Fliegen Geheimagenten auf? Beim Bund schrillen die Alarmglocken

- Nach einem Hackerangriff auf einen Publica-Softwarelieferanten sind womöglich Schweizer Geheimagenten im Ausland gefährdet.
- Der Bund stuft den Vorfall laut «SonntagsBlick» intern als «gravierend» ein, besonders betroffen sind NDB, Armee und Fedpol.
- Publica hat einen Krisenstab eingesetzt, die Abklärungen könnten Wochen oder Monate dauern.
Ein Hackerangriff auf einen Softwarelieferanten der Pensionskasse des Bundes Publica sorgt in Bern für grosse Besorgnis. Wie der «SonntagsBlick» berichtet, könnten die gestohlenen Daten sogar Mitarbeitende des Schweizer Nachrichtendienstes im Ausland gefährden.
Finanzministerin Karin Keller-Sutter informierte den Bundesrat am Mittwoch über den Vorfall. Die Bundesanwaltschaft ermittelt.
Nachrichtendienst besonders betroffen
Laut einer vertraulichen Informationsnotiz, die dem «SonntagsBlick» vorliegt, stuft der Bund den Vorfall intern als «gravierend» ein. Besonders betroffen seien die Sicherheitsorgane, darunter der Nachrichtendienst des Bundes (NDB), die Armee und das Bundesamt für Polizei (Fedpol).
Es wird befürchtet, dass Unbekannte mithilfe gestohlener Daten die Identität von Mitarbeitenden aufdecken könnten. Gerade für Nachrichtendienstmitarbeiter, die im Ausland verdeckt tätig sind, könnte das verheerende Folgen haben. Durch den Abgleich mit sozialen Medien und Einreisedaten könnten Personen identifiziert werden. Im schlimmsten Fall drohten ihnen Befragungen oder sogar Festnahmen durch ausländische Behörden. Ob tatsächlich solche Daten gestohlen wurden, ist nicht bestätigt.
Auch Erpressung ist denkbar
Nach Informationen des «SonntagsBlick» wurden auch die Kantone über den Vorfall informiert. Durch die Kombination verschiedener Datensätze könnten möglicherweise Rückschlüsse auf die Verteidigungsfähigkeit der Schweiz gezogen werden.
Daneben bestünden Risiken für gewöhnliche Bundesangestellte und Pensionierte. Pensionskassen verfügen unter anderem über Angaben zu Einkommen, Adressen und Familienverhältnissen. Gelangen solche Informationen in falsche Hände, könnten sie für Identitätsdiebstahl oder Erpressung missbraucht werden.
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Abklärungen könnten Monate dauern
Publica hat nach eigenen Angaben unmittelbar nach Bekanntwerden des Angriffs einen Krisenstab eingesetzt. Welche Daten und wie viele Personen tatsächlich betroffen sind, werde derzeit untersucht.
Die Abklärungen könnten Wochen oder Monate dauern. Nach Informationen des «SonntagsBlick» soll Sicherheitsstaatssekretär Markus Mäder einen geheimen Auftrag erhalten haben. Das Verteidigungsdepartement äussert sich dazu nicht.
Jonas Bucher ist Blattmacher und stellvertretender Co-Leiter des Newsdesks bei 20 Minuten. Er ist seit 25 Jahren in der Medienbranche tätig und 20 Minuten stets treu geblieben.
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