Laut ETH-Studie – Schlimmstes Klimaszenario für die Schweiz wird wahrscheinlicher

Wie wirkt sich die globale Erwärmung in Zukunft auf die Schweiz aus? Mit dieser Frage beschäftigt sich der Bericht Climate CH2025, den MeteoSchweiz und die Eidgenössische Technische Hochschule (ETH) Zürich gemeinsam veröffentlicht haben.
Dabei wurden drei Szenarien entworfen: Die Welt wird um 1.5 Grad, 2 Grad oder 3 Grad wärmer als in der vorindustriellen Zeit.
Drei Grad werden wahrscheinlicher
Das Extremszenario von +3 Grad ist heute das wahrscheinlichste. Darauf deuten neue Forschungsergebnisse der ETH Zürich und der Universität Leipzig hin. Die globale Erwärmung könnte bis zum Jahr 2100 zu einem Temperaturanstieg von 3.25 Grad führen, so die Forschenden.
«Ohne sofortige und drastische Emissionskürzungen müssen wir mit einem Szenario rechnen, bei dem die Erwärmung um 25 Prozent zunimmt», sagt Gergana Gyuleva, Doktorandin an der ETH Zürich und Hauptautorin der Studie.
Für die Menschen in der Schweiz sei extreme Hitze bereits Realität geworden. Hinzu komme, dass sich die Schweiz schneller erwärmt als der globale Durchschnitt. Würde sich die Welt um 3 Grad erwärmen, könnte das hier einen Temperaturanstieg von zusätzlichen 4.9 Grad bedeuten.
Warum die Prognose nach oben korrigiert wurde
In der Regel stützen sich Prognosen auf einen Blick in die Vergangenheit – darauf, um wie viel sich der Planet aufgrund des Anstiegs des Kohlendioxidgehalts in der Atmosphäre erwärmt hat. Die aktuelle Studie stützt sich zusätzlich auf Satellitenmessungen: wie viel Sonnenlicht der Planet absorbiert und wie viel Wärme er zurück ins All abstrahlt.
Die Differenz zwischen absorbiertem Licht und abgegebener Wärme hat sich seit dem Jahr 2000 mehr als verdoppelt: ein Hinweis darauf, dass die in der Erdatmosphäre gespeicherte Wärmemenge schneller zunimmt als bisher angenommen. Allerdings reichten die entsprechenden Daten nur 25 Jahre zurück, gibt Gyuleva zu.
Wie sich eine wärmere Welt anfühlen könnte, zeigte sich in der Schweiz bereits diesen Sommer. Basel verzeichnete 58 Tage mit Temperaturen über 30 Grad, Bern 46 und Zürich 38. Die im vergangenen November von MeteoSchweiz und der ETH Zürich veröffentlichten Szenarien prognostizieren für die Region Zürich in einem typischen Sommer in einer um 3 Grad wärmeren Welt etwa 30 Hitzetage. In diesem Jahr waren es 38.
Der schlimmste Fall lässt sich noch verhindern
Der grösste Teil der bevorstehenden Erwärmung lässt sich noch verhindern. Würden die Emissionen drastisch gesenkt, könnten sich die Erwärmungsszenarien laut den Forschenden halbieren.
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In der Praxis bedeutet dies, dass die weltweiten Emissionen bis etwa 2030 halbiert und spätestens bis 2050 auf null gesenkt werden müssen. Speziell in der Schweiz bedeute dies, Benzinautos durch Elektroautos, Öl- und Gasheizungen durch Wärmepumpen oder Geothermie zu ersetzen und erneuerbare Energien auszubauen, so Sonia Seneviratneo, Leiterin des Instituts für Atmosphären- und Klimawissenschaften an der ETH Zürich und Mitautorin der Studie.
Im CH2025-Bericht weisen die Autoren und Autorinnen zudem darauf hin, dass alarmierende Darstellungen zum Klima kontraproduktiv sind und es hilfreich ist, parallel dazu mögliche Handlungsansätze aufzuzeigen.
Auf die Frage, wie eine positive Erzählung aussehen könnte, nennt Gyuleva Beispiele aus der Schweiz.
Elektroautos, die über Nacht aufgeladen werden, dienten als Speicher für das Stromnetz. Die Städte würden ruhiger und die Luft sauberer, wenn die Zahl der benzinbetriebenen Autos abnähme – ohne dass jemandem verboten werde, Auto zu fahren. Weniger Fleisch und Milchprodukte zu produzieren und zu verzehren, statt ganz darauf zu verzichten, würde die Lebensmittelqualität verbessern, den Import von Tierfutter verringern, den Nitratgehalt im Grundwasser senken und den Tierschutz verbessern. Ein Energiesystem, das nicht von importierten fossilen Brennstoffen abhängig ist, sei weniger anfällig für geopolitische Schocks.
«Die Gesellschaft braucht positive Geschichten, positive Zukunftsvisionen, die realisierbar sind», sagt Gyuleva. «Und das sind sie.»
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