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Tuesday, September 22, 2026

Oskar musste nach 30 Jahren im Dorfbrunnen ausgesetzt werden

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  • Oskar, ein rund 50 Zentimeter grosser Karpfen, lebte über 30 Jahre im Dorfbrunnen von Rüdlingen im Kanton Schaffhausen.
  • Weil sich niemand für eine artgerechte Umgestaltung des Brunnens fand, wurde Oskar Anfang September im Rhein ausgesetzt.
  • Im Dorf wird er als «Free Willy von Rüdlingen» in Erinnerung bleiben – ein Spitzname, den Gemeindeschreiber Pascal Bollier geprägt hat.

Über 30 Jahre lebte Oskar im Dorfbrunnen in Rüdlingen im Kanton Schaffhausen. Von einem Tag auf den anderen verschwand er aber. Jetzt wohnt der rund 50 Zentimeter grosse Karpfen im Rhein, wie die «Andelfinger Zeitung» schreibt. Eine grosse Umstellung für den Fisch, der es gewohnt war, von Besuchern und Dorfbewohnern gefüttert zu werden.

Das soll aber laut Samuel Gründler, Präsident des Fischereivereins Schaffhausen, kein Problem sein. Gegenüber dem «Tages-Anzeiger» sagte er: «Karpfen fressen fast alles: Kleinlebewesen im Boden, Pflanzen, Muscheln, sie würden aber auch Mais nehmen.» Zudem würden Geschmack und Duft schon reichen, um den Instinkt wieder anzuregen. Karpfen in Flüssen und Seen können bis zu 50 Jahre alt werden.

Vor dem Teller im Brunnen «zwischengelagert»

Aber wie ist der Karpfen vor über 30 Jahren in den Dorfbrunnen gekommen? Dafür muss man zum Restaurant «Stube» rüberschauen. Dort wurden über Jahre Speisefische im Dorfbrunnen lebendig «zwischengelagert», bevor sie auf den Tellern der Gäste landeten.

Das frische Quellwasser aus dem Brunnen sollte den modrig-moosigen Geschmack der Fische neutralisieren, wie der «Tages-Anzeiger» schreibt. Als diese Tradition zu Ende ging und der Brunnen leer wurde, blieb oder liess man einen Fisch übrig, wie die «Andelfinger Zeitung» schreibt.

Oskar wurde zur nationalen Berühmtheit

Oskar ist ein sehr zutraulicher Fisch und liess sich auch gerne mal «streicheln» oder füttern. Laut «Andelfinger Zeitung» erlangte er über die Jahre durch diverse Artikel und Influencer sogar nationale Berühmtheit. Damit zog er auch Gäste von ausserhalb des Dorfes an. Gleichzeitig gingen beim Veterinäramt Schaffhausen immer wieder Beschwerden von Passanten ein, die sich um die Lebensumstände des Fisches sorgten.

Wie findest du es, dass Oskar nach über 30 Jahren aus dem Dorfbrunnen in den Rhein umgesiedelt wurde?

Der Kantonstierarzt Peter Uehlinger musste also handeln, wie er gegenüber der Zeitung sagt. Erst versuchte man, den Fischbrunnen so umzubauen, dass er eine artgerechte Tierhaltung und Oskar ein schöneres Leben ermöglichen könnte.

«Der Free Willy von Rüdlingen»

Leider fand sich niemand, der sich Oskars Schicksal annehmen und die nötigen Anpassungen umsetzen wollte. So wurde am 1. September beschlossen, den Karpfen dem Fischereiaufseher zu übergeben. Einen Tag später wurde Oskar schliesslich im Rhein ausgesetzt.

Wie es mit Oskar nun weitergeht, werden wir wohl nie erfahren. Der Fisch trägt nämlich keinen Peilsender. Trotzdem wird er im Dorf sicher noch länger in Erinnerung bleiben – als «Free Willy von Rüdlingen», wie Gemeindeschreiber Pascal Bollier gegenüber der «Andelfinger Zeitung» sagt. Eine Anspielung auf den 1993er-Filmklassiker «Free Willy», in dem ein Orca in die Freiheit entkommt.

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Jasmin Steiger

Jasmin Steiger (jst) arbeitet seit 2026 für 20 Minuten. Sie arbeitet am Newsdesk und schreibt über verschiedenste Themen.

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