise belasten den Geldbeutel, Mieten kosten mehr – kurz: Das Leben in der Schweiz wird teurer. Philipp Frei, Geschäftsführer des Dachverbands Budgetberatung Schweiz, bestätigt einen wachsenden Beratungsbedarf. Er weiss, wie Geldsorgen die Menschen psychisch belasten. Im Gespräch mit SRF weist er auf mögliche Sparhebel hin.
Philipp Frei
Budgetberater
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Philipp Frei ist Geschäftsführer des Dachverbands Budgetberatung Schweiz. Dieser umfasst dreissig unabhängige Anlaufstellen für Fragen rund um das Budget von Privatpersonen und bietet Informationen, Beratung und Weiterbildungsangebote.
SRF: Die Lebenshaltungskosten steigen, auch die Krankenkassenprämien schlagen wieder auf. Wie spüren Sie das in den Beratungen?
Philipp Frei: Vieles wird tatsächlich teurer. Das merken wir an der Zunahme der Beratungen, aber auch daran, dass viele Menschen frustriert sind über Preissteigerungen, für die sie nichts können.
Es trifft keineswegs nur Menschen mit sehr geringem Einkommen.
In den letzten Jahren kommen vermehrt Personen zu uns, die zwar nicht reich sind oder im Luxus leben, bislang jedoch gut über die Runden kamen. Nun merken sie: Es geht langsam nicht mehr auf.
Welche Personengruppen betrifft diese Entwicklung vor allem?
Das geht quer durchs Band. Es trifft keineswegs nur Menschen mit sehr geringem Einkommen. Entscheidend ist letztlich immer, wie viel Geld man monatlich nach allen Ausgaben effektiv zur Verfügung hat.
Wo fängt man mit dem Sparen am besten an, wo schmerzt es am wenigsten?
Wir raten zuerst dazu, an den Schrauben zu drehen, die man von heute auf morgen verändern kann. Das betrifft vor allem Ausgaben für Auswärtsessen, Ferien und das allgemeine Einkaufsverhalten. Man kann sich zum Beispiel fragen: Wo kaufe ich ein und wie oft brauche ich Fleisch? Solche Anpassungen bringen sofort Entlastung im Portemonnaie.
Welche Posten sollten danach unter die Lupe genommen werden?
Als Nächstes folgen laufende Fixkosten: Telefonie-Abos, Fitnessabos oder sonstige Abonnements. Und natürlich die Krankenversicherung: Habe ich wirklich die Lösung, die für mich optimal ist?
Bei den Krankenkassen gibt es Sparmodelle. Was ist dabei zu beachten?
Die günstigste Lösung ist nicht automatisch die beste. Wer eine hohe Franchise von beispielsweise 2500 Franken wählt, muss diese Summe zwingend auf der Seite haben. Zudem sollte man nicht allzu oft zum Arzt müssen, sonst wird es unter dem Strich teurer.
Finanzen haben massive Auswirkungen auf das Leben und die Gesundheit der Menschen.
Wo sollte man auf keinen Fall sparen?
Bei allem, was langfristig Mehrkosten nach sich ziehen kann. Das gilt primär für Gesundheitskosten. Wer eine zu hohe Franchise wählt, das Geld aber nicht hat, meidet womöglich den Arztbesuch. Wenn sich Behandlungen verzögern, kann das verheerende Folgen haben.
Finanzielle Sorgen belasten auch die Psyche. Was beobachten Sie da?
Das ist ein Punkt, der unterschätzt wird. Wir sprechen von Zahlen, man hat das Gefühl, es gehe bloss um Excel-Tabellen, die unter dem Strich ausgeglichen sein müssen. Das stimmt so nicht. Finanzen haben massive Auswirkungen auf das Leben und die Gesundheit der Menschen. Die ständige Angst vor unvorhergesehenen Rechnungen macht wahnsinnig viel mit den Betroffenen.
Hilfsmittel zum Erstellen eines Budgets
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Der Dachverband Budgetberatung Schweiz bietet auch Hilfsmittel an, um selbst ein Budget zu erstellen.
Inwiefern können Sie helfen?
Wir können helfen, eine saubere Auslegeordnung zu machen. Wenn genügend Geld vorhanden ist, helfen wir, dieses richtig einzuteilen. Zu sehen, es geht auf, kann beruhigen. Jedoch bleibt ein Franken ein Franken, auch wenn man ihn dreimal umdreht. Wir können nicht mehr Budget hinzaubern, aber wir können rechtzeitig erkennen, wenn es in eine falsche Richtung läuft.
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