«Ich bin nüme es Chind»: Elin (20) trifft einen Nerv

- Die Zürcher Newcomerin Elin (20) hat mit ihrem schweizerdeutschen Popsong «Bereue wird ichs nie» unbeabsichtigt einen Tiktok-Trend ausgelöst.
- Auf der neuen EP «Nüme es chind» singt sie über Ängste, Herzschmerz und das Erwachsenwerden.
- Parallel zur Musikkarriere studiert Elin Popgesang mit Schulmusik – das sei für sie «ein zweiter Plan A».
Die Zürcher Newcomerin Elin hat mit ihrem neuesten Song versehentlich einen Trend gestartet. Auf Tiktok zeigen junge Menschen zuerst ein aktuelles Bild von sich, dann ein Foto aus ihrer Kindheit. Unterlegt sind die Clips mit dem Song «Bereue wird ichs nie». «Ich bin nüme es Chind», singt die 20-Jährige in der ersten Zeile – angelehnt an ihre EP, die letzten Freitag erschien.
«Schweizerdeutsch nimmt die Distanz, die Englisch manchmal schafft.»
Elin schreibt schweizerdeutsche Popmusik: emotional und direkt. «Der Text ist für mich unglaublich wichtig», sagt sie im Gespräch mit 20 Minuten. Sie entschied sich bewusst für Dialekt. «Schweizerdeutsch nimmt die Distanz, die Englisch manchmal schafft.» Gerade deshalb seien ihre Songs auch verletzlicher.
Elin singt von Ängsten, Herzschmerz und Zeitdruck
Ihre Texte erzählen von Liebe, ersten Ängsten, Herzschmerz und Zeitdruck – von den Momenten eben, in denen man merkt, dass man nicht mehr einfach Kind ist. Wer so persönlich schreibt, gibt auch Angriffsfläche. Trotzdem wählt sie die Offenheit bewusst. «Ich will, dass sich Leute mit meiner Musik verbinden. Dafür muss ich mich verletzlich zeigen.»
Dabei sind ihre Songs nicht eins zu eins Tagebuch. Elin lasse sich auch von Menschen in ihrem Umfeld, Filmszenen oder ihrer Fantasie inspirieren. Sie sei sehr empathisch, erklärt sie, könne Gefühle aufnehmen und daraus Geschichten entwickeln. Songwriting sei zugleich Kunstform und Verarbeitungsweg.
«Bereue wird ichs nie» – Lyrics
«Irgendwann habe ich gemerkt, dass ich vielleicht doch meinen Traum leben kann.»
Mit zehn begann sie, erste Lieder zu schreiben, mit 14 wurde es ernsthafter. Lange machte sie das nur für sich, als Möglichkeit, Gefühle und Geschichten in Worte zu fassen. «Erst nach der Matura hörte ich von Menschen ausserhalb meines engsten Umfelds, meine Musik habe Potenzial.» Sie habe aber schon immer davon geträumt, Musikerin zu werden. «Irgendwann habe ich gemerkt, dass ich vielleicht doch meinen Traum leben kann.»
Gesangsstudium ist «ein zweiter Plan A»
Parallel zu ihrer Musikkarriere studiert Elin Popgesang mit Schulmusik. Ihr Ziel damit: später auch Musik an einem Gymnasium unterrichten zu können. Das sei kein Sicherheitsnetz für den Fall, dass die Musik nicht funktioniere, betont sie, sondern «ein zweiter Plan A» – eine weitere Möglichkeit, ihre Leidenschaft weiterzugeben.
«Es ist so schön, ernst genommen zu werden.»
Weil die Musik gerade viel Raum einnimmt, streckt sie ihren Bachelor auf vier Jahre. Unterstützung bekommt sie dabei auch an der Hochschule. «Es ist so schön, ernst genommen zu werden», sagt sie. Von ihren Dozentinnen fühle sie sich nicht nur fachlich, sondern auch mental getragen.
Woran merkst du bei dir am ehesten, dass du nicht mehr Kind bist?
In der neuen EP wird Elin erwachsen
Die EP «Nüme es chind» bildet genau diesen Übergang ab: das volle, manchmal überfordernde Leben ebenso wie die Leere danach. «Erwachsenwerden ist ein Paradoxon», sagt Elin. Es mache Angst, weil alles so schnell gehe. «Plötzlich wird erwartet, dass man weiss, wer man ist und was man will.» Gleichzeitig liege gerade darin auch etwas Schönes. «Egal, was auf mich zukommt: Es ist schön, dass noch so viel vor mir liegt.»
Ihre Kindheit will Elin mit dieser EP nicht verabschieden, sondern festhalten. Sie beschreibt das Projekt als Chance, ihre Kindheit und damit die Freiheit ihrer Fantasien «weiterleben zu lassen».
Ammar Jusufi (amj), Jahrgang 2001, arbeitet seit November 2024 für 20 Minuten. Nach seinem Praktikum im Ressort Ostschweiz ist er nun Redakteur im Ressort People.
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