Horror-Haartrend oder cooler Look? Das Rattenschwänzli ist zurück

Vorne kurz, hinten … ein einzelnes Schwänzli. Das Prinzip der neusten Trendfrisur ist simpel: Während die Haare kurz oder sogar abrasiert sind, bleibt meist im Nacken eine einzelne längere Strähne stehen – als Zopf geflochten, eingefärbt oder mit Perlen verziert. Ende der 80er- und Anfang der 90er-Jahre hatte das Rattenschwänzli seine grosse Zeit. Jetzt kommt es wieder zurück.
Was hältst du vom Comeback des Rattenschwänzli bei Männern?
Der kleine Bruder des Vokuhilas
Haarhistorikerin Rachael Gibson bezeichnet ihn gegenüber «The Cut» als «weniger beliebten jüngeren Bruder des Vokuhilas». Und ausgerechnet der Trend-Haarschnitt der letzten Jahre könnte nun mitverantwortlich für sein Comeback sein. Hairstylist Mitch Wolf vom Salon Mott NYC beobachtet, dass Kundinnen und Kunden ihre Vokuhilas zunehmend in Frisuren mit Rattenschwänzchen verwandeln.
Und auch in der Schweiz ist der Look bereits angekommen. Coiffeuse Mercedes Greull vom Zürcher Salon Spaze bestätigt gegenüber 20 Minuten: «Ich habe im letzten Jahr vermehrt Rats Tails geschnitten und hatte sogar schon selbst einen.» Gleich morgen stehe der nächste auf ihrem Plan – bisher haben sich bei Greull aber nur Frauen an den Look getraut. In den USA sind hingegen die Männer Vorreiter.
Sofiia Mykhailenko, Inhaberin von Vividloohair, beobachtet den Trend ebenfalls. «Viele meiner Kunden sind in ihren 20ern und eher alternativ – da herrscht viel Nachfrage nach Rattenschwänzli. Noch ist der Look nicht zu populär, man wirkt einzigartig damit.» Sie erzählt, sie habe einigen Kunden mit zu kurzen Haaren auch schon ein Rattenschwänzli mit Extensions eingeflochten.
Mitch Wolf hat etwa kürzlich Sänger Troye Sivan einen solchen Schnitt verpasst. Bei ihm hängt die längere Strähne leicht versetzt am Hinterkopf – vielleicht, weil man sie so noch ein Stück besser in die Kamera halten kann. Im Podcast mit Jake Shane erzählt der Sänger, der ursprünglich aus Australien kommt: «Bei uns würde man fragen: ‹Was hältst du von meinem Ratty?›»
So sieht das Rattenschwänzli 2026 aus
Die Neuauflage muss nicht aussehen wie die Version aus dem Klassenfoto von 1995. Manche tragen die Strähne lockig, andere flechten sie oder verzieren sie mit Perlen. Und es muss nicht bei einem Schwänzli bleiben: Saffie Redfield, der in einem New Yorker Salon arbeitet, trägt zu seinem kurzen, fransigen Haarschnitt gleich vier Rats Tails. «Heute werden Rattenschwänzchen mit Haarschnitten kombiniert, die mehr Länge und Volumen haben», erklärt Wolf gegenüber «The Cut».
Die Schweizer Coiffeuse Mercedes Greull sagt, worauf man achten sollte, wenn man selbst einen Rats Tail haben möchte: «Sie sind ein recht grosses Commitment. Weil der Rest der Haare auf einen Schlag kurz geschnitten wird, kommt das Rattenschwänzli mit einer grossen Veränderung. Trotzdem finde ich es einen mega coolen Look!»
Mit ihrer Meinung ist die Coiffeuse nicht alleine – online werden die Looks gefeiert. Die Kommentare zu Männern mit Rats Tail auf Social Media sind fast ausschliesslich positiv. «Gepriesen sei das Rattenschwänzli», «einfach ikonisch» oder «du bist ein König», liest man in den Kommentaren.
Vom Kindheitstraum zum Statement
Für manche Träger steckt hinter der Frisur mehr als Nostalgie. Model und Creative Director Tevin Evans wollte schon als Kind ein Rattenschwänzli, seine Mutter erlaubte es ihm allerdings nicht. Heute trägt der 34-Jährige eines, das er mal flechtet, mal mit Perlen schmückt. Für ihn sei der Look auch eine kleine Rebellion gegen den strengen Dresscode in seinem Job, erzählt er «The Cut».
Ganz verloren hat das Rattenschwänzli sein rebellisches Image also bis heute nicht – für viele liegt scheinbar genau darin der Reiz.
Mit welcher Frisur hast du früher – oder heutzutage – rebelliert? Verrate es uns in den Kommentaren!
Malin Mueller (mmu) arbeitet seit 2021 für 20 Minuten. Sie ist stellvertretende Leiterin Lifestyle und Beauty-Redaktorin. Ihr Fokus: Hautpflege, Frisuren und Trend-Checks.
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