Ukraine kritisiert fehlende US-Unterstützung - NATO und EU widersprechen
Russische Angriffe auf Kraftwerke Ukraine ohne US-Unterstützung? NATO und EU widersprechen
Stand: 14.10.2026 • 17:33 Uhr
Die Ukraine ist beim Abwehrkampf gegen Russland auf Geheimdienstinformationen der USA angewiesen - doch die sollen vor neuen russischen Angriffen ausgeblieben sein. Präsident Selenskyj übt Kritik. EU und NATO beschwichtigen.
Russland hat erneut die Energieinfrastruktur der Ukraine attackiert. Alle drei Heizkraftwerke der Hauptstadt Kiew seien angegriffen worden, schrieb Ministerpräsident Serhij Korezkyj bei Telegram. Fünf Menschen kamen nach Angaben der Polizei in Kiew ums Leben. Zwei weitere Menschen starben nach Behördenangaben bei Attacken am Abend und in der Nacht im Gebiet Dnipropetrowsk. Mindestens 600.000 Menschen sind ohne Strom.
Präsident Wolodymyr Selenskyj und ranghohe Regierungsvertreter warfen den westlichen Verbündeten vor, die Ukraine vor den Angriffen nicht gewarnt zu haben. "Wieder einmal keine Vorwarnung von unseren Partnern", schrieb Selenskyj auf Facebook. Am Abend zuvor hätten die ukrainischen Systeme die russischen Raketen erst erfasst, als diese sich bereits der Hauptstadt Kiew näherten. "Das ist absolut ungerecht: Während sie unsere Infrastruktur zerstören, erhält die Ukraine noch nicht einmal Frühwarnungen über Raketenstarts."
Ein weiterer Regierungsvertreter sagte der Nachrichtenagentur AFP: "Es war bereits zweimal so, dass uns die Amerikaner nicht über den Start russischer Raketen informiert haben, als unser Energiesektor attackiert wurde." Es sei offensichtlich, dass sie Russland aus irgendeinem Grund helfen würden.
Konfliktparteien als Quelle
Angaben zu Kriegsverlauf, Beschuss und Opfern durch offizielle Stellen der russischen und der ukrainischen Konfliktparteien können in der aktuellen Lage nicht unmittelbar von unabhängiger Stelle überprüft werden.
Starlink soll stark eingeschränkt gewesen sein
Zuvor hatte bereits der Technologieberater des Verteidigungsministeriums, Serhij Beskrestnow, erklärt, dass der Betrieb des US-Satelliten-Kommunikationssystems Starlink in der Nacht stark eingeschränkt gewesen sei, was zum Scheitern ukrainischer Angriffe geführt habe. Das habe der Ukraine "eine der wenigen Chancen" genommen, sich gegen neuartige, mit einem Strahltriebwerk ausgestattete Drohnen vom Typ Schahed zu wehren.
Die Ukraine ist in ihrem Abwehrkampf gegen Russland in hohem Maße auf westliche Geheimdienstinformationen angewiesen, insbesondere aus den USA. Ein US-Regierungsvertreter bestritt, dass sich die Position Washingtons gegenüber Kiew in Bezug auf den Austausch von Geheimdienstinformationen verändert habe.
Rutte ruft zu mehr Hilfe bei Flugabwehr auf
NATO-Generalsekretär Mark Rutte bestätigte zudem bei einem Besuch in Estland, dass US-Präsident Trump versichert habe, der Austausch der Informationen sei nicht gestoppt worden. Trump habe sich "sehr deutlich geäußert", sagte Rutte. Er rief die Verbündeten dazu auf, die Ukraine bei der Luftverteidigung stärker zu unterstützen.
Auch die EU erklärte, dass ihr "keine Anzeichen" dafür vorlägen, dass Washington die Weitergabe von Informationen eingestellt habe. Bundesaußenminister Johann Wadephul teilte ebenfalls mit, er erkenne nicht, dass es "eine substanzielle Verringerung" der US-Unterstützung gebe.
Verhältnis zwischen USA und Ukraine angespannt
Das russische Verteidigungsministerium bestätigte am Morgen Angriffe auf Kommunikations- und Energieinfrastruktur in der Hauptstadt Kiew und ihrem Umland sowie in der Region Charkiw. Alle Entwicklungen, die auf eine mögliche Änderung der US-Politik gegenüber der Ukraine hindeuteten, würden aufmerksam verfolgt. Es sei aber noch zu früh, Schlüsse zu ziehen, sagte Kreml-Sprecher Dmitri Peskow.
Das Verhältnis zwischen den USA und der Ukraine ist derzeit angespannt. Medienberichten zufolge hatte Washington zuletzt angedroht, die Weitergabe von militärischen Aufklärungsdaten zu stoppen, falls Kiew nicht kompromissbereiter werde.
Zudem hatte sich Starlink-Betreiber Elon Musk am Samstag hinter den US-Präsidenten gestellt. Er schrieb auf der Plattform X, Selenskyj sei mit seiner Reaktion auf eine Äußerung Trumps zu ukrainischen Gegenangriffen auf russische Raffinerien zu weit gegangen. Zuvor hatte Kiew ein Dieselabkommen zwischen den USA und Russland kritisiert.
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