Ukraine: Massive Stromprobleme nach russischen Angriffen
Die heftigen russischen Angriffe in der Nacht zum Samstag auf Energieanlagen in der Ukraine haben in weiten Teilen des Landes Stromausfälle verursacht. Bewohner der Regionen Kyjiw, Dnipropetrowsk, Donezk, Charkiw und Schytomyr seien von der Stromversorgung abgeschnitten, teilte das Energieministerium mit.
Das Stromnetz sei schwer beschädigt. Arbeiter seien unter Hochdruck dabei, die Stromversorgung wiederherzustellen. "Ständiger Luftalarm" behindere die Arbeiten jedoch.
In der Hauptstadt Kyjiw mit ihren drei Millionen Einwohnern gab Bürgermeister Vitali Klitschko bekannt, der Stromausfall beeinträchtige auch die Versorgung mit Fernwärme und Wasser.
Schäden an wichtiger Nordbrücke
Auch die wichtige Nordbrücke über den Fluss Dnipro in Kyjiw wurde beschädigt und musste vorläufig gesperrt werden. Sie verbindet den Westteil der Stadt mit dem östlichen Gebiet.
Klitschko drehte ein kurzes Video auf der Brücke, das Schäden an der Fahrbahn und den Leitplanken zeigt. Der Fahrdraht für Oberleitungsbusse seien abgerissen, sagte der Bürgermeister. Mit den Reparaturen sei bereits begonnen worden.

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj sprach von einem "kombinierten" Angriff auf die Energieversorgung seines Landes. Dabei seien 36 Raketen und mehr als 170 Drohnen eingesetzt worden. Mindestens neun Menschen wurden nach Behörden-Angaben verletzt, darunter ein Kind.
"Russland bereitet sich auf die Dreiergespräche vor, in dem es mit ballistischen Raketen auf die kritische Infrastruktur schießt", erklärte Selenskyj in sozialen Netzwerken weiter.
Am kommenden Dienstag und Mittwoch sollen in Abu Dhabi, der Hauptstadt der Vereinigten Arabischen Emirate, neue Gespräche zwischen der Ukraine und Russland unter Vermittlung der USA stattfinden. Die Aussichten auf einen Durchbruch, den seit Februar 2022 anhaltenden russischen Angriffskrieg zu beenden, werden allerdings als gering eingeschätzt.

Erst am Freitag hatte Selenskyj vor neuen russischen Attacken auf Energieanlagen und weitere Infrastruktureinrichtungen in seinem Land gewarnt. Er bezog sich auf Informationen der Geheimdienste. Gleichzeitig forderte der ukrainische Präsident von den westlichen Verbündeten ein weiteres Mal Abfangraketen für das Patriot-System zur Luftabwehr.
Pistorius: Wir können nicht mehr liefern
Deutschland kann nach den Worten seines Verteidigungsministers Boris Pistorius der Ukraine vorerst keine weiteren Patriot-Systeme zur Raketenabwehr zur Verfügung stellen. Man habe bereits mehrere Systeme geliefert und dazu viele Lenkflugkörper, sagte Pistorius der Funke-Mediengruppe.

Mehr gehe gerade nicht. "Alles, was wir jetzt geben, würden wir vorläufig nicht ersetzt bekommen - das würde bei uns Lücken reißen, die wir nicht verantworten können." Andere Staaten hätten deutlich weniger geleistet und "sind nun mehr gefordert", erläuterte Pistorius.
Russland rechtfertigt Attacken
Das russische Verteidigungsministerium in Moskau begründete den jüngsten Angriff auf die ukrainische Nordbrücke damit, die Ukraine nutze sie für den Transport von Waffen und militärischer Ausrüstung. Einer Auflistung zufolge wurden auch eine Fabrik für den Bau des ukrainischen Marschflugkörpers Flamingo, das Kraftwerk von Tripillja südlich von Kyjiw und ein Umspannwerk im Gebiet Schytomyr attackiert.
Die ukrainischen Streitkräfte griffen ihrerseits die Ölraffinerie in der russischen Stadt Saratow an der Wolga an. Die Gebietsverwaltung sprach von Schäden an mehreren Wohnhäusern, wie die staatliche russische Nachrichtenagentur TASS meldet. Videos in sozialen Netzwerken zeigten Brände auf dem Raffineriegelände. Außerdem wurde Berichten zufolge eine Rüstungsfabrik in Orjol südwestlich der Hauptstadt getroffen.
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