Deutsche Firma bringt SBB-Personal Sprachen bei

Für vier Millionen Franken
Deutsche Firma bringt SBB-Personal Sprachen bei
Die SBB geben in den nächsten fünf Jahren fast 4 Millionen Franken aus, um die Fremdsprachenkompetenz ihrer Angestellten zu verbessern. Eine Münchner Firma führt die digitalen Kurse durch.
Publiziert: 00:01 Uhr
- Die SBB investieren bis 2031 gut 3,8 Millionen Franken in digitale Sprachkurse für ihr Personal
- Eine Münchner Firma erhält erneut den Zuschlag, inländische Anbieter dürfen nicht bevorzugt werden
- Der Beinahe-Zusammenstoss bei Neuenburg war laut SBB kein Auslöser des Programms zur Sprachförderung
Andreas SchmidInlandredaktor
Angestellte im Speisewagen, am Schalter sowie Zugbegleiterinnen und Zugbegleiter der SBB sind ständig in Kontakt mit der Kundschaft. Oder mit Kolleginnen und Kollegen aus anderen Landesteilen. Das Bahnpersonal ist in verschiedenen Sprachen gefordert, meist Deutsch, Französisch oder Italienisch oder bei ausländischen Fahrgästen oft in Englisch.
Mangelnde Sprachkenntnisse der Angestellten sorgen wiederholt für Missmut und Ärger bei den Reisenden. Gerade in Zügen, die zwischen den Landesteilen verkehren – von der Deutschschweiz ins Tessin oder der Romandie in die Deutschschweiz –, treten regelmässig Sprachbarrieren zutage.
Sprachkompetenz wichtig
Gute Kenntnisse der Landessprachen seien für die Zusammenarbeit innerhalb der SBB und für den Kontakt mit der Kundschaft sowie Partnerfirmen und öffentlichen Institutionen wichtig, sagt SBB-Sprecherin Carmen Hefti. So hat die Bahn kürzlich einen Auftrag für digitale Sprachlernangebote vergeben. Von Anfang 2027 bis Ende 2031 betrauen die SBB eine Münchner Firma damit, die Angestellten in Fremdsprachen weiterzubilden. Gut 3,8 Millionen Franken geben die SBB dafür aus.
Das Unternehmen mit fast 36'000 Mitarbeitenden fördert deren Sprachkompetenzen bereits seit 2017, der Auftrag musste nun nach Beschaffungsrecht neu ausgeschrieben werden. Erneut erhält der Anbieter aus Deutschland den Zuschlag, er kann auch künftig die Weiterbildung durchführen.
Eine Bevorzugung inländischer Anbieter sei von Gesetzes wegen nicht erlaubt, betont SBB-Sprecherin Hefti. Wie viele der Offerten aus der Schweiz kamen, gibt sie nicht an. «Den Zuschlag erhielt das wirtschaftlich und qualitativ beste Angebot.» So wie es im Beschaffungsrecht vorgeschrieben sei.
Spezifische Kurse
Die digitalen Lehrgänge ermöglichten zeit- und ortsunabhängiges Lernen und vereinfachten den Zugang zu sprachlichen Weiterbildungen, sagt Hefti. Das Angebot umfasse Kurse für alle Mitarbeitenden sowie spezifische Module für den Kundenkontakt und für Berufsgruppen, deren Sprachkenntnisse sicherheitsrelevant seien.
Die SBB beschaffen die Tools auch für ihre Tochtergesellschaften, etwa die Speisewagenbetreiberin Elvetino oder das Gütertransport-Unternehmen SBB Cargo. Das bereits bestehende Angebot wird laut Hefti erweitert, um zukünftige Entwicklungen berücksichtigen zu können.
Kein Auslöser
Wegen einer Sprachbarriere zwischen Romands und Deutschschweizern waren im August 2025 bei Neuenburg beinahe zwei Züge zusammengeprallt. Ein Güterzug konnte knapp vor der Kollision mit einem Regionalzug noch bremsen. Sprachliche Missverständnisse zwischen den deutschsprachigen Lokführern im Regionalzug auf der einen und den französischsprachigen Fahrdienstleitern in der Betriebszentrale auf der anderen Seite führten dazu, dass der Regionalzug fehlgeleitet wurde und auf das Gleis des Güterzugs geriet.
Dieser Vorfall und andere Ereignisse stünden in keinem Zusammenhang mit dem internen Sprachlernprogramm der SBB, hält Sprecherin Hefti fest. Dieses sei seit Jahren verankert und werde nun fortgeführt und weiterentwickelt.
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