Sudan-Krieg – El Obeid: Stimmen aus der Stadt im Zentrum des Kriegs

Ein Begriff fällt in fast allen sechs Sprachnachrichten, die Menschen aus El Obeid geschickt haben: Drohnenangriffe. Sie bestimmen derzeit den Alltag in der Stadt.
El Obeid ist die Hauptstadt von Nord-Kordofan und einer der wichtigsten Verkehrsknotenpunkte im Sudan. Die Stadt liegt auf der Verbindung zwischen den Gebieten im Osten und im Zentrum des Landes, die grösstenteils von der sudanesischen Armee kontrolliert werden, und Darfur im Westen, wo die Rapid Support Forces (RSF) weiterhin grosse Gebiete beherrschen.
Wer El Obeid kontrolliert, kontrolliert damit auch eine zentrale Versorgungsroute durch das Land. Rund eine halbe Million Menschen leben derzeit in der Stadt, darunter viele Vertriebene.
Versorgung unter Beschuss
Huda Omar, Mutter von zwei Kindern, sagt: «Drohnenangriffe gehören für uns inzwischen zum Alltag wie das tägliche Essen.» Früher sei der Krieg vor allem an den Rändern der Stadt gewesen. Heute komme er aus der Luft. Wasser sei knapp, teuer und oft salzig. Viele Menschen suchten den ganzen Tag nach Arbeit und verdienten kaum genug für eine Mahlzeit. Doch am meisten fürchtet Omar die Drohnen. «Hunger und Durst können wir vielleicht aushalten. Aber vor den Drohnen kann man sich nirgends verstecken.»
Die 23-jährige Sujood Al-Rasheed studiert Finanzbuchhaltung. Ob sie Unterricht hat, weiss sie oft erst am selben Tag. «Vielleicht schafft es ein Dozent heute zu uns, morgen aber schon nicht mehr. Dann fällt die Vorlesung aus, und wir gehen wieder nach Hause.» Busse fahren unregelmässig, Fahrten werden teurer. «Die Drohnen kreisen über uns», sagt sie. «Manchmal treffen sie militärische Ziele, manchmal Zivilisten.»
Die Drohkulisse von El Fasher
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El Fasher gilt heute als Mahnung dafür, was eine lange Belagerung im Sudan bedeuten kann. Mehr als 18 Monate lang hatten die RSF die Stadt in Darfur umzingelt und die Bevölkerung immer stärker eingeschlossen. Als sie El Fasher im Oktober 2025 schliesslich einnahmen, folgten Massentötungen, Vergewaltigungen, Entführungen und ethnisch motivierte Gewalt. Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International spricht von Verbrechen gegen die Menschlichkeit und ethnischen Säuberungen; UNO-Ermittler von «Merkmalen eines Genozids».
Gerade deshalb schlägt die UNO bei El Obeid früh Alarm. Sie erkennt ähnliche Muster: Einkesselung, Angriffe auf lebenswichtige Infrastruktur, erschwerter Zugang für Hilfsgüter. UNO-Menschenrechtschef Volker Türk warnte Anfang Juli: «Das ist keine Übung. Es ist Alarmstufe Rot.» Die internationale Gemeinschaft müsse handeln, bevor sich die Gräueltaten von El Fasher wiederholten.
Auch die Versorgung von aussen gerät unter Druck. RSF-Drohnen überwachen die Zufahrtsstrasse nach El Obeid; getroffen wurden Tanklastwagen und Transporte mit Hilfsgütern. «Lastwagen mit Lebensmitteln, Medikamenten und anderen lebenswichtigen Gütern können angegriffen werden», sagt Abrar Mohammed von einer Hilfsorganisation. «Deshalb sind die Preise stark gestiegen.» Am Ende treffe die Blockade vor allem die Zivilbevölkerung: «Den Menschen fehlt es am Nötigsten.»
Gleichzeitig wird El Obeid immer stärker eingeschlossen. Die RSF halten weiterhin Stellungen westlich und südlich der Stadt. Rund um El Obeid hat die Armee zudem einen mehr als 50 Kilometer langen Graben ausheben lassen. Er soll einen Angriff erschweren. Im Fall einer Offensive könnte er aber auch den Menschen den Weg nach draussen versperren.
Noch funktionieren Märkte, Schulen und Spitäler. Noch versuchen die Menschen, weiterzuleben. Der Krieg zeigt sich dabei in einer Vorlesung, die ausfällt. In einem Bus, der nicht kommt. In einem Kanister Wasser, der plötzlich zu teuer ist. Und im Surren über den Häusern, bei dem niemand weiss, wo die Drohne diesmal einschlagen wird.
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