«Sterne waren krass»: Elef TV reist auf gefährlichem Eisenzug

- Der Zürcher Tiktoker Elef TV (20) reist sieben Tage durch Mauretanien und fährt dabei auf dem berühmten Eisenerzzug durch die Sahara.
- Die Fahrt auf den Erzhaufen der Güterwagen ist umstritten – Elef TV spricht im Video deshalb bewusst keine Empfehlung aus.
- Der Schweizer Reiseveranstalter «The Adventure Club» bietet die Zugfahrt weiterhin an und beruft sich darauf, dass keine schriftliche Verbotsverfügung vorliege.
Elfen Hervé liegt unter freiem Himmel auf einem Zug, der durch die mauretanische Wüste fährt. Mitten in der Nacht beginnt es zu schütten. Da habe er sich endgültig wie in einem Film gefühlt, erzählt der 20-jährige Zürcher, der auf Social Media als Elef TV bekannt ist.
Mauretanien ist kein Land, das einem beim Planen der nächsten Ferien sofort einfällt. Wer davon hört, dann oft im Zusammenhang mit Entführungen, Terrorgefahr oder tödlichen Bootsunglücken auf den Fluchtrouten vor der Küste. Elef wollte mehr sehen als diese Schlagzeilen. «Mich reizen neue Orte, Kulturen und Begegnungen mit Menschen.» Er habe das Land erleben, mit Menschen in Kontakt kommen und neue Eindrücke sammeln wollen.
«Wurde immer wieder zum Essen oder auf Tee eingeladen»
Sieben Tage war er unterwegs. «Highlight war klar die Fahrt auf dem berühmten Eisenerzzug.» Der Güterzug transportiert Erz aus dem Landesinnern an die Atlantikküste, quer durch die Sahara. Für Elef dauerte das Erlebnis samt Vorbereitung und Warten rund 20 Stunden. Schlafen unter freiem Himmel, die Wüste um sich, die Sterne über sich. «Der Himmel über der Sahara war Wahnsinn – vor dem Regen natürlich», sagt der 20-Jährige und lacht.
In Erinnerung geblieben seien ihm aber auch die Begegnungen unterwegs. Viele Einheimische würden den Zug als gratis Reisemöglichkeit nutzen, erzählt er. Menschen hätten interessiert reagiert, Gespräche seien entstanden, immer wieder sei er zum Essen oder Tee eingeladen worden.
«Habe mich dank Tourguide sicher gefühlt»
Einmal habe eine Familie ihn und seine Begleitung zu sich nach Hause eingeladen, mitten in der Wüste. «Schon die Autofahrt dorthin war besonders, der Fahrer musste ständig darauf achten, nicht im Sand stecken zu bleiben.» Gerade dieser Besuch stehe für das, was ihn an der Reise begeistert habe: die Gastfreundschaft.
Und die Sicherheit? Elef sagt, er habe sich vor der Abreise umfassend über die Risiken informiert. «Dies gehört für mich zu einer seriösen Reisevorbereitung.» Mit dem erfahrenen lokalen Tourguide habe er sich grundsätzlich sicher gefühlt.
Touristische Mitfahrten sollen seit 2024 eigentlich verboten sein
Bei der Zugfahrt stellt sich allerdings noch eine andere Frage. Der australische Sender Nine News berichtet, die staatliche Bahnbetreiberin SNIM habe 2024 das Mitfahren auf den Erzhaufen in den Güterwagen verboten. Auch Reiseblogs berichten von Einschränkungen. Die Bilder könnten also andere dazu verleiten, illegal auf einen Erzwagen zu klettern.
«Das ist ein berechtigter Einwand, und ich finde, man muss diesen Aspekt ernst nehmen», sagt Elef. Die Fahrt habe ihn gereizt, nach Absprache mit dem Tourguide habe er sich dafür entschieden. Er schränkt aber ein: «Dass ich diese Entscheidung getroffen habe, bedeutet nicht, dass sie automatisch richtig war.» Deshalb habe er im Video bewusst keine Empfehlung ausgesprochen.
Reiseveranstalter: «Wir distanzieren uns von gefährlichen Aktionen»
Auch beim Schweizer Reiseveranstalter «The Adventure Club» ist der Sahara-Zug Teil des Programms. Ursprünglich sei gar eine Zusammenarbeit mit Elef im Gespräch gewesen, sagt Co-Gründer Lars Leemann. Weil der Influencer früher habe aufbrechen wollen, als es die Planung ermöglicht habe, sei er unabhängig mit dessen lokalem Partner gereist.
Dass über ein Verbot berichtet wird, hält den Veranstalter bislang nicht davon ab, die Fahrt anzubieten. Nach seinem Kenntnisstand und den Informationen seines lokalen Partners liege dem Unternehmen keine schriftliche Regelung vor, die touristische Mitfahrten grundsätzlich untersage, erklärt Leemann. Die Diskussion hänge nach Einschätzung des lokalen Partners insbesondere mit dem riskanten Verhalten einzelner Reisender und sensationslustiger Berichterstattung zusammen.
«Wir distanzieren uns ausdrücklich von solchen Darstellungen und gefährlichen Aktionen.» Auf den eigenen Reisen gälten klare Sicherheitsregeln, lokale Guides begleiteten deren Einhaltung. Wie für Elef TV sei die Zugfahrt auch für Leemann ohnehin nur ein Teil dessen, was er seinen Gästen zeigen wolle. Das Land, seine Kultur und die Menschen seien das eigentliche Ziel.
Welche Art von Reisen reizen dich am meisten?
Carolin Teufelberger (cat) arbeitet seit 2024 für 20 Minuten als Redaktorin beim Ressort News, Wirtschaft & Videoreportagen.
KioskNews shows a cleaned-up reading view extracted from the publisher’s page — the original always lives on their site, not ours.
