Organisator über CSD in Bremen: „Wir lassen uns nicht einschüchtern“

Einen Monat nach dem Anschlag auf den Berliner CSD findet in Bremen die queere Demonstration statt – in enger Kooperation mit der Polizei.
taz: Herr Dadanski, welche Auswirkungen hatte der tödliche Anschlag auf den Christopher Street Day (CSD) in Berlin Ende Juli für die Organisation des Bremer CSD?
Robert Dadanski: Wir merken, dass der CSD viel mehr thematisiert wird. Manche Leute haben jetzt Bedenken, aber von den meisten hören wir etwas wie „Jetzt erst recht!“.
taz: Ist das nur in der queeren Community so präsent?
Dadanski: Nein, allgemein im Alltag. Hier auf dem Vereinsgelände von Queer Cities begegnen uns auch Menschen, die nicht queer sind. Von denen erfahren wir gerade sehr viel mehr Solidarität als sonst. Wir sind hier in der Bremer Überseestadt sehr sichtbar, weil draußen eine große Regenbogenflagge weht.
Im Interview: Robert Dadanski
48, ist im Vorstand des Vereins CSD Bremen, den er 2016 mitgegründet hat.
taz: Wie drückt sich die Solidarität aus?
Dadanski: Die Menschen finden es einfach schlimm, was in Berlin passiert ist und sprechen über das, was ihnen dazu durch den Kopf geht. Ich persönlich freue mich sehr darüber und fühle mich dann sehr sicher in Gegenwart dieser Person.
Das Beispiel Hamburg hat gezeigt, wie gut es ist zu zeigen, dass wir uns nicht einschüchtern lassen.
taz: Bereiten Sie sich im Team anders vor als in den Vorjahren?
Dadanski: Nein. Der größte Unterschied ist, dass die Kommunikation mit der Polizei noch intensiver ist als sonst, wobei das auch letztes Jahr schon so war, weil es Drohbriefe gegen uns gegeben hatte. Ansonsten gibt es im Vorfeld wie immer unheimlich zu tun, zum Beispiel Freiwillige für den Ordnerjob zu motivieren oder allen zu erklären, wo sie ihre Startnummern für den Demozug finden.
Christopher Street Day
Die Bremer CSD-Demonstration findet am 22.8. unter dem Motto „Generationen voller Pride – glücklich, sichtbar, stark“ statt und startet um 12 Uhr am Altenwall. Zwischen Kunsthalle und Theater am Goetheplatz befinden sich Info-Stände und Gastronomie, die Kundgebung ist auf dem Goetheplatz.
taz: Hat sich am Sicherheitskonzept nach dem Anschlag etwas geändert?
Dadanski: Die Frage kann nur die Polizei beantworten, da sie allein dafür zuständig ist. Das liegt daran, dass der Bremer CSD vollständig eine Demonstration ist und kein Umzug wie in vielen anderen Städten. Wir vertrauen der Bremer Polizei in dieser Hinsicht absolut. Für die wird es aber schon eine Herausforderung, weil zeitgleich Werder im Weserstadion spielt und es ein großes Konzert auf der Bürgerweide hinter dem Bahnhof gibt.
taz: Wie ist die Kommunikation mit der Bremer Polizei?
Dadanski: Die war für uns vom Organisations-Team des CSD immer schon sehr gut. Der Bremer CSD ist auch der erste CSD, an dem die Polizei selbst mit einem Wagen teilgenommen hat – 2018 war das.
taz: Hat sich an Ihrem persönlichen Sicherheitsgefühl durch den Anschlag etwas geändert?
Dadanski: Nein, eigentlich nicht. Mir war schon vorher klar, dass so etwas passieren kann, es gab ja auch Anschläge auf andere Demonstrationen und auf Weihnachtsmärkte.
taz: Und unabhängig vom CSD? Ich denke seit ein paar Jahren bei jeder trans* Person und jedem gleichgeschlechtlichen Paar, das in der Öffentlichkeit Händchen hält: „Hoffentlich passiert euch nichts …“
Dadanski: Sagen wir mal so: Ich bin in den 1980er-Jahren zur Schule gegangen und habe noch ganz andere Zeiten erlebt.
taz: Ja, ich auch. Deshalb waren Queers auch kaum sichtbar im öffentlichen Raum. Aber es gab doch eine Entspannung in den Nuller-, vielleicht auch erst in den Zehnerjahren. Da musste man in westdeutschen Großstädten weniger Angst haben, wenn man erkennbar zum CSD unterwegs war.
Dadanski: Ja, vielleicht. Aber ich denke da nicht so viel drüber nach, einfach schon deswegen, weil ich den CSD mit organisiere.
taz: Dann mal anders gefragt: Warum ist es gut, dass der Bremer CSD jetzt stattfindet?
Dadanski: Das Beispiel Hamburg hat gezeigt, wie gut es ist zu zeigen, dass wir uns nicht einschüchtern lassen, dass die Community und deren Verbündete weiter auf die Straße gehen. Auf dem Hamburger CSD eine Woche nach dem Anschlag waren mit 300.000 Personen so viele Teilnehmer:innen wie nie zuvor!
taz: Mit wie vielen Teilnehmer:innen rechnen Sie?
Dadanski: Das kann man nie so genau sagen vorab. Auf dem letzten CSD waren 29.000. Und in diesem Jahr nehmen 54 Gruppen teil, im letzten waren es 48. Die haben alle unterschiedliche Schwerpunkte in ihren politischen Forderungen. Unser gemeinsames Motto ist „Generationen voller Pride: glücklich, sichtbar, stark“. Damit wollten wir vor allem die ältere Generation ein bisschen mehr ins Boot holen.
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