Von der Göttin zur Winke-Puppe: Der Kult um die Katze
Seit dem 10.Oktober kann man im Bremer Überseemuseum eine Katzenausstellung besuchen. Auf rund 800 Quadratmetern ist alles rund um die Katze und ihre Beziehung zum Menschen geboten.
13.10.2026 | 1:35 min"Kult Katze!" - unter diesem Motto widmet sich eine Sonderausstellung in Bremen dem beliebtesten Haustier Deutschlands. Die Reise durch die Katzen-Schau beginnt mit einem Catwalk: In zwei langen Reihen stehen im Überseemuseum ausgestopfte Groß- und Wildkatzen, vom Löwen bis hin zur Falbkatze, dem wilden Vorgänger der heutigen Hauskatze.
Kuratorin Renate Noda erläutert die Anziehungskraft der Tiere:
Katzen sind erfolgreiche Raubtiere, sie sind sehr geschmeidig, sie sind enorm schnell und das dürfte die Menschen schon immer fasziniert haben.
Renate Noda, Kuratorin der Sonderausstellung "Kult Katze!"
Auch die Fellfarben der Katzen seien ganz speziell, "das dürfte Menschen von früher Zeit an sehr fasziniert haben", erläutert Kuratorin Renate Noda.
Ein Tier voller Symbolik
Die Zeitreise schlägt einen Bogen von der kulturgeschichtlichen Bedeutung großer Raubkatzen bis zur Katze als Pop-Ikone und Internetstar.
Es gibt eine tiefe Verbindung zwischen uns und Großkatzen. Im Laufe der Menschheitsgeschichte haben wir sie mit Ehrfurcht, Staunen, Verehrung und Respekt betrachtet.
05.09.2025 | 52:13 minMächtige Großkatzen wie Löwe, Tiger, Jaguar oder Leopard bedeuteten in vielen Kulturen Überlegenheit und Dominanz. Und so inszenierten afrikanische Herrscher ihre Macht und ihren Herrschaftsanspruch zum Beispiel mit Kopfschmuck und Umhang aus Löwenfell oder thronten auf Hockern mit eingeschnitzt dargestellten Leoparden.
Wenn man hier in der Ausstellung etwa dem Jaguar gegenübertritt, der hier als Präparat gezeigt wird, dann kann man sich diese Kraft vorstellen.
Renate Noda, Kuratorin der Sonderausstellung "Kult Katze!"
"Diese hat man versucht durch Rituale und Opfergaben in etwas Positives für den Menschen umzuwandeln, zum Beispiel in Schutz", erläutert Kuratorin Noda.
Opfergaben für göttliche Katzen
Viele Kulturen sahen in Katzen höhere Wesen. Sie waren Teil religiöser Weltbilder und symbolisierten die Kräfte der Natur. Etwa im alten Ägypten. Die Ausstellung zeigt Darstellungen der löwenköpfigen Göttin Sachmet und der katzenköpfigen Bastet.
Sonderausstellung "Kult Katze!": Raubkatzen am Ritualbett - Nachbildung aus dem Grab des Tutenchamun.
Quelle: Focke Strangmann / dpa"Es gab ein großes Heiligtum, also einen großen Tempel, wo dieser Katzengöttin Opfergaben dargebracht wurden", erläutert Kuratorin Noda: "Scheinbar war es so, dass auch Mumien von kleinen Katzen als Opfergaben dargebracht wurden."
Die wurden wohl extra im Tempel gezüchtet, relativ jung getötet und zu Mumien verarbeitet.
Renate Noda, Kuratorin der Sonderausstellung "Kult Katze!"
Glücksbringer Winke-Katze
In Japan wiederum glaubt man bis heute, dass sich Glück herbeiwinken lässt - wegen einer Katze. Eine Legende besagt, dass die Katze Tama den Fürsten Ii Naotaka im 17. Jahrhundert vor einem Blitzeinschlag rettete, indem sie ihn in einen Tempel hineinwinkte. Deshalb wird die Figur einer winkenden Katze als Glücksbringer verkauft - nicht nur in Japan.
Winkende Katzen als Glücksbringer: Vielfach zu sehen in der Ausstellung "Kult Katze!".
Quelle: Focke Strangmann / dpa"Die Symbolik der Katze ist sehr vielfältig. Das hat mich auch überrascht. Und es ist sehr bereichernd, wenn man sich die einzelnen Objekte ansieht und versucht die Symbolik zu entziffern", sagt Renate Noda.
Die Katze als Stubentiger
Bereits ab 500 n. Chr. halfen Katzen in China und 100 Jahre später auch in Japan, Reisvorräte vor Nagetieren zu schützen. Mit wachsender Bedeutung der Seidenproduktion sei der Bedarf an Katzen daher sprunghaft gestiegen, erläutert Kuratorin Noda. Einzelne Tiere seien zum Fünffachen des Preises für ein Pferd gehandelt worden.
Vom Nahen Osten und Ägypten aus gelangten Katzen über Handelswege erst nach Europa, über die Seidenstraße nach China und Indien und vermutlich bereits mit der ersten Expedition von Christoph Kolumbus auch nach Amerika. Lediglich die Antarktis war und ist katzenfrei.
Forschende haben in Bolivien eine neue Katzenart entdeckt. Laut einer aktuellen Studie handelt es sich um die erste neu entdeckte Katzenart seit 100 Jahren.
18.09.2026 | 0:21 minKatzen - angekommen in der Pop-Kultur
"Hello Kitty" oder die Roboterkatze Doraemon: Die Katze ist Bestandteil der japanischen Populärkultur, auch in Mangas und Animes, in Japan produzierten Comics und Zeichentrickfilmen.
Aber auch Exponate von modernen Katzenrassen, die heutzutage als schön gelten, sind ausgestellt. "Die neue Art der Züchtung ist eher negativ zu sehen", gibt Renate Noda zu bedenken, "weil man nur auf das Äußere blickt, ohne dabei zu bedenken, dass diese Art der Züchtung die Katze krank macht, also innere Krankheiten und Schmerzen verursacht".
Rund 4.000 Jahre lang ist die Zeitspanne, die die Ausstellung "Kult Katze!" abdeckt. Die rund 300 Exponate sind bis zum 30. Mai 2027 im Bremer Überseemuseum zu sehen, dazu Fotobox, Kino und Cat Club.
Das ZDF berichtete über die Katzen-Ausstellung in Bremen in der Sendung "heute in Deutschland" am 13.10.2026 ab 14 Uhr.
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