Gewerkschaft hässig: «Lehrer, lasst die Lager von Eltern planen»

- Das Zürcher Stimmvolk hat das neue Lehrpersonalgesetz abgelehnt, das Mehrkosten von 83 Millionen Franken pro Jahr verursacht hätte.
- Die Gewerkschaft VPOD reagiert hässig und rät Lehrpersonen, bei Elterngesprächen einen Timer zu stellen und die Lager-Planung an Eltern abzugeben.
- Der Zürcher Lehrpersonenverband wird sich überlegen, wo Lehrerinnen und Lehrer künftig Zeit einsparen können.
- Bildungsdirektorin Silvia Steiner begrüsst das Nein an der Urne, kündigt aber an, an einer neuen, günstigeren Vorlage mitarbeiten zu wollen.
«Stelle bei Elterngesprächen einen Timer. Reduziere die Elternkommunikation und kommuniziere deine ‹Bürozeiten›. Kommuniziere den Eltern, wie viel Zeit du für was aufwendest. Gib die Planung von Ausflügen und Lagern an die Eltern ab.» Die Gewerkschaft VPOD geht nach der Ablehnung des Zürcher Lehrpersonalgesetzes auf die Barrikaden und rät Lehrerinnen und Lehrern, die Elternarbeit zu reduzieren.
«Am Samstag gingen Tausende Lehr-, Betreuungs- und Assistenzpersonen auf die Strasse für eine inklusive Schule mit genügend Ressourcen. Aber am Sonntag haben die Abstimmenden gezeigt: Sie nehmen uns nicht ernst», schreibt die Gewerkschaft auf Instagram.
«Trotzreaktionen schaden dem Image»
«Die geforderten Massnahmen sollten in meinen Augen nicht eine Trotzreaktion auf die Abstimmung sein, sondern eine absolute Selbstverständlichkeit bei Lehrpersonen – schon vor der Abstimmung. Abgrenzung ist sehr wichtig in unserem Beruf, wenn man nicht in ein Burnout laufen will», antwortet eine Lehrerin auf Instagram.
Ein anderer User hält dagegen: «Trotzreaktionen schaden dem Image. Ein paar wenige Ideen, wie zum Beispiel ‹Bürozeiten›, sind gut und durchaus durchführbar.»
Lehrerverband: «Wir werden Zeit einsparen müssen»
Auch die Präsidentin des Zürcher Lehrerverbands äussert sich nach der Niederlage am Abstimmungssonntag gegenüber 20 Minuten: «Heute leisten Lehrerinnen und Lehrer basierend auf einer Erhebung des nationalen Lehrerverbandes bereits 1,5 Stunden Überzeit pro Tag bei einem durchschnittlichen Pensum», so Lena Fleisch.
Typische Klassenlehrpersonenaufgaben würden einfach mehr Zeit von den Lehrern abverlangen, als zurzeit abgegolten wird. «Für Elternkontakte, individuelle Betreuung und Begleitung der Kinder, Zeugnisse schreiben und viele weitere Aufgaben haben wir aktuell nur 100 Stunden zur Verfügung, was nicht ausreicht. Gleichzeitig wird beim Vor- und Nachbereiten wesentlich mehr Zeit aufgewendet, als dafür aktuell vorgesehen wird», sagt Fleisch. «Diese Arbeiten werden aber aktuell bereits geleistet – denn keine Lehrperson sagt Eltern am Telefon, dass sie ihre 100 Stunden bereits aufgebraucht hat und sie sich dann im neuen Schuljahr wieder melden können.»
Lehrpersonen müssten jetzt prüfen, wo sie langfristig Zeit einsparen können. «Welche Folgen dies konkret für Elternkommunikation, Lager oder Ausflüge haben wird, wissen wir noch nicht. Das müssen wir verbandsintern diskutieren und schauen, was überhaupt umsetzbar und möglich ist.»
Steiner: «Lehrer haben genug Ferien, um Überstunden abzubauen»
Die Zürcher Bildungsdirektorin Silvia Steiner (Mitte) begrüsst hingegen das Nein an der Urne, wie sie am Sonntag an einer Pressekonferenz sagte. Denn der Ansatz, allen Lehrern unabhängig von Pensum und Verantwortung mehr Zeit anzurechnen, lehnte der Regierungsrat ab.
Hingegen anerkennt sie, dass Klassenlehrerinnen und Klassenlehrer heute mehr Zeit für Elternarbeit, Zeugnisse, Lager und Ausflüge aufwenden. «Die 100 Stunden entsprechen nicht mehr der Realität.» Sie hätte einen vom Regierungsrat vorgeschlagenen Ansatz begrüsst, der nur 31 statt 83 Millionen Franken pro Jahr gekostet hätte. Auch die Entlastung von Junglehrpersonen, die beim vorgesehenen Lehrpersonalgesetz dabei gewesen wäre, hätte Steiner begrüsst. Deshalb will die Bildungsdirektorin an einer neuen Vorlage mitarbeiten. Diese benötige jedoch Zeit.
«Lehrerinnen und Lehrer üben ihren Beruf meistens mit grossem Einsatz und Leidenschaft aus. Während der Unterrichtszeit fällt daher häufig Mehrarbeit an – etwa Elterngespräche oder das Korrigieren von Prüfungen. In den Schulferien haben die Lehrpersonen jedoch nach Abzug ihrer fünf Wochen Ferien immer noch acht Wochen unterrichtsfreie Zeit, die sie nutzen können. Da haben sie viel Freiraum, ihren Tag selbstständig einzuteilen und ihre Überzeit abzubauen.»
Céline Trachsel (ct), arbeitet seit 2023 für 20 Minuten. Sie ist Redaktorin im Ressort Zürich.
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